Mann benutzt Shampoo gegen Haarausfall

Haarausfall stellt ein häufiges Leiden in der Bevölkerung dar, wovon besonders Männer betroffen sind. Schon bei jungen Erwachsenen kann Haarausfall auftreten und zu psychischem Leidensdruck führen, da Haare heutzutage ein Zeichen von Gesundheit und Attraktivität darstellen. Jeder Mensch verliert täglich bis zu 100 Haare. Liegt die Zahl deutlich darüber und finden sich größere Büschel im Kamm wieder, so spricht man von Haarausfall. DrEd informiert über die Ursachen von Haarausfall und warum sich diese mit Haarshampoos nicht bekämpfen lassen.

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Welche Arten von Haarausfall gibt es?

Man unterscheidet zwischen einer vernarbenden und nicht-vernarbenden Form des Haarausfalls oder auch Alopezie. Entscheidend ist, ob der Haarfollikel dauerhaft geschädigt wird, wie es bei der vernarbenden Form der Fall ist. Ist die Haarwurzel einmal kaputt, kann trotz der Versprechen der Hersteller kein Haarshampoo sie wieder aufbauen. Ist hingegen das Haar nur in ein Ruhestadium versetzt, wie es bei der nicht-vernarbenden Alopezie der Fall ist, so ließe sich die Ruhephase mit gezielten Wirkstoffen durchbrechen. Da ein Haarshampoo jedoch nur von außen aufgetragen wird, kommen die Wirkstoffe selbst bei langer Einwirkzeit nicht in ausreichender Konzentration an der Haarwurzel an, um eine Wirkung zu erzielen. Außerdem sind die meisten Inhaltsstoffe wasserlöslich und haben somit keine Chance, überhaupt durch die fetthaltige Kopfhaut zu gelangen.

Können Shampoos gegen Haarausfall krankheitsbedingten Haarausfall bekämpfen?

Oft liegt dem Haarausfall keine schlimme Ursache zu Grunde, kann aber in seltenen Fällen ein Hinweis auf eine beginnende oder sich bereits manifestierte Erkrankung sein. Bei der vernarbenden Alopezie sind dies

  • Pilzinfektionen
  • Tumore
  • Erkrankungen mit Hautbeteiligung

Manche Pilzarten können die sogenannte Scherpilzflechte verursachen, die sich auf der Kopfhaut durch Haarausfall sowie einer entzündlichen Verdickung der Kopfhaut mit Pusteln zeigt. Gegen Pilzinfektionen helfen aber nur sogenannte Antimykotika, die gezielt das Pilzwachstum unterdrücken und Pilzzellen abtöten (fungizide Wirkung). Ein Haarshampoo beinhaltet keine fungiziden Stoffe, wodurch es das Problem des Haarausfalles nicht beseitigt.

Basaliome, eine Art des Hautkrebses, sind ebenfalls verantwortlich für Haarverlust. Diese lassen sich zwar chirurgisch entfernen, nicht jedoch durch ein Haarshampoo gegen Haarausfall. Zu den häufigen Erkrankungen, die bei Hautbefall zu Haarausfall führen können, zählen die Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes) sowie die entzündliche Erkrankung Sarkoidose. Auch hier gegen wird eine medikamentöse Therapie eingeleitet, um das Leiden zu mindern, da die Ursache von innen bekämpft werden muss. Eine äußerliche Anwendung mit einem Haarshampoo führt nicht zum Erfolg.

Welche weiteren Ursachen liegen Haarausfall zu Grunde und lassen sich diese mit Haarshampoos beseitigen?

Bei der nicht-vernarbenden Alopezie sind die Ursachen vielfältiger. Neben chronischen Infektionen oder Tumorerkrankungen können zudem folgende Gründe eine Rolle spielen

  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Medikamente
  • Nährstoffmangel
  • Stress

Inwiefern es bei Schilddrüsenfunktionsstörungen zur Alopezie kommt, ist noch nicht genau geklärt. Ursächlich sind aber Störungen im körpereigenen Hormonhaushalt, die sich durch hormonellen Ersatz in Form von Tabletten ausgleichen lassen. Haarshampoos können diesen hormonell bedingten Haarausfall nicht ausgleichen, da diese keine Hormone beinhalten und zudem nicht in die Blutbahn gelangen.

Haarausfall durch Medikamente, die für die Chemotherapie eingesetzt werden, ist eine sehr häufige Folge, da sich schnell teilende Zellen wie Haut-, Darmschleimhaut- und Haarzellen neben den bösartigen Krebszellen ebenso abgetötet oder im Wachstum gehemmt werden. Auch hier kann ein Haarshampoo den Haarausfall nicht positiv beeinflussen, weil die einmal abgetöteten Zellen nicht durch das Shampoo regeneriert werden können.

