Birgt eine Testosteronersatztherapie eine Gefahr?

Eine Testosterontherapie während der Wechseljahre des Mannes scheint schier unbegrenzte Möglichkeiten zu bieten: Man trägt täglich Testosteron-Gel auf die Haut und schon winken mehr Vitalität, Muskelmasse, Gedächtnisleistung und Lust auf Sex. Vor allem im Alter scheint das Männerhormon Testosteron das Anti-Aging Wundermittel überhaupt zu sein. Doch der medizinische Nutzen von Testosteron ist nicht so klar, wie viele denken. DrEd klärt auf, mit welchen Risiken eine Therapie verbunden ist.

Was ist Testosteron?

Testosteron ist ein Hormon und der wohl bekannteste Vertreter der männlichen Sexualhormone (Androgene). Im Körper von Männern und Frauen hat Testosteron vielfältige Aufgaben.

Wo wird Testosteron gebildet?

Beim Mann produzieren vor allem die Hoden das Sexualhormon und geben es ins Blut ab. Die Menge des produzierten Testosterons schwankt mit der Tageszeit. Morgens wird am meisten Testosteron ausgeschüttet. Auch Frauen bilden Testosteron in den Eierstöcken und den Nebennierenrinden, wobei der Spiegel bei Frauen im Vergleich viel niedriger ist. Testosteron wird vor allem über die Leber abgebaut und dann mit dem Urin ausgeschieden.

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Welche Funktion hat Testosteron?

Nach der Produktion zirkuliert das Testosteron im Blut und ist dabei an bestimmte Bluteiweiße gebunden. Wenn es dort angekommen ist, wo es seine Wirkung entfalten soll, wandeln die Zielorgane das Testosteron in die wirksamere Form Dihydrotestosteron (DHT) um.

Testosteron unterstützt den Körper in folgenden Punkten

  • Knochendichte,
  • Fettstoffwechsel und –verteilung,
  • Muskelmasse,
  • Blutbildung,
  • Sexualtrieb und
  • Spermienproduktion.

In der Pubertät ist Testosteron bei Männern auch verantwortlich für die Ausbildung der sogenannten sekundären Geschlechtsmerkmale wie Körperbehaarung, Bartwuchs und Stimmbruch. Man macht Testosteron auch für das aggressivere Verhalten von Männern verantwortlich. Testosteron bewirkt auch, dass Männer mehr rote Blutkörperchen als Frauen haben und ein höheres Verhältnis von Muskeln zu Fettmasse. Deshalb wird Testosteron im Sport als Doping (Anabolika) verwendet. Frauen haben einen niedrigeren Testosteronspiegel im Blut. Sie benötigen das  Hormon unter anderem als Vorstufe bei der Bildung des Frauenhormons Östrogen.

Wann kommt es zu einem Testosteronmangel?

Zu Testosteronmangel (Hypogonadismus) kommt es häufig bei alternden Männern, sodass hier, wie bei Frauen, von Wechseljahren gesprochen wird. Bei Frauen heißen die Wechseljahre Menopause und bei Männern Andropause. Im Gegensatz zu der weiblichen Menopause, die in relativ kurzer Zeit eintritt, sinkt der Testosteronspiegel beim Mann kontinuierlich ab, weil die Hoden weniger von dem Sexualhormon produzieren. Es gilt die Faustregel: ab dem 30. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel um ungefähr 1 Prozent pro Jahr. Anders als Frauen, bei denen kein Weg um die Wechseljahre führt, muss nicht bei jedem Mann im Alter auch der Testosteronspiegel absinken. Neben einem niedrigeren Testosteronlevel kann im Alter außerdem auch die Testosteron-Empfindlichkeit sinken, sodass das vorhandene Testosteron im Körper nicht mehr seine volle Wirkung entfaltet. Selten sind auch angeborene Krankheiten oder Störungen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) oder der Hoden, eine Ursache für den Hormonmangel. Auch Übergewicht (v.a. Bauchfett), Alkoholmissbrauch und Stress können den Testosteronspiegel sinken lassen.

Welche Symptome zeigen sich beim Testosteronmangel?

Wenn schon bei Kindern oder jungen Männern zu wenig von dem Männerhormon produziert wird, kommt es u.a. zur Unfruchtbarkeit (Infertilität) und ausbleibender Pubertät. Bei älteren Männern führt der Mangel vor allem zu

  • reduzierter Knochendichte (Osteoporose),
  • Reduktion der Muskelmasse,
  • Blutarmut (Anämie),
  • nachlassendem Sexualtrieb (Abnahme der Libido),
  • Erektionsstörungen (erektiler Dysfunktion) und
  • psychischen Symptomen wie Depression.

Wie diagnostiziert der Arzt altersbedingten Hypogonadismus?

Um einen Testosteronmangel zu behandeln, muss der Arzt zuerst einen Hormonmangel messen. Hierzu bestimmt er meistens den Testosteronwert im Blut. Seltener wird auch im Speichel oder Urin gemessen. Da der Testosteronspiegel morgens am höchsten ist, sollte er am besten früh bestimmt werden. Darüber hinaus fragt der Arzt noch nach den typischen Symptomen des Hormonmangels (siehe oben). Um eine Osteoporose auszuschließen, kann auch eine Bestimmung der Knochendichte durch eine Röntgenuntersuchung angeschlossen werden. Für den Arzt ist es wichtig abzuklären, ob der Hormonmangel altersbedingt ist oder ob dahinter krankhafte Prozesse stecken, die behandelt werden müssen.

