Ärztin erklärt Patientin die Pillenpause

Die Pille ist das am häufigsten angewandte hormonelle Verhütungsmittel in Deutschland, bei welcher nach einer verschieden langer Anzahl an Einnahmetagen eine Pillenpause eingelegt wird. Viele Frauen schätzen dabei nicht nur die empfängnisverhütende Wirkung, sondern weitere positive Nebeneffekte der Pilleneinnahme. Dazu zählen eine regelmäßigere Regelblutung mit weniger Unterleibsbeschwerden, eine Besserung des Hautbildes und eine Verringerung von menstruationsbedingten Stimmungsschwankungen um nur einige der häufigsten positiven Nebenwirkungen der Antibabypille zu nennen. In der normalerweise sieben Tage dauernden Pillenpause kommt es zu einer – meist leichten – Blutung. Doch ist diese Pause überhaupt notwendig, oder kann sie eventuell verkürzt oder auch verlängert werden? DrEd beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema „Pillenpause“.

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Was passiert während der siebentägigen Pillenpause nach einem aufgebrauchten Pillenblister?

In der Regel wird bei der Einnahme einer Mikropille aus einem Pillenstreifen 21 Tage lang jeden Tag eine Pille eingenommen. Anschließend folgt eine genau sieben Tage dauernde Pause, in der es zu einer sogenannten Hormonentzugsblutung kommt. Wie der Name sagt, ist es im medizinischen Sinne keine Menstruationsblutung, sondern eine Blutung, die durch das Fehlen der vorher eingenommenen Hormone entsteht. Bei der Einnahme der Pille kommt es nicht zum Eisprung, auch die Gebärmutterschleimhaut baut sich nur in sehr geringem Maße auf. Deshalb ist unter der Pille die Blutung oft nur noch sehr schwach oder gar nicht mehr vorhanden. Auch während der siebentägigen Pause kann eine Frau also nicht schwanger werden.

Warum wurde die Pillenpause ursprünglich auf sieben Tage festgelegt?

Die Pillenpause wurde aus mehreren Gründen auf sieben Tage festgelegt: Zum Einen ist dadurch ein regelmäßiger Zyklus gegeben, der immer genau 28 Tage, also vier Wochen dauert. Dies ist für die meisten Frauen ein entscheidender Vorteil, da er so vorhersehbar ist und die Pillenpause, Blutung und Beginn eines neuen Pillenstreifens immer am selben Wochentag stattfinden. Auch sexuelle oder andere Aktivitäten, die durch den Zyklus eventuell eingeschränkt sein können, sind auf diese Weise besser planbar und können bei Bedarf für diese eine Woche unterlassen werden.

Die sieben Tage sind auch das zeitliche Maximum, während denen die Pille noch empfängnisverhütend wirkt. Wird die Pille länger als sieben Tage nicht eingenommen, so beginnt der Körper, wieder selbst Geschlechtshormone zu produzieren. Ein regulärer Zyklus mit Eisprung kann dann eventuell die Folge sein. Dieser Vorgang wurde zuvor von der Pille unterdrückt. Eingeführt wurde die Pause mit der Hormonentzugsblutung ursprünglich, um eine Natürlichkeit des Zyklus zu bewahren. Für viele Frauen, besonders solche, die die Pille erst in späteren Lebensjahren einnehmen, ist das natürliche Gefühl inklusive der Monatsblutung sehr wichtig. Eine medizinische Notwendigkeit für die monatliche Entzugsblutung unter der Pilleneinnahme ist jedoch nicht vorhanden.

Wie wichtig ist es, dass genau sieben Tage lang mit der Einnahme pausiert wird?