Ein Mangel an Eisen und Vitaminen beeinträchtigt das Haarwachstum. Vitamine, besonders Niacin und Biotin, unterstützen den Haaraufbau und sind wichtige Bestandteile der Haarstruktur. Zwar beinhalten manche Shampoos gegen Haarausfall Vitamine der B-Reihe wie Biotin oder Niacin, diese sind aber wasserlöslich und können nicht durch die Kopfhaut gelangen, sondern müssen mit der Nahrung zugeführt werden.

Hilft ein Haarshampoo gegen erblichen Haarausfall?

Die androgenetische Alopezie ist die häufigste Ursache des Haarausfalls, wobei die verantwortlichen Gene noch nicht genau erforscht sind. Vermutlich ist die Aktivität des Enzyms Alpha-5-Reduktase im Haarfollikel gesteigert, welches das Sexualhormon Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt. DHT greift in den Zellzyklus ein und versetzt auf noch nicht geklärte Weise den Haarfollikel in ein Ruhestadium. Die Inhaltsstoffe von Haarshampoos gegen Haarausfall haben keinerlei Einfluss auf die hormonelle Regulation und können den DHT-Spiegel nicht senken. Anders als Haarshampoos helfen medikamentöse Ansätze nachweislich das Haarwachstum zu stabilisieren.

Helfen Koffeinshampoos gegen Haarausfall?

Viele Hersteller versprechen eine positive Wirkung von Koffein auf das Haarwachstum, jedoch konnte dies bislang nicht ausreichend wissenschaftlich am Menschen belegt werden. Zwar zeigte eine Studie der Universitätsklinik in Lübeck, dass Koffein das Haarwachstum fördert, aber nur wenn es oral eingenommen wurde. Das Koffein gelangt in die Blutbahn und hierüber an die Haarwurzel, an der es anscheinend die Wirkung von DHT unterdrücken kann. Eine andere Studie an der Universität Jena konnte die Wirkung von Koffein über die Haut nur unter Labor-Bedingungen im Haarmodell (in vitro) zeigen. Es ist also weiterhin offen, ob oberflächlich auf die Kopfhaut aufgetragenes Koffeinshampoo in einer kurzen Einwirkzeit das Haarwachstum stimulieren kann. Wobei es erste Hinweise gibt, dass Koffein auch über die Kopfhaut zur Haarwurzel gelangen kann.

Gibt es ein wirksames Mittel gegen Haarausfall?

Auch wenn Shampoos bei manchen Menschen zu helfen scheinen, so stellt die androgenetische Alopezie nach wie vor ein Problem dar, das mit den bisherigen Methoden unzureichend therapiert werden konnte. Es gibt aber medikamentöse Haarwuchsmittel zum einnehmen, um den Haarausfall „von innen“ zu bekämpfen:

  • Propecia
  • Finasterid
  • Regaine

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Methoden ist der Wirkstoff Finasterid, der in beiden Präparaten enthalten ist, bislang eines der wenigen Mittel gegen Haarausfall, deren Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte. Finasterid hemmt die Wirkung des Enzyms Alpha-5-Reduktase, welches Testosteron in DHT umwandelt und sich im Haarfollikel befindet. DHT beeinträchtigt das Haarwachstum und führt bei der androgenetischen Alopezie zu frühzeitigem Haarausfall, weil das Haar schneller in das Ruhestadium überführt wird. Durch die Blockierung des Enzyms mittels Finasterid wird weniger DHT gebildet, wodurch sich der Haarausfall verlangsamt und das Haarwachstum langfristig unterstützt wird. Bei frühzeitigem Beginn bleibt die Haarpracht länger erhalten. Der gewünschte Effekt zeigt sich bei regelmäßiger Einnahme ehrfahrungsgemäß nach drei bis sechs Monaten. Der Wirkstoff ist verschreibungspflichtig, da er in den hormonellen Zyklus eingegreift. Propecia und Finasterid eignen sich nur für Männer. Falls eine Empfindlichkeit gegenüber des Wirkstoffes vorliegt, wird die Einnahme nicht empfohlen, da es zu einer allergischen Reaktion kommen kann.

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Quellen:

  • Wolff, H. (2015). Drug treatment of alopecia Der Internist,56(10), 1196-1208. Online: www.ncbi.nlm.nih.gov, aufgerufen am 25.10.2015
  • Institut für Humangenetik Universitätsklinikum Bonn (Hrsg.), Informationen zu Klinik und Genetik der androgenetischen Alopezie. Online: www.humangenetics.uni-bonn.de, aufgerufen am 25.10.2015
  • Lademann, J., Richter, H., Schanzer, S., Klenk, A., Sterry, W., & Patzelt, A. (2010). Analysis of the penetration of a caffeine containing shampoo into the hair follicles by in vivo laser scanning microscopy. Laser Physics, 20(2), 551-556. Online: www.link.springer.com, aufgerufen am 25.10.2015
  • Fischer, T. W., Hipler, U. C., & Elsner, P. (2007). Effect of caffeine and testosterone on the proliferation of human hair follicles in vitro. International journal of dermatology, 46(1), 27-35. Online: www.onlinelibrary.wiley.com, aufgerufen am 25.10.2015