Arzt berät Mann zu Priapismus

Eine schmerzhafte Dauererektion des Penis wird medizinisch als Priapismus bezeichnet und sie tritt ohne erkennbare Ursache auf oder wird durch verschiedene Medikamente, Drogen, Injektionen oder Bluterkrankungen ausgelöst. Der Priapismus gehört zu den urologischen Notfällen, ein Arzt muss immer unverzüglich aufgesucht werden. Ein bindegewebiger Umbau der Schwellkörper kann die Folge sein, was wiederum zu einer Erektionsstörung führen kann. Therapeutisch werden Adrenalin oder Adrenalin-ähnliche Substanzen in den Schwellkörper injiziert, was eine Erschlaffung des Penis herbeiführt. DrEd erklärt, in welche Typen Priapismus unterteilt wird und welche Medikamente und Krankheiten zu einer Dauererektion führen können.

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Was ist Priapismus?

Priapismus beschreibt eine Dauererektion des Penis. Dauert eine Erektion über vier Stunden an, kann von einem Priapismus gesprochen werden. Die Schwellung ist häufig mit Schmerzen, jedoch nicht mit einem Lustgefühl verbunden. Beim Priapismus sind nur die Schwellkörper des Penis steif, die Eichel ist jedoch schlaff. Insgesamt tritt ein Priapismus eher selten, aber in allen Altersgruppen auf.

Was passiert bei einer normalen Erektion?

Eine normale Erektion wird durch psychische oder körperliche Erregung ausgelöst, die Muskulatur der Penisarterien entspannt sich und es kommt zu einem vermehrten Bluteinstrom in die Schwellkörper des Penis. Der sich dort aufbauende Druck übersteigt ab einem gewissen Punkt den Druck der Arterie, so dass ein weiterer Bluteinstrom gestoppt wird. Zusätzlich werden die abführenden Venen abgedrückt, so dass das Blut nicht abfließen kann. Geht die Erregung zurück, weil beispielsweise der Höhepunkt erreicht wurde, fließt das Blut langsam wieder aus den Schwellkörpern und die Erektion geht zurück (Detumeszenz).

Wie entsteht Priapismus?

Beim Priapismus sind die Penisschwellkörper blutgefüllt und somit steif, ohne dass damit eine Erregung oder ein Lustgefühl verbunden wäre. Man unterscheidet dabei, ob die Schwellung durch einen gestörten Abfluss des Blutes aus den Schwellkörpern (Low-Flow-Typ) oder durch einen vermehrten Zustrom von Blut (High-Flow-Typ) entsteht. Der Low-Flow-Typ ist mit 90 Prozent die deutlich häufiger auftretende Variante.

Was sind die Folgen von Priapismus?

Der Low-Flow-Typ des Priapismus stellt einen urologischen Notfall dar, da das Penisgewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und somit absterben kann. Nach einer stundenlangen Erektion kommt es zudem zu einem bindegewebigen Umbau der Schwellkörper (Fibrosierung). Als Folge kann sich eine dauerhafte Unfähigkeit zur Erektion ausbilden (erektile Dysfunktion). Auch eine schmerzhafte Biegung des Penis bei der Erektion ist als Konsequenz einer solchen Fibrosierung nicht auszuschließen. Besteht ein Priapismus länger als 24 Stunden, behalten etwa 90 Prozent der Männer einen dauerhaften Erektionsschaden.

Welche äußeren Ursachen kann Priapismus haben?

Bei einem großen Anteil der Priapismus-Fälle lässt sich auch nach ausführlichen Untersuchungen keine Ursache finden, man spricht dann von idiopathischem oder primärem Priapismus. Oft ist jedoch auch eine Medikamenteneinnahme oder Drogenkonsum für die schmerzhafte Dauererektion verantwortlich, insbesondere die Injektion von erektionsfördernden Stoffen direkt in die Schwellkörper kann zu einem Priapismus führen.

