Übergewicht und andere Kontraindikationen der Antibabypille

Die Pille gilt als ein sehr sicheres Medikament zur Verhütung. Dennoch können wie bei anderen Medikamenten Kontraindikationen die Einnahme einschränken. Kontraindikationen oder Gegenanzeigen sind Gesundheitszustände oder Einflüsse, die die Wirkung der Pille beeinflussen können. Welche das sind, beantworten wir in diesem Artikel.

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Wie wirkt die Pille?

Die Pille enthält als Wirkstoffe synthetisch hergestellte Formen der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen. Sie hemmen die Ausschüttung der Hormone LH und FSH im Hypophysenvorderlappen, einem Teil des Gehirns. Die konstante Zufuhr von Östrogen und Gestagen unterdrückt unter anderem den Eisprung, weshalb Antibabypillen auch Ovulationshemmer genannt werden (Ovulation ist das Fremdwort für den Eisprung). Präparate, die Östrogene und Gestagene enthalten, werden als Kombinationspräparate bezeichnet. Es gibt auch Monopräparate, die nur Gestagene enthalten und bei Unverträglichkeit eines Kombinationspräparates verschrieben werden. 

Erhöht die Pille das Thromboserisiko?

Eine Thrombose beschreibt die Blutgerinnung innerhalb eines Gefäßes. Dadurch kann ein Blutgerinnsel (Thrombus) entstehen. Dieses Blutgerinnsel kann mit dem Blutstrom davongetragen werden und sich in kleinen Gefäßen und Kapillaren festsetzen. Besonders häufig sind arterielle Gefäße, die tiefen Beinvenen und die Gefäße in der Lunge betroffen. Ärzte sprechen dann von Beinvenenthrombosen bzw. Lungenembolien. Mögliche Anzeichen einer tiefen Beinvenenthrombose sind ein Anschwellen des Beins oder Fußes, eine Erwärmung des betroffenen Beins oder ein Druckschmerz bei längerem Stehen oder Gehen.

In mehreren Studien wurde festgestellt, dass sich das Thromboserisiko bei Einnahme der Antibabypille erhöht. Es steigt mit zunehmendem Östrogengehalt in der Pille und dem Alter einer Frau. Zudem gibt es Unterschiede in der Anhebung des Thromboserisikos, abhänging von der genauen Zusammensetzung der jeweiligen Pille.

Pille bei Übergewicht: Was müssen übergewichtige Frauen beachten, wenn sie die Pille nehmen?

Weitere Risikofaktoren sind ein erhöhtes Körpergewicht und Bewegungsmangel. Das Herz-Kreislauf-System von Frauen mit leichtem oder starkem Übergewicht (Adipositas) ist einer höheren Grundbelastung ausgesetzt als das von Frauen mit Normalgewicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Blutgerinnsel bildet, ist dadurch ebenfalls erhöht. In Kombination mit einer Antibabypille kann das Thromboserisiko sehr hoch werden.

Im Rahmen einer schweren Operation kann ein Bewegungsmangel zu einer schlechteren Durchblutung der Gefäße führen. Deshalb können sich hier schneller Blutgerinnsel entwickeln. Dieses Risiko ist besonders hoch, wenn gleichzeitig die Pille eingenommen wird. Verschiedene Östrogen-Gestagen-Präparate haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Entstehung von Blutgerinnseln. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserem Artikel zu den Nebeneffekten der Antibabypille.

Pille und rauchen: Was müssen Raucherinnen bei der Einnahme der Pille beachten?

Ein weiterer Risikofaktor ist der Konsum von Zigaretten. Mehr als zehn Zigaretten pro Tag bewirken eine starke Zunahme des Thromboserisikos. Die Ursachen dafür sind unklar. Als möglichen Grund vermutet man die gefäßschädigenden Wirkungen des Rauches. Bei rauchenden Frauen erhöht sich durch die Einnahme von Östrogen-Gestagen-Kombinations-Präparaten auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Besonders Frauen über 35 Jahren sollten auf andere Verhütungsmethoden zurückgreifen, wenn sie nicht mit dem Rauchen aufhören können. Neben dem erhöhten Risiko für Thrombosen bei Einnahme der Antibabypille existieren noch weitere gesundheitsschädliche Folgen des Rauchens.

