Wie sinnvoll ist eine Arztpraxis im Internet?

30.11.2011 — 15:49 Uhr


Nie mehr Stunden im Wartezimmer verbringen bzw. erstmal wochenlang auf einen Termin warten – stattdessen eine schnelle Diagnose und das Rezept per Mausklick. Ist das die Zukunft? Ja, zumindest wenn es nach DrEd.com geht, der ersten Arztpraxis, die in Deutschland nur online behandelt.

Der Webdoktor ist seit Ende November online und wird heftig kritisiert.

Wie funktioniert die Arztpraxis im Internet?

Auf DrEd.com beraten und behandeln Ärzte deutschsprachige Patienten über das Internet. Bisher hat das Portal Sprechstunden zur Männergesundheit (Impotenz, Haarwuchs), Frauengesundheit (Verhütung), die Diagnose und Behandlung von Geschlechtskrankheiten sowie Malariaprophylaxe für Auslandsreisen im Repertoire. Zudem sind Labor-Untersuchungen möglich – das Portal kooperiert mit verschiedenen Laboren.

Wie läuft die Sprechstunde ab?

Erste Fragen zur Krankheit (z. B. Blasenentzündung oder Akne) werden per Auswahlverfahren beantwortet. Dann beantwortet der Patient Fragen zum allgemeinen Gesundheitszustand, unterschreibt eine Einverständniserklärung und registriert sich mit seinen persönlichen Daten (nur beim ersten Besuch). DrEd.com erstellt eine passwort-geschützte Patientenakte. Die Ärzte sollen sich innerhalb weniger Stunden mit einer Diagnose oder weiteren Fragen bei den Patienten melden.

Welche Kosten entstehen?

Der Besuch der Sprechstunde und die Diagnose sind kostenfrei. Für die Behandlung, z. B. das Verordnen von Medikamenten oder Laboruntersuchungen, fallen Kosten an. Aber: Die Praxisgebühr entfällt.

Wer sind die Ärzte?

Dr. med. Jasper Mordhorst, promovierter Urologe und Gynäkologe, und der Allgemeinmediziner Sebastian Winckler. Zudem beraten hochrangige Experten von deutschen Uni-Kliniken die Seite, so die Betreiber.

Auf diese Vorteile verweisen die Seiten-Eigentümer: 24 Stunden täglich Sprechstunde und die Scham entfällt. Empfindliche Patienten ersparen sich die Scham, Auge in Auge über ein peinliches Thema zu sprechen. Das Portal kooperiert mit deutschen Versandapotheken, die verschriebene Medikamente nach Hause liefern. Der Patient muss also weder für die Sprechstunde, noch für den Erhalt des Medikaments das Haus verlassen.

Haupt-Kritik: Eine reine Online-Kommunikation – also eine Ferndiagnose – zwischen Arzt und Patient ist in Deutschland verboten. DrEd.com ist aber eine britische Firma mit Sitz in London, bezieht sich auf EU-Recht und ist somit rein rechtlich legal.

Die Bundesärztekammer erklärt: „Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten – die Grundlage jeder Behandlung – kann nur aufgrund eines persönlichen Kontakts geschaffen werden. Diagnose und Behandlung allein über das Internet können nicht im Interesse des Patienten sein. Vor diesem Hintergrund sehen wir Angebote wie „DrEd“ äußerst skeptisch. Telemedizinische Verfahren können ärztliches Handeln unterstützen, sie sind aber kein Instrument, um ärztliche Kompetenz zu ersetzen.“

Zudem bestehe die Gefahr, dass einzelne Patienten falsche Angaben machen, um an Medikamente heranzukommen.

Auch die Kosten stehen in der Kritik: Bisher wird hauptsächlich angeboten, was die Kasse sowieso nicht zahlt, wie die Antibaby-Pille oder Präparate gegen Impotenz. Allerdings berechnet DrEd.com zum Teil Gebühren, die Sie beim Hausarzt nicht zahlen müssen. So können verschriebene Rezepte sogar teurer sein als in einer herkömmlichen Praxis. Von einer wirklichen Kosten-Ersparnis kann also nicht durchweg die Rede sein.

Pressekontakt: Bild | Bild