Arzt berät Mann mit Syphilis

Syphilis, auch Lues genannt, ist eine Infektionskrankheit, die sexuell übertragenwerden kann, z.B. durch ungeschützten Verkehr. Der Erreger ist das BakteriumTreponema pallidum. Syphilis kann leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden und wird daher auch „Der große Imitator“ genannt.

Wodurch wird Syphilis hervorgerufen?

Syphilis ist eine Infektionskrankheit, hervorgerufen durch eine Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum. Treponema pallidum zählt zu der Gruppe der spiralförmigen Bakterien (Spirochäten), zu denen auch Borrelien und Leptospiren gehören, die jeweils andere Krankheitsbilder beim Menschen verursachen.

Treponemen können nur kurzzeitig außerhalb des menschlichen Körpers überleben. Sie sind sehr empfindlich gegenüber Hitze, nährstoffarmer Umgebung und Desinfektionsmitteln.

Wie kann man sich mit Syphilis infizieren?

Da der Erreger der Syphilis sehr empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen ist, erfolgt eine Übertragung der Krankheit durch direkten Kontakt mit den infizierten Hautläsionen eines Erkrankten, durch infizierte Blutprodukte (beides erworbene Syphilis) oder von einer infizierten Schwangeren auf ihr ungeborenes Kind (konnatale Syphilis).

Am häufigsten wird Syphilis sexuell übertragen. Eintrittspforten des Bakteriums sind minimale Haut- und Schleimhauteinrisse, meist in der Genital- oder Afterregion, oder – bei oralen Sexualpraktiken – auch im Mund.

Blutprodukte durchlaufen vorgeschrieben Tests, um das Risiko einer Ansteckung mit Infektionskrankheiten wie Syphilis zu minimieren. In einem Zeitraum von ca. vier bis acht Wochen nach der Ansteckung mit Treponema pallidum kann es sein, dass diese Tests noch negativ ausfallen, obwohl der Blutspender mit Syphilis infiziert war.

Auch Schwangere werden im Rahmen der angebotenen Vorsorgeuntersuchungen regelmässig auf eine Infektion mit Syphilis gescreent und wenn nötig schnellstmöglich behandelt.

Wer ist besonders gefährdet für eine Syphilis-Infektion?

Syphilis wird am häufigsten sexuell übertragen. Risikofaktoren für eine Infektion mit Syphilis sind daher häufig wechselnde Sexualpartner und ungeschützter Geschlechtsverkehr. Die größte Anzahl an Neuinfektionen wird bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), festgestellt. Bei Verdacht auf Syphilis sollte ebenfalls ein HI-Virus-Test (HIV-Test) durchgeführt werden, das ebenfalls sexuell übertragen werden kann.

Daneben stellt der intravenöse Drogenkonsum ein besonderes Risiko dar, da es zu Kontakt mit infiziertem Blut kommen kann.

Bei der konnatalen Syphilis-Infektion ist das ungeborene Kind einer infizierten Schwangeren gefährdet.

Welche Symptome kann Syphilis hervorrufen und wie verläuft die Erkrankung?

Syphilis verläuft in charakteristischen Stadien. Frühe Stadien können unbemerkt ablaufen, sodass die Erkrankung möglicherweise erst in einem späten Stadium diagnostiziert wird. Die Erkrankung kann in jedem Stadium spontan, d.h. ohne Therapie, abheilen.

Das Primärstadium der Syphilis

Im Primärstadium bildet sich 10 bis 90 Tage nach der Ansteckung an der Eintrittsstelle, also meist an Penis, Schamlippen, Vagina, After oder im Mund, der Primäraffekt: Ein schmerzloses Geschwür von derber Konsistenz (Ulcus durum, „harter Schanker“). Bei Berührung ist dieses Geschwür hochgradig ansteckend. Zusammen mit der Schwellung des regionalen Lymphknotens (beispielsweise in der Leiste) bildet das Ulcus durum den Primärkomplex, der mit und ohne Therapie nach etwa vier Wochen verschwindet.

