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Welches Risiko birgt eine Harnwegsinfektionen während der Schwangerschaft?

Mehr als jede dritte Frau hat im Laufe ihres Lebens einmal eine unkomplizierte Harnwegsinfektion wie z.B. eine Blasenentzündung (Zystitis). Während der Schwangerschaft kann eine harmlose Blasenentzündung jedoch zu einem großen Problem werden. Bakterien in der Blase können nämlich unbemerkt bis zu den Nieren hochwanden und hier eine Nierenbeckenentzündung verursachen. Diese Entzündung kann zu schweren Schwangerschaftskomplikationen führen. Warum kann eine Blasenentzündung während der Schwangerschaft so gefährlich werden? Wann sollte man zum Arzt gehen? Wie kann man vorbeugen? DrEd erklärt, was bei Harnwegsinfektionen während der Schwangerschaft zu beachten ist.

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Wie häufig kommt es vor, dass Schwangere Bakterien im Urin haben?

Bakterien in den Harnwegen sind bei schwangeren Frauen keine Seltenheit. Bei ungefähr jeder zwanzigsten Schwangeren kann man Bakterien im Urin nachweisen, ohne dass diese Symptome verursachen (asymptomatische Bakteriurie). Wenn man Bakterien im Harn findet, ist dies jedoch automatisch mit einem höheren Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Frühgeburt und Säuglingstod verbunden.

Weshalb ist das Risiko für Harnwegsinfekte (z.B. Blasenentzündung) während der Schwangerschaft erhöht?

Während der Schwangerschaft dehnt sich die Gebärmutter (Uterus) sehr stark aus, bei einem gleichzeitigen Anstieg des Schwangerschaftshormons Progesteron.  Die vergrößerte Gebärmutter übt so starken Druck auf die Harnwege aus, sodass der Urinfluss behindert wird und die Harnwege abgeklemmt werden. Das Progesteron verstärkt diesen Effekt noch, indem es die Eigenschaften der ableitenden Harnwege verändert. Außerdem verändert sich während der Schwangerschaft auch die Zusammensetzung des Urins, indem sich der Anteil an Zuckern, Proteinen und Säuren (pH-Wert) verändert. Durch all diese Veränderungen können sich die Bakterien besser vermehren und die Wahrscheinlichkeit einer Infektion steigt. Dies erklärt auch, warum die Häufigkeit der Nierenbeckenentzündung im letzten Schwangerschaftsdrittel am höchsten ist. Der häufigste Erreger, der die Entzündungen der Harnwege verursacht, ist das Bakterium Escherichia Coli, das hauptsächlich im Darm vorkommt. Aber auch andere Erreger wie Enterkokken oder Steptokokken können Auslöser sein.

Welche Folgen können Harnwegsentzündungen bei Schwangeren haben?

Mediziner der Yale University haben herausgefunden, dass allein das Vorliegen von Bakterien ohne Symptome im Urin reicht, um die Wahrscheinlichkeit einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) bei Schwangeren erheblich zu steigern. Damit stellt die Nierenbeckenentzündung nach der Blutarmut (Anämie) das zweithäufigste Problem während der Schwangerschaft dar.

Was ist eine Nierenbeckenentzündung?

Das Nierenbecken hat die Funktion eines Sammeltrichters für den Harn. Im Nierenbecken wird also der von der Niere produzierte Harn gesammelt und zum Harnleiter geführt. Durch Bakterien (z.B. E. Coli) kann es zu einer Entzündung des Nierenbeckens kommen. Meistens ist nur eine Niere (oft die rechte) von der Entzündung betroffen. Die Erreger gelangen entweder über das Blut zur Niere oder sie steigen aus den unteren Harnwegen bis zur Niere hoch, also über die Harnröhre, Harnblase und Harnleiter bis zur Niere. 75% der Betroffenen mit einer Nierenbeckenentzündung berichten von einer vorherigen Entzündung der Blase.

