Verhütung im Alter wird in einer Sprechstunde thematisiert

Es ist ein Thema, das bei sexuell aktiven Frauen in jedem Alter gegenwärtig ist – die Empfängnisverhütung. Viele Fragen und Unsicherheiten ranken sich darum. Da Frauen unterschiedlichen Alters abweichende Bedürfnisse und Risiken haben, unterscheidet sich die optimale Verhütung für junge Mädchen von der Verhütung über 35 Jahren oder in den Wechseljahren. DrEd gibt im Folgenden Tipps zur Verhütung in allen Altersstufen.

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Der Dauerbrenner – die Antibabypille

Von dem bekanntesten Verhütungsmittel existieren viele Variationen. Neben der Einphasenpille existieren auch Mehrphasenpillen. Der grundlegende Wirkprozess ist dabei stets gleich: Die Wirkstoffe aus Gestagenen und Östrogen führen dazu, dass die Hormone LH und FSH nicht mehr ausgeschüttet werden. Das Fehlen dieser Hormone wiederum ruft eine Unterdrückung der Eireifung, einen verminderten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut sowie einen Schleimpfropf am Eingang der Gebärmutter hervor. Die Pille bietet bei regelmäßiger Anwendung mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,9 einen sehr sicheren Schutz. Weitere Vorteile neben der Verhütung entstehen zudem durch die Zykluskontrolle sowie die Linderung prämenstrueller Symptome (PMS) wie Brustschmerzen, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen. Aus einer Studie der Robert-Koch-Stiftung geht ebenfalls hervor, dass eine dauerhafte Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln das Risiko senkt, an Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) zu erkranken. Zu den möglichen Kontraindikationen der Pille zählen Rauchen, Übergewicht und Bluthochdruck, da diese Zustände ein erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen bedeuten. Besonders gefürchtet ist die tiefe Beinvenenthrombose (TVT), welche sich zu einer Lungenembolie (Einwandern des Blutgerinnsels in die Lunge) verschlimmern kann. Derartige Komplikationen sind sehr selten, dennoch müssen sie sehr ernst genommen werden, da diese Komplikationen das Leben gefährden können.

Für wen ist die Antibabypille geeignet?

Prinzipiell ist diese Methode für jede Frau geeignet, die nicht bereits im Vornherein aufgrund der oben genannten Risikogruppen ausscheidet. Eine eingehende Untersuchung durch einen Frauenarzt ist ebenfalls Pflicht, falls man ein derartiges Präparat benutzen möchte. Da mit zunehmendem Alter die Risiken im Hinblick auf Komplikationen steigen, ist die Antibabypille nicht zur Verhütung im Alter sinnvoll. Vielmehr richtet sich diese Möglichkeit an junge Frauen, welche so eine Empfängnis verhüten wollen.

Ab wann ist Verhütung sinnvoll?

Grundsätzlich ist die Verhütung mit der Pille ab der ersten Regelblutung möglich. Am ersten Tag des Zyklus eingenommen, liefert sie bei regelmäßiger Einnahme zuverlässigen Schutz.

Es ist außerordentlich wichtig, bereits bei den ersten sexuellen Kontakten, bei denen es zu einer Empfängnis kommen kann, eine ausreichende Schwangerschaftsverhütung sicher zu stellen, denn es kann auch beim „ersten Mal“ zu der Befruchtung eines Eis kommen. Die Eltern können ihre Tochter in dieser Lebensphase unterstützen, indem sie eine beratende und unterstützende Haltung gegenüber dem Thema „Verhütung“ einnehmen.
Neben der Verhütung kann es auch andere Gründe geben, bereits im jugendlichen Alter die Pille einzunehmen. Starke prämenstruelle und menstruelle Beschwerden können durch die Pille meist gelindert werden, und auch der Zyklus lässt sich besser kontrollieren, was z.B. für Leistungssport von Vorteil sein kann. Die Antibabypille kann in bestimmten Fällen auch zur Therapie von Akne vulgaris eingesetzt werden.

Insgesamt gesehen muss auch die allgemeine Reife eines Mädchens in Betracht gezogen werden, wenn eine Pille verschrieben werden soll.
Da die Pillen der dritten und vierten Generation das Thromboserisiko deutlich mehr steigen lassen als Pillen der ersten und zweiten Generation, sollten junge Frauen Kombinationspillen mit Gestagenen der ersten der zweiten Generation wie Leona oder Microgynon verwenden oder auf Minipillen wie Cerazette umsteigen.

Welche weiteren hormonellen Verhütungsmethoden existieren?

Da vor allem mit zunehmendem Alter das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall aufgrund der Einnahme von Gestagen-Östrogen-kombinierten Präparaten steigt, sollte man sich an dieser Stelle Gedanken über die geeignete Art der Verhütung machen. So sollten Frauen, die zu den angesprochenen Risikogruppen gehören, bereits mit 30 über eine Veränderung nachdenken. Aber auch für gesunde Frauen ist ein Besuch beim Frauenarzt lohnenswert um die Verhütung ab 35 näher zu besprechen. Zum einen existieren reine Gestagen-Präparate, unter anderem in der Form der Minipille. Diese sind der „normalen Pille“ (Kombinationspille) sehr ähnlich, es muss jedoch eine exaktere Einnahme (Überschreitung des Zeitfensters nur um drei statt zwölf Stunden möglich) eingehalten werden.