Das Sekundärstadium der Syphilis

Ohne Therapie geht die Erkrankung nach weiteren vier bis acht Wochen in das Sekundärstadium über. Im Sekundärstadium klagen manche Patienten über ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen, Lymphknotenschwellungen sowie Fieber. Charakteristisch ist zudem ein nicht-juckender Hautausschlag (Exanthem) am ganzen Körper (Stamm, Beugeseiten der Extremitäten, Handflächen und Fußsohlen), von rot bis rot-brauner Farbe und leichter Erhabenheit. An den Schleimhäuten bilden sich grauweiße bis gelblich-braune Flecken (Plaques muqueuses). Diese sowie das Exanthem enthalten große Mengen an Treponemen und sind sehr ansteckend bei Berührung.

Es können breite, grau bis grauweiße Erhabenheiten (Condyloma lata) in den feucht-warmen Körperregionen nahe des Primäraffekts auftreten (Achsel- und Leistenregion, Genitalregion). Darüber hinaus können im Sekundärstadium zahlreiche weitere Symptome auftreten, wie z.B. Gelenk-, Nieren- oder Augenentzündungen, die eine Vielzahl anderer Krankheiten imitieren können. Daher wird die Syphilis auch als „der große Imitator“ bezeichnet.

Die beschriebenen Hauterscheinungen klingen nach zwei bis drei Wochen auch ohne Behandlung wieder ab. In der darauffolgenden Zeit kann der Ausschlag immer wieder erscheinen, oder es folgt eine unterschiedlich lange Zeit von Monaten bis Jahren (Lues latens), nach der das Tertiärstadium auftritt.

Das Tertiärstadium der Syphilis

Das Tertiärstadium ist gekennzeichnet durch Gewebezerstörungen durch chronische Entzündungen, hervorgerufen durch persistierende Treponemen. Es bilden sich Granulome von gummiartiger Konsistenz (Gummen) in den verschiedensten Körpergeweben, so in Knochen, inneren Organen, unterhalb der Haut und auch an den Gefäßen. Besonders gefürchtet ist eine Zerstörung der Wand der Hauptschlagader (Mesaortitis luetica), die zu einer Aussackung der Wand der Hauptschlagader führen kann, die im schlimmsten Fall reißt.

Ebenfalls zum Tertiärstadium wird der Befall des zentralen Nervensystems, die Neurosyphilis, gezählt. Zahlreiche neurologische Ausfallserscheinungen und Symptome können auftreten, wie z.B. Schwäche in den Beinen, Abbau der intellektuellen Fähigkeiten, Stand- und Gangunsicherheiten, Stimmungs- und Wesensveränderungen, Abschwächung der Reflexe, Verlust des Riech- oder Sehvermögens. Bereits im Sekundärstadium kann eine Syphilis-bedingte Entzündung der Hirnhäute (luetische Meningitis) auftreten.

Im Tertiärstadium sind die Patienten nicht mehr ansteckend.

Wie wird Syphilis diagnostiziert?

Für Ärzte ist es aufgrund der variablen Symptomatik nicht immer einfach, eine Syphilis zu erkennen. Sie sollen durch eine gezielte Anamnese und gründliche körperliche Untersuchung an die Verdachtsdiagnose Syphilis denken und die entsprechende Diagnostik veranlassen, um eine Syphilis bestätigen oder sicher ausschließen zu können. Ebenso sollten weitere Geschlechtskrankheiten ausgeschlossen werden. Ein berühmtes Zitat von Sir William Osler lautet daher: “The physician who knows syphilis knows medicine.

Da Treponema pallidum nicht, wie viele andere Bakterien, im mikrobiologischen Labor angezüchtet und dadurch nachgewiesen werden kann, wird der Arzt bei bestehendem Verdacht auf eine Syphilis-Infektion einige Bluttests (u.A. TPHA-Test, Treponema-pallidum-Hämagglutinations-Test) durchführen, um Antiköper gegen Treponemen nachzuweisen und damit die Infektion zu bestätigen. Sind die Antikörpertests positiv, werden weitere Blutuntersuchungen durchgeführt, um die Aktivität der Erkrankung einschätzen zu können (z.B. Immunfluoreszenztest, VDRL-Test). Außerdem sollte ein HIV-Test empfohlen werden.

