Eine junge Frau wird von einer Ärztin zum Durchnehmen der Pille beraten

Aktuelle Umfragen zeigen, dass fast jede zweite Frau keine monatliche Regelblutung haben möchte. Für viele Frauen bedeutet die blutungsfreie Zeit einen Gewinn an persönlicher Freiheit, da die Menstruation in bestimmten Lebenssituationen störend sein kann. Gleichzeitig haben in einer Umfrage unter deutschen Gynäkologen fast alle Ärzte (97 Prozent) angegeben, dass sie Erfahrung mit dem Durchnehmen der Pille haben, dem sogenannten Langzeitzyklus. DrEd erklärt, welche medizinischen Gründe dafür sprechen, die Pille länger als 21 Tage zu nehmen und wie der Langzeitzyklus funktioniert.

Falls Sie die Pille bereits nehmen oder sich in einem Langzeitzyklus befinden, können Sie in unserer Online-Sprechstunde ein Folgerezept für Ihr Medikament anfordern.

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Weshalb machen viele Frauen die Pillenpause nach 21 Tagen?

In Deutschland ist die Einnahme der meisten Präparate zur oralen Kontrazeption dem spontanen natürlichen Menstruationszyklus nachempfunden. Das heißt, die hormonhaltige Pille wird 21 Tage durchgenommen. Hierbei unterbinden üblicherweise Ethinylestradiol und ein Gestagen die Schwangerschaft. Anschließend folgt eine siebentägige Pause, in der die Pille abgesetzt wird. In diesem hormonfreien Intervall kommt es normalerweise nach etwa zwei bis vier Tagen zu einer künstlichen Menstruationsblutung, der sogenannten Entzugs- oder Abbruchblutung. Diese Entzugsblutungen entstehen nach dem herkömmlichen Einnahmeschema somit genau einmal pro Monat, was etwa dem natürlichen weiblichen Menstruationszyklus entspricht. Deshalb hat sich das sogenannte 21 plus 7 Einnahmeschema eingebürgert. Es gibt jedoch keinen medizinischen Grund dafür, warum einmal im Monat regelmäßig eine Abbruchblutung erfolgen sollte. Vielmehr hat man bei der Einführung der Pille 1960 bewusst das 21 plus 7 Schema gewählt, um die Akzeptanz der Pille zu erhöhen und Frauen das Gefühl der Natürlichkeit zu geben. Da es bis heute jedoch keine stichhaltigen Argumente für das 21 plus 7 Schema gibt und gleichzeitig viele Frauen auf die Blutungen verzichten wollen, wird der sogenannte Langzeitzyklus immer beliebter. Hierbei wird die Pille ohne Pause mehrere Monate durchgenommen.

Wie funktioniert der Langzeitzyklus?

Im Gegensatz zu der herkömmlichen Einnahmeweise der Pille über 21 Tage plus sieben Tagen Pause werden beim Langzeitzyklus zwei bis sechs Blister ohne Pause genommen. Wenn die Pille durchgenommen wird, sinkt der Hormonspiegel nicht ab, sodass es zu keiner Blutung kommt. Nach der Einnahmephase folgt wie gewohnt ein hormonfreies Intervall, zum Beispiel durch eine siebentägige oder auch kürzere Pillenpause. Bei einer Zykluslänge von 120 Tagen ergeben sich für eine Frau nur drei Entzugsblutungen und einige zusätzliche Durchbruchblutungen pro Jahr. Insgesamt verringert sich die Blutungshäufigkeit über das Jahr hinweg stark.

Eine Umfrage unter deutschen Frauenärzten hat ergeben, dass Gynäkologen in Deutschland für den Langzeitzyklus die Einnahme von drei Blistern hintereinander bevorzugen. Auch längere blutungsfreie Zeiten (zum Beispiel zwölf Wochen) sind denkbar. Die Dauer des Langzeitzyklus kann zusammen mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin festgelegt werden. Neben dem Langzeitzyklus besteht außerdem noch die Möglichkeit der Langzeiteinnahme, bei der das hormonfreie Intervall ganz wegfällt.

Welche Pillen eignen sich für den Langzeitzyklus?

Für den Langzeitzyklus eignen sich niedrig dosierte Einphasenpräparate, sogenannte Mikropillen, bei denen die Hormondosis in jeder Pille gleich ist. Hierzu zählen zum Beispiel BelaraValetteYasminelle oder Microgynon.

Bei Unsicherheit, ob eine Pille für den Langzeitzyklus geeignet ist, können Frauenärzte oder Apotheker weiterhelfen.

Welche Vorteile bietet das Durchnehmen der Pille?

Viele Frauen schätzen an dem Langzeitzyklus die verringerte Häufigkeit der Monatsblutung und dadurch einen erhöhten Komfort. Dies ist mit weiteren Vorteilen verbunden:

  • Weniger Menstruationsbeschwerden, PMS, Migräne: Zyklusbedingte Bauchschmerzen, Blähungen, Brustspannen, Migräne und andere Beschwerden nehmen unter dem Langzeitzyklus meistens deutlich ab.
  • Höhere Verhütungssicherheit: Das Weglassen der Pillenpause (Langzeitzyklus), aber auch schon die Verkürzung der Pillenpause, erhöht die empfängnisverhütende Wirkung der Pille im Vergleich zum üblichen 21+7 Einnahmeschema, da durch den Langzeitzyklus der Eisprung nachhaltiger unterdrückt wird. Beim Einnahmemodus 21+7 kommt es trotz Einnahme der Pille häufig zu der Reifung eines Eis (Follikelreifung). Da jede zweite Frau pro Blisterpackung mindestens eine Pille vergisst, ist das Risiko für einen Eisprung und damit einer Schwangerschaft erhöht. Dies gilt insbesondere, wenn eine oder mehrere Pillen kurz vor der Pillenpause oder an den ersten Tagen der Einnahmephase vergessen werden.
  • Behandlung von Endometriose, polyzystischen Ovarien (PCO), Uterusmyomen: In mehreren Studien wurde herausgefunden, dass der Langzeitzyklus noch besser für die Behandlung von Endometriose und Uterusmyomen geeignet ist, da er nachhaltiger die körpereigene Östrogen- und Androgenproduktion unterdrückt.
  • Blutungsstörungen gehen zurück: Im Langzeitzyklus verringern sich Blutungsbeschwerden deutlich. Am Anfang des Langzeitzyklus kann es noch häufiger zu Zwischen- bzw. Durchbruchblutungen kommen. Nach einem Einpendeln der Hormone bleiben die Zwischenblutungen jedoch meistens während der gesamten Einnahmephase (also bis zu mehreren Monaten) aus. Deshalb kann der Langzeitzyklus bei Beschwerden wie Hypermenorrhö oder Dysmenorrhö eingesetzt werden.
  • Kostenersparnis: Durch die seltene Blutung im Langzeitzyklus werden Hygieneartikel wie Tampons oder Binden eingespart, sodass es bei einer kostengünstigen Pille zu Einsparungen durch den Langzeitzyklus kommt.
  • Reisen, wichtige Termine, Ramadan: Vor allem bei Fernbeziehungen oder wichtigen Ereignissen wie Prüfungen, Sportveranstaltungen, Reisen etc. schätzen Frauen die Blutungsfreiheit durch den Langzeitzyklus. Zudem berichten muslimische Frauen über Vorteile des Langzeitzyklus während des Fastenmonats Ramadan, da das Fasten durch den Langzeitzyklus nicht wegen der Monatsblutung unterbrochen werden muss.
  • Keine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit: Auch im Langzeitzyklus wird die Fähigkeit, Kinder zu bekommen von der Pille nicht nachhaltig beeinträchtigt. Nach Beenden des Langzeitzyklus dauert es jedoch einige Zeit, bis sich der körpereigene Hormonhaushalt wieder eingependelt hat und eine Schwangerschaft möglich ist.

Gibt es spezielle Pillen für den Langzeitzyklus?

In den USA gibt es schon seit mehreren Jahren spezielle Pillen zum Durchnehmen über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten hinweg, zum Beispiel die Pillen Seasonal, Seasonique, Lybrel und Low-Seasonale. In Deutschland ist momentan keine Pille zum Durchnehmen zugelassen, da noch nicht abschließend beurteilt werden kann, ob durch den Langzeitzyklus andere Nebenwirkungen auftreten als mit dem 21+7 Einnahmeschema. Dennoch werden von vielen deutschen Ärzten zugelassene Pillen wie LeonaMicrogynon oder Monostep „off-lable“ zum Langzeitzyklus verordnet, da es bisher keine Anhaltspunkte für negative Effekte des Langzeitzyklus gibt. 

Haben Frauen ihre Periode heute häufiger als vor 100 Jahren?

Ja, früher hatten Frauen die Periode im Laufe ihres Lebens seltener als moderne Frauen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass sie häufiger schwanger waren und die Stillzeit deutlich länger andauerte als heute. Während eine Frau schwanger ist oder stillt, wird der Eisprung unterdrückt. Durch die häufigeren Schwangerschaften und die lange Stillzeit hat die Periode der Frauen früher viel öfter ausgesetzt. Forscher der Gynäkologie im Universitätsklinikum Frankfurt geben in einer Studie an, dass Frauen vor 100 Jahren während ihres Lebens rund 160 Monatsblutungen hatten. Eine moderne Frau bekommt in ihrem Leben weniger als zwei Kinder und 450 Regelblutungen. Die hohe Zahl der Monatsblutungen hängt auch damit zusammen, dass die erste Monatsblutung bei Mädchen (Menarche) immer früher stattfindet. So haben Mädchen 1860 im Schnitt mit 16,6 Jahren das erste Mal ihre Tage gehabt. Heute liegt der Durschnitt in Deutschland bei 12,5 Jahren, sodass allein hierdurch die Zahl der Blutungen über das gesamte Leben hinweg steigt.

Die Notwendigkeit des monatlichen Blutens wird deswegen zunehmend hinterfragt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Ansicht verbreitet, dass die Menstruation eine reinigende und entgiftende Funktion habe. Heute weiß man, dass die gestiegene Anzahl der Monatsblutungen eher mit gesundheitlichen Problemen in Verbindung steht. Zu diesen Problemen gehören zum Beispiel:

  • Blutarmut und Eisenmangel: durch häufigere Monatsblutungen kommt es zu einem größeren Eisenverlust, der zu einer bestimmten Form der Blutarmut führen kann, der sogenannten Eisenmangelanämie
  • Prämenstruellem Syndrom (PMS): da Frauen früher im Schnitt seltener ihre Periode hatten, war auch die Häufigkeit des sogenannten PMS geringer.
  • Endometriose: laut der sogenannten Transplantationstheorie kann Menstruationsblut, das rückwärts (retrograd) über die Eileiter in den Bauchraum fließt, die Entstehung der chronischen schmerzhaften Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut (Endometriose) fördern.
  • Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom): Jeder Eisprung hinterlässt kleine Läsionen auf den Eierstöcken. Man geht davon aus, dass die Verletzung und Vernarbung der Eierstöcke bei einem häufigen Eisprung zu einem höheren Eierstockkrebsrisiko führt

 

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