Wie funktioniert eine Testosteronersatztherapie?

Eine Ersatztherapie (Testosteronsubstitution) erfolgt häufig mit speziellen testosteronhaltigen Gels, die täglich auf die Haut aufgetragen werden, auf Arme, Schultern oder Bauch. Das Testosteron wird durch die Haut aufgenommen und verteilt sich dann über das Blut im Körper. Auch Spritzen (Injektionen), Tabletten oder Pflaster können für die Therapie verwendet werden. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Therapie, wenn diese nötig ist.

Wenn Erektionsstörungen (erektiler Dysfunktion) das einzige Symptom des Hormonmangels sind, wird wegen der teils noch unbekannten Langzeitwirkungen von einer Testosterontherapie abgeraten. Gegen Erektile Dysfunktion gibt es bewährtere Behandlungsmethoden.

Welche Risiken sind mit einer Testosteronsubstitution verbunden?

Vor allem die langfristigen Risiken von der Hormonersatztherapie sind noch nicht ausreichend geklärt. Nach dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung lassen sich trotzdem folgende Risiken nennen:

  • Prostatakrebs: Forscher streiten sich schon länger, ob sich durch Testosteron das Risiko für Prostatakrebs erhöht. Einige Studien haben dazu Hinweise gefunden, wie beispielsweise Mediziner der Harvard Medical School. Andere Ärzte aus Harvard zweifeln diese These in einem großen Übersichtsartikel im renommierten New England Journal of Medicine an. Sie heben hervor, dass das Risiko für Prostatakrebs gerade bei älteren Männern steigt, also in den Lebensjahren, in denen der Testosteronspiegel sinkt. Bei jungen Männern ist der Testosteronspiegel im Schnitt am höchsten. Wenn Testosteron Prostatakrebs begünstigen würde, müssten gerade junge Männer Prostatakrebs entwickeln. Dies ist aber nicht der Fall. Das bestätigen auch Urologen der gleichen Universität in einer anderen Studie. Sie konnten weder einen relevanten Anstieg der Krebsrate noch einen Anstieg des PSA-Wertes (Prostataspezifisches Antigen) durch Gabe von Testosteron feststellen.
  • Leberschäden: Das Risiko für Leberschäden (Hepatotoxizität) durch eine Testosteronersatztherapie besteht vor allem bei der Einnahme von Testosteron über den Mund (oral) z.B. durch Tabletten. Heute wird Testosteron nur noch selten auf diese Weise gegeben, sodass die Gefahr z.B. durch Gels, Pflaster oder Spritzen minimiert wird.
  • Herz-Kreislauf-ErkrankungenDie Studienlage ist uneinheitlich. Einige Studien scheinen einen schützenden Effekt einer Testosteronersatztherapie bezüglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufzuzeigen, während andere Studien Gegenteiliges zeigen. Das endgültige Risiko kann noch nicht klar abgeschätzt werden.
  • Blutfettwerte und Cholesterin: Auch hierzu ist die Studienlage uneinheitlich. Eine Testosterontherapie kann die Bluttfett- und Cholesterinwerte ansteigen lassen.
  • Schlafapnoe-Syndrom: Ungefähr zwei von 100 Erwachsenen sind von einer Atemstörung im Schlaf betroffen, dem sogenannten Schlafapnoe-Syndrom. Hier kommt es zu mehreren Atempausen im Schlaf, die zu einer mangelhaften Sauerstoffversorgung des Gehirns führen können. Vor allem in Verbindung mit anderen Risikofaktoren wie Übergewicht oder Alkoholkonsum kann eine Testosterontherapie selten das Schlafapnoe-Syndrom begünstigen.
  • Brustveränderung (Gynäkomastie) Manche Männer berichten über eine vergrößerte Brustdrüse durch die Therapie.
  • Fruchtbarkeit: Therapiebedingt kann es zu einer Hodenverkleinerung und einer Abnahme der Fruchtbarkeit während er Testosterontherapie kommen.
  • Hautreaktionen: Vor allem bei der Testosteronersatztherapie über die Haut z.B. über Pflaster oder Gel kann es zu Hautreaktionen wie Rötung und Juckreiz kommen. Daneben werden auch fettigere Haut und Akne berichtet. Mehr zur Pickeln und medikamentösen Akne-Therapie finden Sie in der DrEd-Sprechstunde Hautprobleme.

Wie kann ich meinen Testosteronspiegel natürlich erhöhen?

Der Testosteronspiegel kann durch die Lebensweise beeinflusst werden. Positiv auf den Testosteronspiegel wirken sich aus

  • eine ausgewogene Ernährung,
  • moderater Sport,
  • Stressreduktion,
  • reduzierter Alkoholkonsum und
  • schonende Gewichtsabnahme (v.a. Bauchfett).

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