Für Frauen, die mit ihrem Zyklus unter der Pille nach dem 21-Pillen-7-Tage-Pause-Schema gut eingestellt sind, besteht normalerweise kein Bedarf nach einer Veränderung. Viele Frauen sind mit der Vorhersehbarkeit des Zyklus so zufrieden, dass sie keine Alternativen suchen. Für sie ist jedoch sehr wichtig, dass sie die Pille regelmäßig einnehmen und nicht vergessen, da dann der Verhütungsschutz nicht mehr ausreichend gewährleistet ist. Das Maximum von sieben Tagen einzuhalten ist besonders wichtig für den Schutz vor einer Schwangerschaft, da nach dieser Woche keine empfängnisverhütende Wirkung mehr gegeben ist. Eine Verkürzung der Pause ist auf verschiedene Arten möglich, auch ein Weglassen der Pause wird von vielen Frauen in unterschiedlichen Situationen unter Erhalt des Verhütungseffekts praktiziert. Wer sich überlegt, eine der unterschiedlichen Varianten zu probieren, sollte immer vorher mit dem behandelnden Gynäkologen sprechen. Nicht alle Pillenpräparate sind für das Durchnehmen im sogenannten Langzeitzyklus geeignet.

Welche Möglichkeiten gibt es zur Verkürzung der Pillenpause?

Eine Verkürzung der Pause ist prinzipiell möglich und unter manchen Umständen auch sinnvoll: Im Zusammenhang mit der Vorhersehbarkeit des Zyklus unter der Pille kann es trotzdem zu der Situation kommen, dass die erwartete Pillenpause zu einem unpraktischen Zeitpunkt, wie beispielsweise einem Strandurlaub, auftritt. In diesem Fall ist es möglich, die Pause für diesen Zeitraum zu unterlassen und nach dem Ende eines Blisters gleich den nächsten einzunehmen. Dieses Verfahren funktioniert nur bei den Einphasenpräparaten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Präparat für ein Verschieben der Regel in Frage kommt. Kommt es hierbei auf einen bestimmten Tag an, so kann auch im vorherigen Zyklus die Pause von sieben Tagen auf einen kürzeren Zeitraum reduziert werden. So kann die Periode verschoben werden. Die Pille wird nach Ende des nächsten Blisters wie gewohnt weiter mit den vorhergesehenen Pausen eingenommen.
Auch wenn die Pille vergessen wurde, kann es sinnvoll sein, die Pause zu unterlassen: Besonders bei einem Fehler in der dritten Einnahmewoche kann es nämlich zu einem Eisprung und so zu einer Schwangerschaft kommen. Wird dieser Fehler rechtzeitig vor dem Pausieren der Einnahme bemerkt, ist es für den Verhütungsschutz sinnvoll, die Pillenpause nicht wie vorgesehen zu machen, sondern ohne Pause gleich mit dem neuen Blister zu beginnen.

Kann man die Pillenpause auf Dauer weglassen?

Die Pause kann unter gewissen Umständen einmalig weggelassen werden, es gibt jedoch auch Konzepte zur längerfristig durchgängigen Einnahme der Pille.
Der Langzeitzyklus ist eine neuere Variante, bei der bis zu drei Blister am Stück ohne Pause eingenommen werden. Erst nach dieser bis zu neun Wochen dauernden blutungsfreien Zeit wird eine maximal sieben Tage lange Pause gemacht. Anschließend kann die Pille wieder durchgehend eingenommen werden. Dieses Prinzip stellt eine Mischung aus einer gewissen Natürlichkeit durch den immer wieder auftretenden Zyklus und eine Entlastung von monatlichen Blutungen dar. Mindestens vier Mal (also alle drei Monate) im Jahr sollte jedoch eine Blutung stattfinden. Dies ist wichtig zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut. Nicht alle Pillenpräparate sind für den Langzeitzyklus geeignet. Wer überlegt die Pille im Langzeitzyklus zu nehmen, sollte das vorher mit dem Gynäkologen besprechen.

Wie wirkt sich ein Verkürzen oder Weglassen der Pause auf die positiven Nebeneffekte der Pille aus?

Die positiven Einflüsse der Pille beispielsweise auf Hautbild, Stimmung und Menstruationsbeschwerden, sind durch ein Weglassen oder Verkürzen der Pause in der Regel nicht verringert. Im Gegenteil – oft verstärken sich die Verbesserung des Hautbildes und Verringerung von hormonell bedingten Stimmungsschwankungen im Langzeitzyklus noch einmal. Durch die ganz ausfallende Pause wird die Schwankung im Hormonspiegel unterbunden, was sich bei den meisten Frauen sogar positiv auswirkt.