Bei angeborenen Nierenerkrankungen oder chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck ist das Risiko für eine Nierenbeckenentzündung erhöht.

Welche Symptome habe ich bei einer Nierenbeckenentzündung?

Eine Nierenbeckenentzündung, die bei Schwangeren von Medizinern auch Pyelonephritis gravidarum genannt wird, kann begleitet werden von

  • Fieber und Schüttelforst,
  • Flankenschmerzen (meistens im rechten Nierenlager),
  • ständigem Harndrang (Pollakisurie),
  • erschwerter Blasenentleerung (Dysurie),
  • schwerem Krankheitsgefühl.

Bei manchen Frauen können die Beschwerden von den oben genannten abweichen. Weil diese individuellen untypischen Beschwerden nicht sofort auf eine Nierenbeckenentzündung schließen lassen, kann es vorkommen, dass die Entzündung erst spät erkannt wird. So kann es sein, dass die Krankheit erst festgestellt wird, wenn die Nierenfunktion durch eine Schrumpfniere schon erheblich eingeschränkt ist.

Lesen Sie weitere Informationen bei DrEd zu den Symptomen einer Blasenentzündung, auf die eine Nierenbeckenentzündung folgen kann.

Welche Folgen kann eine Nierenbeckenentzündung haben?

Eine Nierenbeckenentzündung kann schwerwiegende Folgen haben. So kann es zu Nierenschäden, einem akuten Nierenversagen undeiner Blutvergiftung (Urosepsis) kommen. Wenn die Nierenbeckenentzündung chronisch wird, kann eine Stauungsniere entstehen, die schlimmstenfalls zu einer Schrumpfniere führt. Bei Schwangeren kann die Entzündung zu einer Frühgeburt oder gar Totgeburt führen, so dass eine regelmäßige Urinuntersuchung im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge unbedingt vonnöten ist.

Wie beugt man einer Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft vor?

Eine regelmäßige Urinuntersuchung mit Teststreifen (Urinstix) gehört zu jeder Schwangerschaftsvorsorge. So können erste Bakterien im Urin entdeckt werden. Wenn rechtzeitig behandelt wird, verhindert man das Aufsteigen einer Blasenentzündung bis zu den Nieren. Schwangere sollten unbedingt versuchen, einer Blasenentzündung vorzubeugen. Sobald die Schwangere Anzeichen einer Blasenentzündung feststellt, sollte die Entzündung mit ihrem Haus- oder Frauenarzt abgeklärt werden.

Wie behandelt man eine Nierenbeckenentzündung?

Hat eine Schwangere eine akute Nierenbeckenentzündung, muss sie stationär ins Krankenhaus aufgenommen werden und strenge Bettruhe einhalten.

Die Bakterien, welche die Entzündung auslösen, können mit einer gezielten Antibiotikatherapie behandelt werden, nachdem man geprüft hat, gegen welche Antibiotika die Erreger resistent sind. Die Langzeitbehandlung mit Antibiotika muss für mindestens vier Wochen erfolgen und wird von ausreichender Flüssigkeitszufuhr begleitet. Trinken ist sehr wichtig, da es das Abwehrsystem beim Ausschwämmen der Bakterien unterstützt. Nach der Therapie erfolgen weitere Urinproben, um den Erflog der Behandlung sicherzustellen und eine Wiederinfektion auszuschließen. Außerdem gibt man Schmerzmittel, um die starken Bauch- und Flankenschmerzen zu lindern.

Können Schwangerschaftskomplikationen durch Antibiotika verhindert werden?

Wenn man die Bakterien in den Harnwegen der Schwangeren durch eine Urinuntersuchung rechtzeitig erkennt, können die Komplikationen größtenteils verhindert werden. Es sollte beachtet werden, dass nicht jedes Antibiotikum für Schwangere geeignet ist. Im schlimmsten Fall können falsche Antibiotika das Kind noch zusätzlich gefährden.

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