Lebensmittelallergie hervorrufende Lebensmittel

Schleimhautschwellungen, Durchfall, Luftnot, Erbrechen – das Essen von Früchten, Nüssen, Milchprodukten oder anderen Lebensmitteln kann schnell vom Genuss zu einem Albtraum werden. Bis zu fünf Prozent der Erwachsenen haben eine Lebensmittelallergie, bis zu 20 Prozent eine Lebensmittelunverträglichkeit. Bei Kindern sind die Zahlen noch ein bisschen höher.

Es gilt: Jedes Nahrungsmittel kann als Allergen wirken und jeder reagiert auf die Allergene unterschiedlich. Abgegrenzt werden muss eine Lebensmittelallergie von einer Lebensmittelunverträglichkeit und einer Pseudoallergie.

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Was ist eine Lebensmittelallergie?

Eine Lebensmittelallergie ist eine immunologisch vermittelte Reaktion gegen Allergene in Nahrungsmitteln. Dabei behandelt der Körper eigentlich harmlose Eiweiße oder Stoffe aus der Umwelt als Gefahr und reagiert entsprechend mit einer Allergie. Meist handelt es sich nicht um eine reine Sensibilisierung gegen gewisse Nahrungsmitteln, sondern um sogenannte sekundäre Nahrungsmittelallergien, hervorgerufen durch Kreuzallergien. Bei Kreuzallergien richtet sich die ursprüngliche Sensibilisierung gegen ein Inhalationsallergen wie bei einer Pollenallergie. Durch die Verwandtschaft von bestimmten Proteinen der Pollen und der Lebensmittel reagieren Betroffene fälschlicherweise auf beide mit allergischen Reaktionen. Dieser Zusammenhang spielt sich auch in den Statistiken wieder: Fast 90 Prozent der Patienten haben auch eine Pollenallergie, zwei Drittel leiden an atopischen Erkrankungen wie allergischer Rhinitis, Asthma bronchiale und atopischer Dermatitis.

Gegen welche Lebensmittel kann man allergisch sein?

Prinzipiell gilt: Alles kann als Allergen wirken, also allergische Reaktionen verursachen. Die sieben häufigsten Allergene sind: Kuhmilch (vor allem bei Kleinkindern), Hühnerei, Fisch, Schalentiere, Soja, Nüsse und verschiedene Mehlsorten.

Zeigt sich eine Lebensmittelallergie immer sofort nach dem Essen?

Nicht alle Immunreaktionen zeigen sich sofort nach dem Konsumieren eines Nahrungsmittels. Nichtsdestotrotz ist der Typ I – die Sofortreaktion – am häufigsten. Dabei bindet sich ein körpereigener Antikörper an so genannte Mastzellen. Wenn ein Allergen an diesen Komplex bindet, schüttet die Mastzelle einen Entzündungsmediator aus. Das ist meistens Histamin.
Eine Reaktion auf Allergene kann sich aber auch erst nach 1-20 Stunden (Typ II+III) oder nach über 20 Stunden (Typ IV) zeigen.

Welche Arten der Lebensmittelallergien gibt es?

Grundsätzlich lassen sich immunologische Reaktionen („Lebensmittelallergie“) von nichtimmunologischen Reaktionen („Lebensmittelunverträglichkeit/ „Pseudoallergie“) abgrenzen. Zu den Lebensmittelallergien zählen die oben erwähnten Antikörper- und Mastzell-vermittelten Immunreaktionen.

Zu Lebensmittelunverträglichkeiten zählen unter anderem die Unverträglichkeit von Fruchtzucker, die Laktoseintoleranz oder auch die Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit). Dabei kommt es zu keiner Reaktion des Immunsystems. Vielmehr sind verschiedene Mechanismen des Magen-Darm-Traktes gestört (z.B. Enzyme oder die Schleimhaut), sodass ein Lebensmittel nicht richtig verarbeitet oder aufgenommen werden kann. Es folgen die typischen Symptome wie Bauchschmerzen oder Blähungen.

Was für Symptome treten bei einer Lebensmittelallergie auf?

Bei 50 Prozent der Patienten treten Reaktionen an der Haut auf, z.B. Ausschläge oder Juckreiz. 20 Prozent reagieren auf den Allergenkontakt mit allergischem Asthma, Schnupfen, Niesen oder zugeschwollenen Atemwegen. Die Schleimhaut im Rachenraum kann so stark anschwellen, dass die Atmung behindert wird und im Extremfall Ersticken droht.

Des Weiteren kann es zu einem pelzigen Gefühl an den Lippen und am Gaumen kommen oder zu Bauchkrämpfen, Durchfall und Erbrechen (20 Prozent). Besonders gefährlich sind die Reaktionen, welche sich auf den Kreislauf auswirken. Das geschieht meist in Form einer erhöhten Herzfrequenz und einem gleichzeitigen Blutdruckabfall (anaphylaktischer Schock). In einer solchen Situation muss ein Notarzt gerufen werden.

