Neue Online-Arztpraxis "DrEd.com" sorgt für Riesenwirbel

30. November 2011 13:40 Uhr


Telemedizin ist der neueste Schrei. Dabei behandeln Ärzte der Online-Praxis "DrEd.com" ihre Patienten per Ferndiagnose. Die deutsche Ärzteschaft schlägt jetzt Großalarm.

Das Internet macht vieles möglich. Man muss zum Beispiel zum Einkaufen nicht mehr aus dem Haus gehen, sondern kann sich Lebensmittel und auch fast alles andere einfach liefern lassen. Neuerdings geht das sogar mit der Diagnose beim Arzt: Die englische Online-Arztpraxis "DrEd.com" eröffnete am Montag auch in Deutschland eine Online-Filiale. Und der Aufschrei der Ärzte hierzulande ist gleich groß.

Fragebogen ausfüllen, Blutdruck messen

"DrEd.com" stellt Ferndiagnosen und liefert Rezepte. Die Patienten müssen dazu nur einen Fragebogen ausfüllen, selbst ihren Blutdruck messen und eventuelle Fragen des Arztes per Mail beantworten. "Vom Besuch der telemedizinischen Praxis bis hin zur Entgegennahme des verschriebenen Medikaments muss der Patient sein Haus nicht mehr verlassen", versprechen die beiden Macher des Portals, zwei deutsche Ärzte, die seit Jahren in London praktizieren.

Dass die beiden Ärzte überhaupt per Internet in Deutschland behandeln dürfen, liegt an einer EU-Richtlinie. Nach dieser Richtlinie dürfen sich Patienten ihren Arzt europaweit aussuchen. Und da in England Ferndiagnosen offiziell erlaubt sind, dürfen die beiden deutschen Ärzte ihre Online-Praxis führen.

"Hochproblematisch und gefährlich"

Viele deutsche Ärzte schlagen kurz nach der Eröffnung der Online-Arztpraxis großen Alarm und bezeichnet die Vorgänge als "hochproblematisch" und "gefährlich". Dirk Heinrich, Vorsitzender des Ärzteverbands NAV-Virchow-Bund, sagte dem Kölner Stadtanzeiger: "Ferndiagnosen sind in Deutschland berufsrechtlich unzulässig, und das aus guten Gründen." Ein Arzt könne nicht allein aus Unterlagen patientengerecht arbeiten. Die Folge könnten gefährliche Fehldiagnosen sein. Die Deutsche Ärztekammer steht dem Portal ebenfalls "äußerst skeptisch" gegenüber. Ein Sprecher sagte: Online-Diagnosen "gefährden das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient".

Die Macher von "DrEd.com" rechtfertigen sich: Wenn die Angaben glaubwürdig und ausreichend seien, dann werde die Diagnose gestellt. Gelassen sehen die Online-Ärzte der Kritik aus ihrem Heimatland entgegen: "Telemedizin ist in Deutschland noch neu, daher die Reserviertheit", so Jens Apermann, Sprecher von "DrEd.com" gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger. Behandelt werden in der Online-Arztpraxis im Übrigen nicht alle Krankheitsbilder, sondern nur Impotenz, Akne oder Geschlechtskrankheiten. Bezahlt werden muss nur das Rezept. (AZ)

Pressekontakt: Augsburger Allgemeine | Augsburger Allgemeine