Frau mit allergischer Reaktion niest

Ob im Frühjahr zur Blütezeit, im Sommer zur Wespensaison oder zeitlich unbegrenzt durch dauerhafte Schadstoffbelastung, viele Menschen leiden unter einer Allergie, die meistens mit einer Einschränkung der Lebensqualität einhergeht. Jede dritte Frau und jeder vierte Mann ist in seinem Leben von einer allergischen Reaktion betroffen, deren Ursachen vielfältig sind. DrEd erklärt, welche Faktoren zur Entstehung einer Allergie beitragen und welche Möglichkeiten der medizinischen Vorbeugung und Therapie bestehen.

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Was ist eine allergische Reaktion?

Die häufigste Allergie ist eine Typ I Allergie vom Soforttyp, welche sich innerhalb weniger Sekunden oder Minuten nach Kontakt mit dem Allergen ereignet. Eine allergische Reaktion geht auf eine Überempfindlichkeit des Immunsystems auf bestimmte, normalerweise nicht schädliche Stoffe (Allergene), zurück, die in der Umwelt vorkommen. Bei individueller oder familiärer Neigung kann eine verstärkte Immunantwort ausgelöst werden. Es werden große Mengen Antikörper vom IgE-Typ gebildet, die den Stoff unschädlich machen sollen. Zudem aktivieren sie weitere Abwehrmechanismen im Körper, die sogenannten Mastzellen, die Substanzen wie Histamin freisetzen. Dadurch kommt es zur höheren Durchlässigkeit der Gefäße, weshalb Flüssigkeit ins Gewebe übertritt und allergische Hauterscheinungen hervorruft. Außerdem wird die Durchblutung angeregt, weshalb die Nasenschleimhäute anschwellen und die Schleimproduktion zunimmt. Der dadurch ausgeübte mechanische Druck auf das Gewebe wird von Nervenzellen wahrgenommen und vom Gehirn als Fremdkörper interpretiert, wodurch das häufige Niesen verursacht wird. Des Weiteren reizt Histamin Nervenzellen, wodurch Juckreiz ausgelöst wird.

Welche Ursachen haben allergische Reaktionen?

Sowohl die Umwelt als auch genetische Faktoren spielen bei der Entwicklung einer Allergie eine wesentliche Rolle. Das Vorhandensein eines potentiell allergenen Stoffes in der Umgebung ist die Voraussetzung.  Die individuelle Veranlagung sowie die Häufigkeit des Kontakts zum Allergen bestimmen das Risiko einer Allergieentwicklung. Bei häufigem Erleiden eines Wespenstichs sowie bei Allergiefällen in der Verwandtschaft, steigt die Wahrscheinlichkeit, selbst allergisch zu reagieren. Ebenso verhält es sich bei einer Pollenallergie, wenn immer wieder Kontakt mit den allergieauslösenden Pollen besteht. Eine Allergie kann sich aber auch nach einmaligem Kontakt mit dem Allergen entwickeln. Auch der Lebensstil hat eine positive oder negative Auswirkung auf die Entstehung einer Allergie, wobei die genauen Einflussfaktoren noch nicht erforscht sind. Hierzu zählen

  • Stillverhalten und Alter der Mutter
  • Psychische Belastung durch Stress 
  • Wohnverhältnisse und der Sozialstatus.

So tritt Heuschnupfen vermehrt in den mittleren bis hohen sozioökonomischen Schichten auf, wohingegen allergisches Asthma eher in niedrigen sozialen Schichten vorkommt. Das Stillen trägt zur Entwicklung und Stärkung des Immunsystems des Säuglings bei, da durch die Muttermilch schützende Antikörper vom IgA-Typ auf das Kind übertragen werden. Stress hingegen schwächt die Immunabwehr, da vermehrt das Hormon Cortisol freigesetzt wird, welches die Abwehrzellen-Anzahl verkleinert.   

Wie äußert sich eine allergische Reaktion?

Die Symptome einer allergischen Reaktion sind je nach Menge des Allergens, der Dauer des Kontakts sowie der individuellen Veranlagung unterschiedlich stark ausgeprägt. Außerdem sind verschiedene Organe betroffen. Auf der Haut zeigen sich diverse Erscheinungen wie eine Rötung, Schwellung, Bläschen, Quaddel- oder Knötchenbildung. Die Atemwege können durch Schwellung der Schleimhäute blockiert sein, wie es beim allergischen Asthma der Fall ist. Auch können sich Augen und Nase entzünden, typisch beim Heuschnupfen. Bei einer Lebensmittelallergie kann der Körper hingegen zusätzlich mit Erbrechen und Durchfall reagieren. Begleitend zu jeglicher Allergie können Müdigkeit oder Fieber auftreten, da durch die überschießende Immunreaktion der Körper geschwächt ist sowie fieberauslösende Stoffe freigesetzt werden können.