Können Naturheilprodukte oder homöopathische Mittel ein Risikofaktor bei der Verwendung der Pille sein?

Die Anwendung von Johanniskraut ist ein Risiko für die Wirksamkeit der Antibabypille. Östrogen und Gestagen zählen zu den Steroidhormonen. Sie müssen in der Leber abgebaut werden. Dafür sind verschiedene Enzyme notwendig. Johanniskraut (wird vor allem bei depressiven Verstimmungen, Stress und Anspannung eingesetzt) aktiviert die Enzyme, die Steroidhormone abbauen. Durch die gesteigerte Aktivität werden auch das Östrogen und Gestagen aus der Antibabypille vermehrt abgebaut, weshalb die Wirksamkeit der Pille nachlässt und diese nicht mehr zuverlässig schützt.

Pille und Antibiotika: Besteht ein Risiko bei der gleichzeitigen Einnahme von Antibiotika und der Pille?

Bei der Einnahme der Pille sollte berücksichtigt werden, dass bestimmte Antibiotika wie Aminopenicilline und Doxycyclin Einfluss auf die ideale Wirkweise von Kombinations-Präparaten haben können. Aminopenicillin und Doxycyclin beeinträchtigen die Wirksamkeit von Östrogen-Gestagen-Kombinationen. Durch ihre Wirkmechanismen schädigen sie die natürliche Flora des Darms. Deshalb können die hier natürlich angesiedelten Bakterien ihren Aufgaben nicht mehr nachgehen und es kommt zum Beispiel zu Durchfall. Dadurch ist die Aufnahme der Inhaltsstoffe der Pille im Darm einschränkt und die Wirkstoffe werden schneller ausgeschieden. Die Wirkstoffkonzentration im Körper kann dadurch so weit herabgesetzt werden, dass der Eisprung nicht mehr verhindert wird. Auch weitere Antibiotika können die Wirkung der Pille negativ beeinflussen.

Es gibt eine Reihe weiterer Risikofaktoren und Kontraindikationen, die vor der Einnahme der Pille beachtet werden sollten. Die unten stehende Tabelle gibt einen Überblick der möglichen Risiken neben den im Artikel erwähnten Kontraindikationen. In jedem Fall sollte vor der ersten Verschreibung eine Beratung durch einen Frauenarzt/eine Frauenärztin erfolgen. 

Bei diesen Erkrankungen sollte ein anderes Verhütungsmittel verwendet werden:

Bei dieses Erkrankungen kann ein erhöhtes Risiko für Komplikationen bestehen:

akute und chronische Lebererkrankungen, Leberkrebs

Erkrankungen der Leber, Gallenblase und den Gallengängen, besonders in der Schwangerschaft
tiefen Beinvenenthrombose oder Thrombosen in anderen Organen  Blutgerinnsel in oberflächlichen Venen
Brustkrebs Migräne mit Aura
Herzinfarkt, unregelmäßig auftretender Bluthochdruck Herzkrankheiten in der Familie, gut eingestellter Bluthochdruck
Schlaganfall starkes Übergewicht
Schwangerschaft

leichte Fettstoffwechselstörungen

Diabetes mellitus mit Gefäßschäden Diabetes mellitus ohne Gefäßschäden, Schwangerschaftsdiabetes
unklare vaginale Blutungen Rauchen bis 10 Zigaretten am Tag
Raucherinnen über 35 Jahren, starke Raucherinnen unter 35 Jahren (mehr als 10 Zigaretten am Tag)  
schwere Fettstoffwechselstörungen  
lange Bewegungsunfähigkeit, z.B. auf Grund von Operationen  

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