Wie äußern sich Lebensmittelallergien bei Säuglingen und Kleinkindern?

Säuglinge und Kinder reagieren bei Lebensmittelallergien meist noch stärker als Erwachsene. Typische Allergene sind Milch, Fisch, Eier, Nüsse und Fleisch. Diese Allergene können bei sehr starken Sensibilisierungen sogar über die Muttermilch übertragen werden. Dass Säuglinge auf gewisse Nahrungsmittel stärker reagieren, liegt vermutlich an ihrem pH-Wert im Magen. Dieser ändert sich ab dem dritten Lebensjahr und passt sich dem Magensäuremilieu von Erwachsenen an. Deswegen haben viele Kinder ab ca. drei Jahren weniger Probleme mit den Allergenen. Allerdings weisen solche Kinder ein höheres Risiko für allergische Reaktionen auf, weshalb sie ab dem jungen Erwachsenenalter häufiger auf andere Allergene wie Pollen oder Gräser reagieren.

Wie erfolgt die Diagnostik?

Am Wichtigsten und auch Einfachsten ist die Anamnese durch einen Arzt sowie das Führen eines Ernährungstagebuchs über drei oder mehr Wochen. So können verdächtige Nahrungsmittel eingegrenzt werden, die die Beschwerden eventuell verursachen. Das wird meist zusammen mit einer sogenannten Eliminations- oder Basisdiät durchgeführt. Dabei wird über sieben Tage ausschließlich eine allergenarme Basiskost (z.B. Reis-Kartoffel-Wasser-Diät) gegessen. Wenn sich die Beschwerden des Patienten dann nicht bessern oder verschwinden, kann eine Lebensmittelallergie als ursächlich ausgeschlossen werden.

Bei Beschwerdefreiheit werden nach und nach einzelne Lebensmittel der Basiskost hinzugefügt. So lassen sich die von bestimmten Lebensmitteln hervorgerufenen Reaktionen gut differenzieren. Im Labor kann das Gesamt-IgE (Antikörper) oder Histamin als Entzündungsmediator bestimmt werden.

Eine andere gängige Nachweismethode ist der Prick-Test. Dabei werden die Eiweiße verschiedener Allergene durch einen kleinen Ritz in die Haut eingebracht. Reagiert der Patient allergisch, zeigt sich das durch eine Hautrötung. Zur Diagnostik kann des Weiteren ein oraler Provokationstest herangezogen werden. Dabei nimmt der Patient unter ärztlicher Aufsicht eine kleine Menge des entsprechenden Nahrungsmittels zu sich und die Reaktion wird beobachtet. Im Rahmen einer ausführlichen Diagnostik müssen außerdem andere etwaige gastrointestinale Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Häufige Differentialdiagnosen zu Lebensmittelallergien oder –unverträglichkeiten sind chronische Infektionen, Reizdarmsyndrome, Magenschleimhautentündungen oder psychosomatische Reaktionen.

Was kann die Symptome verringern?

Eine Heilung gegen Lebensmittelallergien gibt es nicht. Am wirksamsten ist es das Allergen einfach zu meiden oder die Menge der Allergenzufuhr zu reduzieren. Auch die Zubereitungsart (roh oder gekocht) kann die Symptome verändern. Triggerfaktoren wie Wein, Kaffee oder Sport können die allergische Reaktion hingegen verstärken.

Eine Hyposensibilisierung wird bei Lebensmittelallergien bisher lediglich in Testverfahren durchgeführt. Bei einer Hyposensibilisierung spritzt der Arzt dem Patienten über mehrere Jahre einen Allergenextrakt in den Oberarm. So soll das Immunsystem an das Allergen gewöhnt werden und entsprechende Reaktionen ausbleiben. Diese Extrakte gibt es bisher unter anderem von Hausstaubmilben und Pollen, aber noch nicht von Lebensmittelallergenen.

Medikamentös lassen sich manche Lebensmittelallergien mit Antihistaminika (z.B. Cetirizin und Levocetirizin), Mastzellstabilisatoren (z.B. Cromoglicinsäure) oder auf der Haut aufgetragenen Kortikosteroiden (z.B. Budesonid) behandeln.

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Quellen:

  • Arastéh, K., Bieber, C., Brandt, R., & Chatterjee, T. T. (2009). Duale Reihe Innere Medizin. H. W. Baenkler (Ed.). Georg Thieme Verlag. S. 527-528.
  • Henzgen, M., Vieths, S., Reese, I., Erdmann, S., Fuchs, T., Jäger, L., ... & Vieluf, I. (2005). Nahrungsmittelallergien durch immunologische Kreuzreaktionen: Leitlinie der Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) und des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA). Allergologie, 28(5), 177-190. Online: www.dgaki.de, aufgerufen am 24.2.2016
  • Herold, G. (2016). Innere Medizin. 2016. Gerd Herold, Köln, 472-475.
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