Bei einer Verkürzung der Pillenpause im Rahmen der Verschiebung der Monatsblutung verändert sich meist kaum etwas. Die positiven Effekte, die durch die Einnahme der Pille aufgetreten sein können, bleiben in der Regel erhalten.

Welche Nachteile können beim Weglassen der Pillenpause auftreten?

Bei jeder Art der von der gewohnten Form abweichenden Einnahme kann es in manchen Fällen zu typischen Problemen kommen. Häufig treten Schmierblutungen beim Unterlassen der Pause auf. Diese dauern jedoch meist nur wenige Tage und sind eher schwach. Es kann selten auch zu Unterleibsschmerzen kommen. Weiterhin sind Kopfschmerzen, Schlafprobleme und Libidoverlust oder –verringerung möglich. Manchmal kann es bei der einmalig durchgängigen Einnahme zu Unregelmäßigkeiten bei der anschließenden Pause kommen, beispielsweise zu verstärkter oder zeitlich verschobener Blutung. Diese unerwünschten Nebenwirkungen stellen sich jedoch bei anschließend folgender Regelmäßigkeit in der Regel schnell wieder ein.

Bei einem Verkürzen der Pillenpause kommt es seltener zu solchen unerwünschten Wirkungen, das Verschieben der Blutung ist so relativ leicht und meist beschwerdefrei möglich.

Prinzipiell sollte darauf geachtet werden, einen regelmäßigen Zyklus beizubehalten. Ein einmaliges Verschieben der Regelblutung ist normalerweise ohne größere Probleme möglich. Wenn der Bedarf jedoch häufiger auftritt, ist es sinnvoll, über den Langzeitzyklus nachzudenken. So ist der Hormonhaushalt weniger Unregelmäßigkeiten ausgesetzt.

Ist es auch möglich, die siebentägige Pause zu verlängern?

Eine Verlängerung der Pillenpause auf mehr als sieben Tage ist nicht vorgesehen und nicht sinnvoll. Der Hormonspiegel im Körper, der sich über die vorhergehenden 21 Tage aufgebaut hat, gewährleistet den Verhütungsschutz für maximal sieben einnahmefreie Tage. Wird also die Pille in der ersten Woche nach der Pause direkt zu Beginn vergessen, ist eine zusätzliche Verhütung unbedingt notwendig. Eine Verlängerung der Pause ist also nicht ohne Verlust des Empfängnisschutzes möglich. Im Rahmen eines Pillenwechsels sollte die Pause auch nicht überschritten werden. Hier wird in der Regel – bei einem Wechsel innerhalb der Mikropillen – entweder anstelle der Pause oder direkt nach der Pause die neue Pille eingenommen. Erfolgt ein Wechsel der Pillen-Kategorie, beispielsweise von der Mikro- zur Minipille, spricht der behandelnde Gynäkologe das neue Vorgehen mit der Patientin ab.

Auch bei einem Umstieg auf eine andere Verhütungsmethode ist die Absprache mit dem Arzt unbedingt notwendig. Besonders, wenn der Verhütungsschutz gewährleistet sein soll, kann er der Patientin Ratschläge und genaue Zeitvorgaben geben. Im Zweifelsfall sollte jedoch beim Sex immer zusätzlich ein Kondom verwendet werden.

Bei einer länger als sieben Tage dauernden Pause steigt außerdem das Thromboserisiko bei erneuter Pilleneinnahme zunächst an. Auch aus diesem Grund ist ein länger als sieben Tage dauerndes Absetzen der Pille, um wenig später erneut mit der Einnahme zu beginnen, nicht sinnvoll. Beispielsweise bei geplanten Operationen oder einem kurzfristig entstehenden Kinderwunsch, der eventuell schnell wieder abklingen kann, ist ein Gespräch mit dem behandelnden Gynäkologen hinsichtlich der auftretenden Risiken empfehlenswert.

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Quellen:

  • Stauber, M. (2013). Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. T. Weyerstahl (Ed.). Georg Thieme Verlag.
  • Rosenberg, M. J., Waugh, M. S., & Meehan, T. E. (1995). Use and misuse of oral contraceptives: risk indicators for poor pill taking and discontinuation. Contraception51(5), 283-288. Online: www.ncbi.nlm.nih.gov, aufgerufen am 03.06.2016
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