Frau beim Brust abtasten

Das Abtasten der eigenen Brüste ist eine der wichtigsten Gesundheitsmaßnahmen, die eine Frau selbst durchführen kann. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa 80 Prozent der Patientinnen haben den Tumor bei der Selbstuntersuchung festgestellt. Doch auch andere Veränderungen der Brust, wie zum Beispiel Entzündungen oder gutartige Gewebsknoten, können beim Abtasten gefunden werden. So kann zum Beispiel auch die regelmäßige Einnahme der Verhütungspille zu einer Umformung des Brustgewebes führen.

DrEd erklärt, wie das Abtasten der Brust genau funktioniert und was man tun kann, wenn ein Knoten in der Brust gefunden wird.

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Warum wird die Brust abgetastet?

Das Abtasten der Brust dient dazu, eine Veränderung im Brustgewebe möglichst früh zu erkennen. Die wichtigste Funktion hat das Abtasten in der Krebsfrüherkennung, da Brustkrebs sehr viele Frauen betrifft und meistens durch eine Tastuntersuchung festgestellt werden kann.

Wann wird die Brust abgetastet?

Die Brüste sollten einmal im Monat abgetastet werden, möglichst immer zur gleichen Zeit des Zyklus. Dafür bietet sich die Zeit während der Regelblutung an, da dann das Brustgewebe eher weich ist. Die Regelmäßigkeit der Untersuchung ist deshalb wichtig, weil sich während des monatlichen Zyklus das Brustgewebe manchmal etwas verhärtet und manchmal etwas weicher zeigt. Um also den besten Vergleich zum Vormonat zu haben, ist die Untersuchung am gleichen Zyklustag sinnvoll. Außerdem ist die regelmäßige Untersuchung wichtig, weil nur so auch kleine Unterschiede identifiziert werden können – denn je häufiger man die Brust untersucht, desto mehr bekommt man ein Gefühl für das Gewebe und seine unterschiedliche Konsistenz.

Wie beginnt eine Brustuntersuchung?

Bevor das tatsächliche Abtasten beginnt, sollten die Brüste aufmerksam im Spiegel angeschaut werden. Besonderes Augenmerk sollte auf Asymmetrien gelegt werden, ob beispielsweise eine Brust größer ist als die andere. Ein Größenunterschied ist völlig normal, nur eine Veränderung des Verhältnisses sollte notiert werden. Auch kann die Haut über einer Stelle eingezogen, gerötet, entzündet oder wie bei Orangenhaut eingedellt sein. Außerdem kann die Farbe oder Struktur der Brustwarzen und Vorhöfe verändert sein. Die Brüste sollten erst mit herunterhängenden Armen betrachtet werden und dann ein weiteres Mal, während die Arme langsam über den Kopf und zurück bewegt werden, da sich manche Strukturveränderungen erst bei Bewegung zeigen.

Wie wird die Brust abgetastet?

Es gibt keine vorgeschriebene Anleitung, wie die Brust abgetastet werden sollte. Es empfiehlt sich jedoch, immer die gleichen Abläufe zu verwenden, um keinen Schritt zu vergessen.

So kann zuerst die Brustwarze betastet und leicht gedrückt werden. Auffällig wäre es hier, wenn diese Bewegung zu starken Schmerzen führt oder sich Flüssigkeit aus der Brustwarze entleert. Sollte dies der Fall sein, ist es wichtig zu notieren, ob es sich um klare, eitrige oder blutige Flüssigkeit handelt.

Brustwarzen abtasten

Abbildung 1: Abtasten der Brustwarzen

Ist die Brustwarze untersucht, wendet man sich nun der restlichen Brust zu. Dabei wird eine Hand zur Stabilisierung unter oder auf die Brust gelegt. Die Finger der anderen Hand werden geschlossen, so dass man mit den drei mittleren Fingern eine „Tastfläche“ bildet. Diese streicht nun in einem systematischen Muster, beispielsweise immer streifenförmig vom Brustbein Richtung Achselhöhle in kleinen kreisenden Bewegungen über die Brust. Dabei kann der Druck der Hand verändert werden, um das oberflächliche wie auch das tiefere Gewebe zu ertasten.

Achselhöhle abtasten

Abbildung 2: Abtasten der Achselhöhle

Dieser Ablauf sollte zuerst im Stehen und dann im Liegen durchgeführt werden, um dann auch den unteren Teil der Brust gut abtasten zu können. Wichtig ist, bis in die Achselhöhle hinein zu tasten, da sich hier die ableitenden Lymphbahnen und –knoten befinden.