Weitere auslösende Stoffe umfassen beispielsweise Potenzmittel wie Sildenafil bzw. Viagra, Tadalafil und Vardenafil. Weitere Medikamente, die zu einer Dauererektion führen können sind:

  • Antidepressiva
  • Blutdruckmedikamente
  • Blutverdünner wie Heparin
  • Methylphenidat (Ritalin)
  • Kokain

Auch bestimmte Gifte können zu einem Priapismus führen, so ist der Biss der Brasilianischen Wanderspinne und der Echten Witwe dafür bekannt, eine Dauererektion auszulösen. Auch von einer Malariainfektion, die durch Mückenstiche übertragen werden kann, wurde im Zusammenhang mit Priapismus berichtet.

Werden bei einem Unfall, typisch sind vor allem Fahrradunfälle, die Gefäße des Penis geschädigt, kann es zu einem High-Flow-Priapismus kommen, weil vermehrt Blut in den Penis einfließt. Diese Form des Priapismus ist weniger gefährlich als die Low-Flow-Form, weil das Blut gut mit Sauerstoff gesättigt ist und sich die Erektion in den meisten Fällen von allein wieder löst.

Welche inneren Ursachen kann Priapismus haben?

Eine Vielzahl an Krankheiten kann zu einer Priapismus-Episode führen. Insbesondere Blutkrankheiten wie die Sichelzellanämie und die Leukämie können schon im Kindesalter Dauererektionen auslösen. Es wird angenommen, dass die veränderten Blutzellen bei diesen Krankheiten die Gefäße „verstopfen“ und deshalb den Abfluss des Blutes stören. Daneben können weitere Systemerkrankungen wie z.B. Amyloidose (eine Krankheit, bei der sich Eiweiße im Gewebe ablagern) zu einem Priapismus führen.

Auch Prozesse, die den venösen Blutabfluss aus dem Penis erschweren, können einen Priapismus auslösen. Dazu gehören Rückenmarksverletzungen und -tumore, Verletzungen der Beckenregion und metastasierende Krebsgeschwüre.

Wie wird Priapismus behandelt?

Da die Dauererektion sehr schmerzhaft ist, ist eine gute Schmerztherapie bei der Priapismusbehandlung ein wichtiger Schritt. Zusätzlich kann mithilfe einer Kanüle überschüssiges Blut aus den Schwellkörpern abgezogen werden. Dies hat zugleich einen therapeutischen und einen diagnostischen Nutzen: Je nach der Blutgaszusammensetzung kann ermittelt werden, um welchen Typ des Priapismus es sich handelt und wie schnell gehandelt werden muss. Der Low-Flow-Typ muss als Notfall behandelt werden, beim High-Flow-Typ kann unter regelmäßiger Kontrolle ein spontanes Abklingen abgewartet werden.

Auch wenn es keine einheitliche Leitlinie zur Behandlung von Priapismus gibt, hat sich die Injektion von Adrenalin-verwandten Stoffen direkt in den Schwellkörper bewährt.
Durch Adrenalin ziehen sich die Muskeln in der Zellwand der Arterien zusammen und es fließt nicht mehr so viel Blut in die Schwellkörper. Folglich kann das Blut durch den geringeren Druck über die Venen abfließen. Selten ist auch eine Operation nötig, bei der eine künstliche Verbindung zwischen den Penisarterien und den –venen gelegt wird.

Liegt dem Priapismus eine Bluterkrankung wie Sichelzellanämie oder eine Leukämie zugrunde, sollte diese nach den aktuellen Leitlinien behandelt werden, um einen wiederkehrenden Priapismus zu verhindern.

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Quellen:

  • Cherian J, Rao AR, Thwaini A, et al. Medical and surgical management of priapism. Postgrad Med J 2006; S. 82-89.
  • Burnett AL, Bivalacqua TJ. Priapism: current principles and practice. Urol Clin North Am 2007; S. 34-631.
  • Pryor JP, Hehir M. The management of priapism. Br J Urol 1982; S. 54-751.