Rezepte vom Internet-Doktor: Kann das gut gehen?

29.11.11


Diagnose per Mausklick möglich

Derzeit ist in Deutschland ein Besuch beim Arzt notwendig, um sich ein Rezept und damit die Berechtigung für ein verschreibungspflichtiges Medikament zu holen. Aus England aber kommt Konkurrenz. Über das Internet holt man sich ein Rezept in einer Online-Praxis - von zu Hause aus. Ab Sonntag könne auch Deutsche das Angebot nutzen...

Die Idee, im Internet eine Art Online-Arztpraxis zu installieren kommt von zwei Medizinern im Austausch mit einem Jurist und einem Ökonom. Warum, so fragten sich die vier Männer, sollen Patienten in eine Praxis laufen, wenn sie sich auch über das Internet behandeln lassen könnten? Und in der Tat, das Konzept ist zumindest auf den ersten Blick nachvollziebar. 

Die Urheber des gedankens haben ihr Projekt jetzt in die Tat umgesetzt: 'DrEd' heißt die digitale Web-Praxis, bei der man sich per Mausklick für eine "Sprechstunde" anmeldet. Besteht der Wunsch nach einer Behandlung durch DrEd, besucht der Patient eine Sprechstunde und beantwortet gezielte Fragen des Arztes. Diese Fragen dienen dazu, den Gesundheitszustand des Patienten genau zu erfassen und befassen sich mit den Beschwerden, der medizinischen Vorgeschichte, den Medikamenten, die der Patient möglicherweise bereits einnimmt, und wichtigen körperlichen Messwerten, wie zum Beispiel Gewicht oder Blutdruck. Per Registrierung wird dann eine Online-Patientenakte angelegt.

Die Diagnose erfolgt vom DrEd-Ärzteteam spätestens ein paar Stunden nach der Anfrage. Entweder wird eine Diagnose gestellt, eine entsprechende Behandlung vorgeschlagen und mögliche Medikamente verschrieben - oder aber der Patient bekommt die Info, sich persönlich bei einem Arzt seines Vertrauens vorzustellen. Dies gilt grundsätzlich auch für alle Not- und Akutfälle und Patienten unter 18 Jahren.

Keine Praxisgebühr notwendig

Als Behandlungsgebiete stehen Online-Patienten die Bereiche Männergesundheit, Frauengesundheit, Sexualgesundheit, Innere Medizin, Allgemeinmedizin und Reisemedizin zur Auswahl. Ein Profil der Ärzte, die sich bei DrEd um die Patientenanliegen kümmern, kann man sich auf der entsprechenden Website anschauen. Dort loggt man sich auch kennwortgeschützt bei jedem Besuch in seine persönliche Patientenakte ein.

Der Sitz des Unternehmens liegt allerdings in England, dort ist der Service schon länger verfügbar. In Deutschland startet das Angebot diesen Sonntag.

Gebühren für die Behandlungen durch DrEd sind je nach Sprechstunden unterschiedlich. Sie liegen zwischen 9 und 29 Euro. Die in Deutschland übliche Praxisgebühr in Höhe von 10 Euro wird indes nicht erhoben. Bei DrEd bezahlen die Patienten aber nur dann, nur, wenn Sie eine Behandlung von in Anspruch nehmen. Besuch, Diagnose, Erstberatung und Behandlungsempfehlung sind kostenlos.

Wer seine Rechnung von der Krankenkasse erstatten lassen will, reicht die Behandlungsbelege - laut Informationen auf der DrEd-Homepage - wie gewohnt bei der Kasse ein. Es handelt sich dann rechtlich betrachtet quasi um den Besuch einer Praxis im Ausland und wird auch als solcher abgerechnet, heißt es. Vom Bundesgesundheitsministerium aber hört man, die Kassen übernehmen die Kosten für Online-Konsultationen nicht. Einzelheiten am besten vorher selbst mit der Kasse besprechen.

Reichlich Kritik an der Online-Praxis kommt aus der deutschen Pharma und Ärzte-Lobby. Von dem Versuch mit "Lifestylemedizin" Geld zu machen ist da die Rede. Wiederholt wird zudem beklagt, dass eine medizinische Diagnose nicht verlässlich ist, ohne den Patienten gesehen zu haben. Körperliche Merkmale und Maßnahmen werden so außer Acht gelassen. Auch eine genaue Besprechung über Gefahren und Einnahme von Medikamenten komme zu kurz.

Es hat seinen juristischen Grund, dass es eine solch virtuelle Praxis in Deutschland noch nicht gibt. Laut Berufsordnung deutscher Ärzte ist eine medizinische Beratung "ausschließlich über Kommunikationsmedien oder Computerkommunikationsnetze" nicht gestattet. DrEd aber beruft sich auf eine Mitte seit des Jahres gültige EU-Richtlinie zum Thema, was einen Firmensitz im EU-Ausland möglich macht.

Pressekontakt: RTL | RTL