Wann handelt es sich bei einer allergischen Reaktion um einen Notfall?

Bei einem Wespenstich innerhalb der oberen Atemwege können die Schleimhäute so stark anschwellen, dass es zu Atembeschwerden bis hin zur Luftnot kommt. Außerdem führt die hyperreaktive Immunantwort zur hohen Histaminfreisetzung, die die Blutgefäße weitet und somit den Blutdruck stark fallen lässt. Dies bezeichnet man als allergischen Schock, der schnellstmöglich notfallmedizinisch versorgt werden muss.  

Was hilft gegen eine allergische Reaktion?

Die meisten allergischen Reaktionen sind jedoch nicht gleich lebensbedrohlich. Einige lassen sich durch Vermeidung des Kontakts zum Allergen verhindern. Das funktioniert gut bei verschiedenen Tierhaar- oder Lebensmittelallergien, aber bei Heuschnupfen, welcher etwa 80% der Allergien in Deutschland ausmacht, ist dies nicht so einfach. Hier kommt es durch die Pollen zur Reizung der Augenbindehäute (allergische Konjunktivitis) sowie zu Schnupfen und möglicherweise einer Nasennebenhöhlenentzüdung (allergische Rhinitis). Jedes Jahr leiden allein 9% der Jungen und 12% der Mädchen unter 18 Jahre sowie 11% der Männer und 13% der Frauen über 18 Jahre in Deutschland unter den Symptomen der Pollenallergie, was die Lebensqualität beeinträchtigt.

Eine gute Hilfe sind Medikamente gegen Allergien, die den Allergiesymptomen entgegenwirken können. Dafür haben sich sogenannte Antihistaminika wie Levocetirizin oder Aerius bewährt. Diese Substanzen blockieren Rezeptoren im Körper, die somit nicht mehr empfänglich für Histamin sind. Dadurch kann Histamin seine allergische Wirkung nicht mehr entfalten, weshalb die Symptome der allergischen Reaktion gelindert werden. Da die Gefäße sich nicht mehr so stark weiten, nimmt die Durchblutung wieder ab, weshalb die Schleimhäute abschwellen können. Bei der chronischen Allergie bessern sich die Beschwerden, weil die Entzündung abklingen kann.

Da diese Medikamente zur zweiten Generation der Antihistaminika gehören, ist das Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil verbessert. So tritt Müdigkeit seltener auf und die erwünschte Wirkung schneller ein. Die Anwendung ist unkompliziert und erfolgt je nach Bedarf als Tablette.

Wie kann das allgemeine Allergierisiko reduziert werden?

Ein wichtiger Bestandteil in der Medizin ist heutzutage mehr denn je die Prävention von Auftreten und Fortschreiten von Erkrankungen und wird unter anderem durch Schutzimpfungen, Screening oder Rehabilitationsmaßnahmen erzielt. Zum Thema Allergieprävention existieren evidenzbasierte Leitlinien, die nachgewiesen in Metaanalysen eine Allergieentstehung reduzieren. Darunter fallen das viermonatige Stillen des Neugeborenen, die Meidung aktiven und passiven Tabakrauchs während und nach der Schwangerschaft sowie Impfungen und Vermeidung von Übergewicht im Kindesalter.
Ebenso vorbeugend hat sich Fisch in der mütterlichen Diät in Schwangerschaft und Stillzeit sowie ländliche Luft bewährt, die geringer durch Kraftfahrzeugemissionen belastet ist.
Nicht empfohlen sind eine spezielle sojabasierte Diät oder das gezielte Weglassen von allergenen Nahrungsmittelinhaltsstoffen in der Schwangerschaft, da sie das Allergierisiko in Studien nicht senken konnten.

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Quellen:

  • Schäfer, T., Bauer, C. P., Beyer, K., Bufe, A., Friedrichs, F., Gieler, U., u.a. & Muche-Borowski, C. (2014). S3-Leitlinie Allergieprävention—Update 2014.Allergo Journal23(6), 32-47. Online: www.dgaki.de, aufgerufen am 8.9.2015
  • Robert Koch-Institut (Hrsg), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg) (2008) Erkennen – Bewerten – Handeln: Zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Allergische Erkrankungen. Berlin. Online: www.rki.deaufgerufen am 8.9.2015
  • Langen, U., Schmitz, R., & Steppuhn, H. (2013). Häufigkeit allergischer Erkrankungen in Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz56(5-6), 698-706. Online: www.edoc.rki.deaufgerufen am 8.9.2015
  • Hermann-Kunz, E., Thierfelder, W., Robert-Koch-Institut (Hrsg.), Springer-Verlag (Hrsg.) (2001), Allergische Rhinitis und Sensibilisierungsraten – Nimmt die Prävalenz wirklich zu? Online: www.edoc.rki.deaufgerufen am 8.9.2015