Kreisende Bewegungen beim abtasten der Brust

Abbildung 3: Kreisende Bewegungen beim abtasten der Brust

Was kann genau beim Brust abtasten gefühlt werden?

Die Brust besteht zum größten Teil aus Fettgewebe, das sich eher weich anfühlt. Die Milchgänge, die zur Brustwarze führen, sind eher feste Stränge, die insbesondere während der Stillzeit gut tastbar sind. In der Achselhöhle sitzen die Lymphknoten, die die Lymphflüssigkeit aus der Brust sammeln. Sie sollten normalerweise nicht größer als einen Zentimeter sein, es sei denn man hat einem Infekt, der mit größer angeschwollenen Lymphknoten einhergehen kann. Drückt man fester auf die Brust, kann man eventuell die darunter liegenden Muskeln und Rippen tasten.

Beim Abtasten sucht man nach Gewebsverdichtungen, die meist als „Knoten“ in der Brust beschrieben werden. Findet man einen solchen Knoten, sollte zusätzlich getestet werden, ob er sich verschieben lässt, oder immer an der gleichen Stelle bleibt.

Unterseite der Brust abtasten

Abbildung 4: Abtasten der Unterseite

Bedeutet jeder Knoten in der Brust Brustkrebs?

Es gibt viele Gründe, beim Abtasten der Brust eine knotige Veränderung zu finden. Häufig führen hormonelle Umstellungen zu Brustknoten, wenn man zum Beispiel eine Pille zur Empfängnisverhütung einnimmt. Auch gutartige Geschwüre, wie zum Beispiel die Fibroadenome, oder Zysten können bei der Selbstuntersuchung getastet werden und sind ungefährlich. Nur selten ist ein getasteter Knoten tatsächlich ein bösartiger Tumor.

Abtasten einer Hautfalte

Abbildung 5: Abtasten einer Hautfalte

Was tun, wenn ein Knoten gefunden wird?

Wird bei der Selbstuntersuchung ein Knoten in der Brust festgestellt, sollte möglichst zeitnah der Frauenarzt aufgesucht werden. Hier erfolgt eine ärztliche Untersuchung und es wird entschieden, welche weiteren Schritte unternommen werden. Dazu gehören beispielsweise bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung, ein Röntgen der Brust (Mammographie) oder eine Kernspintomographie. Wenn diese Untersuchungen nicht zu einem Ergebnis führen, kann der Knoten mit einer feinen Nadel punktiert werden. Das so gewonnene Gewebe wird unter dem Mikroskop untersucht und so herausgefunden, ob es sich um ein gutartiges oder bösartiges Gebilde handelt.

Wie sicher ist das Abtasten?

Gelegentlich steht die Selbstuntersuchung in der Kritik, weil selbst geübte Untersucher erst Knoten ab einem bis anderthalb Zentimetern ertasten können. Außerdem führt ein auffälliger Tastbefund immer auch zu Aufregung und Angst – auch wenn bei den meisten Überprüfungen am Ende eine Entwarnung ausgesprochen werden kann. Da jedoch das Abtasten der Brust auch nicht schadet, sollte die Untersuchung dennoch durchgeführt werden, um keine bösartigen Geschehnisse zu übersehen. Nichtsdestotrotz sollte regelmäßig ein- bis zweimal im Jahr der Frauenarzt zur Kontrolle und für die Krebsfrüherkennung aufgesucht werden. Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr wird außerdem alle zwei Jahre eine Mammographie empfohlen, die von der Krankenkasse bezahlt wird.

Wie kann die Pille die Brüste verändern?

Es gibt mehrere Nebeneffekte der Pille, die zu Veränderungen in den Brüsten führen können. Da es bei manchen Pillen zu vermehrten Wassereinlagerungen kommt, können daraufhin auch die Brüste an Größe zunehmen. Manchmal kommt es dabei zu einem Spannungsgefühl in den Brüsten. Auch Fibroadenome, also gutartige Brusttumore, entwickeln sich tendenziell häufiger bei Frauen, die schon in frühen Jahren begonnen haben, mit der Pille verhüten. Ebenfalls besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Brustkrebs bei Frauen, die über viele Jahre die Pille einnehmen. Andere Faktoren wie die Genetik, der Lebensstil und die Dauer zwischen der ersten Periode und den Wechseljahren hat jedoch einen entscheidenderen Einfluss auf die Entwicklung von Brustkrebs.

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Quellen:

  • Nelson, H.D., Tyne, K., Naik, A., Bougatsos, C., Chan, B.K. and Humphrey, L., 2009. Screening for breast cancer: an update for the US Preventive Services Task Force. Annals of internal medicine, 151(10), pp.727-737.

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