Sie bieten damit eine gute Alternative zur gängigen Methode, welche zum einen die möglichen Komplikationen mindert und zum anderen keiner großen Umgewöhnung bedarf. Diese Methode ist damit auch kompatibel für Frauen, für welche die Verhütung mit der Kombinationspille nicht in Frage kommt. Eine weitere Möglichkeit für die Verhütung ab 30 bzw. 35 ist das Einsetzen einer Spirale. Dabei wird entweder eine T-förmige Hormonspirale oder eine Kupferspirale durch einen Gynäkologen über den Muttermund in die Gebärmutter eingesetzt. Während die Hormonspirale den Schleim der Gebärmutter dickflüssiger und zäher macht, stört das Kupfer die Bewegung der Spermien sowie ein Einnisten einer Eizelle. Beide Methoden sorgen für einen langfristigen (Wirkzeit der Spiralen meist drei bis fünf Jahre) und sicheren (Pearl-Index unter 3,0) Schutz, lediglich die Lage muss regelmäßig alle sechs Monate vom Frauenarzt kontrolliert werden.

Verhütung in den Wechseljahren

Ab dem 40. Lebensjahr beginnt sich die Hormonproduktion des weiblichen Zyklus grundlegend umzustellen. Durch unregelmäßige Eisprünge sinkt das Risiko einer Schwangerschaft erheblich. Bei Frauen über dem 45. Lebensjahr beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine Lebendgeburt nur noch 2 bis 3 Prozent. Dennoch ist eine Verhütung im Alter notwendig, da eine ungewollte Schwangerschaft nicht ausgeschlossen werden kann. Obwohl die Einnahme hormoneller Präparate im Alter gegen Erkrankungen wie Osteoporose oder Blutungsstörungen vorbeugt, sollten ebenfalls die möglichen Nebenwirkungen im Blick behalten werden. So werden insbesondere das Schlaganfall- als auch das Herzinfarktrisiko enorm erhöht. Zusätzlich bewirkt das Vorhandensein von Risikofaktoren (Rauchen, Übergewicht, Krankheiten, etc.) eine weitere Steigerung der Komplikationsgefahr. Aus diesem Grund sollten ab diesem Alter vornehmlich alternative Verhütungsmethoden genutzt werden. Dazu zählen zum einen die benannten alternativen hormonellen Präparate (reine Gestagen-Präparate, Hormonspirale, etc.) als auch mechanische Verhütungsmethoden wie Kondom, Diaphragma oder Portiokappe. Bei Verwendung dieser Methoden ist eine komplikationsfreie Verhütung ab 40 sehr gut möglich. Ebenso sind die genannten Arten auch für jüngere Frauen praktikabel. So ist beispielsweise ein Kondom bei wechselnden Partnern stets zu empfehlen, um die Übertragung von Geschlechtskrankheiten zu verhindern.

Bis wann sollte verhütet werden?

Grundsätzlich kann eine Frau bis zu dem Zeitpunkt schwanger werden, ab dem sie ihre letzte Regelblutung bekommt – die sogenannte Menopause. Erfolgt kein Eisprung mehr, kann auch keine Schwangerschaft mehr eintreten. Das kann schon mit etwa 47 oder 48 Jahre passieren, häufig allerdings später, weswegen Verhütung ab 45 genau so gehandhabt werden sollte wie in den Abschnitten „Verhütung in den Wechseljahren“ und „Paare mit abgeschlossener Familienplanung“ beschrieben. Die Wahrscheinlichkeit in diesem Alter noch ein Kind zu bekommen ist zwar sehr gering, trotzdem aber nicht ausgeschlossen. Das durchschnittliche Alter der Menopause liegt bei etwa 51 Jahren. Somit ist Verhütung ab 50 nur noch ein sehr rudimentäres Thema. Frauen, die eine Regelblutung und anschließend für zwölf Monate keine erneute Blutung hatten, haben somit ihre Menopause durchlebt. Da man die Menopause erst im Nachhinein feststellen kann, lohnt sich auch ein Besuch beim Gynäkologen. Dieser misst in drei Untersuchungen innerhalb von vier Wochen den FSH- sowie den Östrogenspiegel. Sind die Werte unterhalb bestimmter Grenzwerte, ist die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden gleich Null. Allerdings sollten mindestens vier Wochen vor der Untersuchung diverse Hormonpräparate (Pille, Minipille, Hormonspirale, etc.) abgesetzt bzw. entfernt werden, um Verfälschungen zu vermeiden. Nach der Menopause bzw. nach den Untersuchungen durch den Frauenarzt ist Verhütung nicht mehr notwendig.

Paare mit abgeschlossener Familienplanung

Für Paare, welche ihre Familienplanung bereits abgeschlossen haben, bietet sich die Möglichkeit der freiwilligen Sterilisation an. Durch einen operativen Eingriff werden entweder die Samenleiter des Partners durchtrennt (Samen gelangen nicht mehr ins Ejakulat) oder die Eileiter der Frau verklebt. Die Eizellen einer sterilisierten Frau könnten demzufolge nach wie vor befruchtet werden, allerdings gelangen sie nicht mehr in die Gebärmutter und können sich dort folglich nicht mehr einnisten. Eine Sterilisation ist somit eine sehr sichere Verhütungsmethode. Sterilisationen können rückgängig gemacht werden, allerdings sind derartige Eingriffe oft mit vielen Risiken verbunden, weshalb diese Art der Verhütung erst dann genutzt werden sollte, wenn kein Kinderwunsch mehr besteht.

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