Wird eine Syphilis-Erkrankung bestätigt, sollte unbedingt auch der Sexualpartner/die Sexualpartnerin benachrichtigt werden, um eine mögliche Ansteckung auszuschließen bzw. die Erkrankung zu therapieren.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Syphilis wird antibiotisch therapiert. Es kommen vor allem Penicilline zum Einsatz, häufig als intramuskuläre Depotspritze. Bei Gegenanzeigen für die Anwendung von Penicillinen wird auf andere Antibiotika ausgewichen. Im Primär- und Sekundärstadium dauert die Therapie etwa zwei bis drei Wochen. Im Tertiärstadium sind häufig mehrfache Therapien nötig, um alle Erreger abzutöten.

Nach der ersten Antibiotika-Gabe wird häufig eine sogenannte Jarisch-Herxheimer-Reaktion beobachtet, die durch den massenhaften Zerfall der Bakterien hervorgerufen wird. Der Patient bekommt hohes Fieber, eine rote Haut und eventuell einen Blutdruckabfall. Die Jarisch-Herxheimer-Reaktion kann mit einer kurzfristigen Kortisontherapie behandelt werden. Sie darf nicht mit einer allergischen Reaktion auf Penicillin verwechselt werden. Die antibiotische Therapie muss normal fortgeführt werden, um den Therapieerfolg zu gewährleisten.

Was passiert, wenn Syphilis nicht behandelt wird?

Eine unbehandelte Syphilis kann im Tertiärstadium in einer Zerstörung lebenswichtiger Körperorgane enden. Die Neurolues führt zum geistigen Verfall, ein unbehandelte Mesaortitis luetica mit einer geplatzten Aussackung der Aorta ist lebensgefährlich und erfordert eine sofortige Notoperation.

Zudem stellt eine unbehandelte Syphilis ein Ansteckungsrisiko für weitere Personen dar. Schwangere, die infiziert werden, können die Infektion auf ihr Kind übertragen. Ein hohes Risiko für eine Fehlgeburt oder Behinderungen des Kindes sind die Folge.

Worauf müssen Betroffene bzw. ihre behandelnden Ärzte noch achten?

Nach Abschluss der antibiotischen Therapie sollten ärztliche Nachkontrollen gewährleistet sein, um den Therapieerfolg zu überwachen. Bis zu drei Jahre nach Abschluss der Therapie werden daher Antikörper-Tests mit dem Blut des Patienten durchgeführt.

Betroffene, die neben Syphilis auch mit HIV infiziert sind, zeigen häufig schwerere Verläufe beider Erkrankungen und die Syphilis lässt sich in diesen Fällen häufig schlechter therapieren, sodass mehrfache Antibiotikagaben notwendig sind.

Wie kann ich mich vor einer Ansteckung mit Syphilis schützen?

Der Gebrauch von Kondomen beim Geschlechtsverkehr senkt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Syphilis, schließt sie letztendlich aber nicht aus. Dennoch sind Kondome die wirksamste Methode, um das persönliche Ansteckungsrisiko zu minimieren. Sie sollten nicht nur beim vaginalen Geschlechtsverkehr, sondern auch bei oralen und analen Sexualpraktiken verwendet werden.

Der Kontakt zu möglicherweise infektiösen Hautläsionen sollte in jedem Fall vermieden werden. Intravenöser Drogenmissbrauch sollte nicht praktiziert werden.

Quellen:

  • Hof, H., Dörries, R., & Geginat, G. (2009). Medizinische Mikrobiologie. Georg Thieme Verlag.
  • Greten, H. (2005). Innere Medizin. 12. Thieme: Stuttgart New York1218, 843.
  • Brodt, H. R. (2012). Antibiotika-Therapie 12. Auflage, Schattauer-Ver'lag, Stuttgart.