Ärztin berät über Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs ist eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen und wird meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr diagnostiziert. Dank der Einführung regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt und des jährlichen Pap-Abstrichs zur Früherkennung, konnte die Sterblichkeit an Gebärmutterhalskrebs in Industrieländern stark gesenkt werden. In weniger entwickelten Ländern ist Gebärmutterhalskrebs weiterhin eine tödliche Bedrohung. Im Jahr 2006 wurde ein Impfstoffgegen Humane Papillomaviren eingeführt, welche für über 95 Prozent der Gebärmutterhalskrebserkrankungen verantwortlich sind. DrEd erklärt, wie genau sich Gebärmutterhalskrebs entwickelt und wie die Impfung vor der Erkrankung schützen kann.

✓ Schweizer und deutsche Ärzte
✓ Ohne Termin und Wartezimmer
✓ Vertraulich

Was ist der Gebärmutterhals?

Der Gebärmutterhals (Zervix) ist das unterste Stück der Gebärmutter (Uterus), der in den Scheidenkanal ragt. Hier treffen das Oberflächengewebe der Scheide (Plattenepithel) und das Oberflächengewebe der Gebärmutter (Zylinderepithel) aufeinander und bilden die sogenannte Transformationszone. Aus dieser Zone gehen die meisten Zervix-Tumore hervor.

Wie entsteht Gebärmutterhalskrebs?

Krebs entsteht, wenn sich Zellen im Körper unkontrolliert teilen und ihre Form verändern. Dieser Prozess kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Beim Gebärmutterhalskrebs ist der häufigste Auslöser eine Infektion mit Humanen Papillomaviren (HPV). Diese Viren werden durch Geschlechtsverkehr übertragen. Es wird angenommen, dass sich etwa ein Viertel aller Frauen unter 30 Jahren mit dem Virus infiziert. Sind die Zellen der Scheide und des Gebärmutterhalses mit dem Virus infiziert, kann es dort eine Entartung auslösen.

Bei den meisten Frauen verläuft die Infektion symptomlos und heilt folgenlos aus. Einige HPV-Typen, die sogenannten low-risk-Typen, können zur Ausbildung von Feigwarzen führen. Nur wenige HPV-Arten, insbesondere die high-risk-Typen (darunter HPV 16, 18, 31 und 33, sowie weitere), können die Entwicklung eines Gebärmutterhalstumors verursachen. Bei Männern können sie zu Anal- und Penistumoren führen.

Weitere Faktoren, die die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs begünstigen sollen, umfassen Rauchen, vorangegangene genitale Infektionen (z.B. Chlamydien, die langjährige Einnahme der Verhütungspille und eine hohe Anzahl an Sexualpartnern. Letzteres lässt sich vor allem durch das erhöhte Risiko, dass zumindest einer der Sexualpartner HPV-infiziert ist, und das damit erhöhte Ansteckungsrisiko, begründen. Auch die Risikosteigerung durch die Pille lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass diese Frauen häufiger auf Kondome verzichten und so schneller mit dem HPV infiziert werden.

Welche Symptome zeigt Gebärmutterhalskrebs?

Gebärmutterhalskrebs kann teilweise erst spät Beschwerden verursachen. Typisch sind ein blutiger Ausfluss oder Blutungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Ist der Tumor schon weit entwickelt, kann es zu verstärktem fleischwasserfarbenen, süßlich riechendem Ausfluss kommen. Wird der Tumor nicht erkannt, kann er in die benachbarten Gewebe der Blase und des Enddarms einwachsen und zu Beschwerden wie einem Harnstau führen. Zusätzlich kann Gebärmutterhalskrebs über die Lymphbahnen und die Blutgefäße in andere Organe streuen und dort Metastasen bilden.

Wie wird Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert?

In den meisten Fällen kann der Zervix-Tumor während der Spekulum-Untersuchung beim Frauenarzt gesehen werden. Diese Untersuchung ist Teil des jährlichen Vorsorgebesuchs beim Frauenarzt. Um sicherzustellen, dass es sich um einen Tumor handelt, wird eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und unter dem Mikroskop genauer untersucht.

Bevor sich jedoch ein tatsächlicher Tumor entwickelt, können schon Vorstufen am Gebärmutterhals entdeckt werden. Dafür wurde 1971 der sogenannte Pap-Abstrich zur Früherkennung eingeführt, der nach seinem Erfinder George Papanicolaou benannt wurde. Dabei werden bei der jährlichen frauenärztlichen Vorsorgeuntersuchung Abstriche vom Muttermund entnommen und speziell eingefärbt. Je nachdem, ob in dem Abstrich veränderte Zellen zu sehen sind oder nicht, kann dies ein Anzeichen eines Krebsfrühstadiums sein. Ist dies der Fall, wird außerdem ein HPV-Test durchgeführt, um zu schauen, ob eine Infektion mit high-risk-HPV vorliegt.

Was passiert, wenn eine Krebsvorstufe gefunden wird?

Wenn Krebsveränderungen nur die obersten Schichten des Gewebes betreffen, wird von einem Carcinoma in situ oder im Falle des Gebärmutterhalses von einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie gesprochen. Diese Vorstufen bergen die Gefahr, sich in einen richtigen Tumor umzuwandeln. Aus diesem Grund werden sie immer nachkontrolliert und im Falle keiner Verbesserung entfernt.

Dafür wird, unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose, aus dem Gebärmutterhals ein kegelförmiges Stück Gewebe entnommen. Das Gewebe wird unter dem Mikroskop genau beurteilt, um zu erkennen, dass die entarteten Zellen komplett erfasst wurden. Dieser Eingriff wird Konisation genannt und kann bei Bedarf auch mehrmals wiederholt werden. Je öfter jedoch am Gebärmutterhals operiert wird, desto mehr Komplikationen können während einer darauf folgenden Schwangerschaft auftreten.

Wie wird Gebärmutterhalskrebs behandelt?

Wird bei einer Probenentnahme nicht nur eine Krebsvorstufe, sondern ein tatsächlicher Gebärmutterhalskrebs gefunden, werden verschiedene Therapieansätze kombiniert. Zumeist ist die Entfernung der Gebärmutter unumgänglich. Je nach Ausmaß des Tumors müssen auch Teile der Eileiter, der Scheide und der Harnleiter entfernt werden. Je nachdem, von welchem Gewebe der Tumor ausging, kann die Metastasierungswahrscheinlichkeit abgeschätzt werden. Davon hängt ab, ob die Eierstöcke erhalten werden können oder auch entfernt werden müssen. Da die Eierstöcke Hormone produzieren, ist der Erhalt wünschenswert. Müssen die Eierstöcke entfernt werden, gerät das Hormongleichgewicht des Körpers durcheinander und es müssen gegebenenfalls Ersatz-Hormone eingenommen werden.

Zusätzlich schließt sich in den meisten Fällen eine Chemotherapie und/oder eine Bestrahlung der betroffenen Region an.

Wie ist die Prognose von Gebärmutterhalskrebs?

Die Prognose von Gebärmutterhalskrebs ist stark davon abhängig, in welchem Stadium er entdeckt und behandelt wurde. Weitere Einflussfaktoren sind die Gewebeart, die Art der Therapie und ob der Tumor bereits die Lymphbahnen erreicht hat. Je weiter der Tumor fortgeschritten ist, desto schlechter ist die Prognose. Durchschnittlich überleben in Deutschland 64 Prozent der Erkrankten die ersten fünf Jahre. Nach zehn Jahren leben durchschnittlich noch 60 Prozent.

Wie kann man sich vor Gebärmutterhalskrebs schützen?

Über 95 Prozent der Zervix-Tumore werden durch HPV ausgelöst. Seit 2006 existieren Impfstoffe gegen die wichtigsten Humanen Papillomaviren. Seit 2007 wird diese Impfung für Mädchen zwischen dem 12. und dem 17. Lebensjahr von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen und von den Krankenkassen bezahlt. Idealerweise sollte die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt verabreicht werden, um eine vorangegangene HPV-Infektion auszuschließen. Die Impfung besteht aus drei Einzeldosen, die über sechs Monate verteilt verabreicht werden. Zu den Nebenwirkungen zählen Reaktionen an der Einstichstelle (insbesondere Brennen, außerdem Rötung und Schwellung), Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Fieber und kurzzeitige Kreislaufstörungen.

Da es bisher keine einheitliche Meinung dazu gibt, ob die Impfung von Männern einen positiven Effekt auf die Übertragungsrate haben würde, gibt es zurzeit in Deutschland keine Empfehlung, auch Jungen bzw. Männer zu impfen. Es steht jedoch sowohl Frauen über 18 Jahren als auch Männern frei, sich ebenfalls, auf eigene Kosten, impfen zu lassen. Manche Krankenkassen bieten eine HPV-Impfung unter Umständen als "freiwillige Leistung" an.

Eine weitere wichtige Vorsorgemaßnahme ist die regelmäßige Teilnahme an Früherkennungsprogrammen beim Frauenarzt. So kann eine Krebsvorstufe schnell erkannt und behandelt werden. Mit dem Rauchen aufhören kann zudem einen wichtigen Risikofaktor eliminieren.

✓ Schweizer und deutsche Ärzte
✓ Ohne Termin und Wartezimmer
✓ Vertraulich

Quellen:

  • Leitlinie 'Diagnostik und Therapie des Zervixkarzinoms' der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. In: AWMF online www.awmf.org  (Stand 10/2014), aufgerufen am 07.01.2015
  • Leitlinie 'Prävention, Diagnostik und Therapie der HPV-Infektion und präinvasiver Läsionen des weiblichen Genitale' der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, des Berufsverbandes der Frauenärzte, der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, der Deutschen Gesellschaft für Urologie, der Deutschen Krebsgesellschaft, Deutsche STD-Gesellschaft und der Frauenselbsthilfe nach Krebs. In: AWMF online www.awmf.org (Stand 06/2013), aufgerufen am 07.01.2015
  • Gebärmutterhalskrebs: Das Zervixkarzinom, Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Heidelberg. www.krebsinformationsdienst.de (Stand 03/2015), aufgerufen am 07.01.2015
Empfehle diesen Artikel