• Deutschland hat die niedrigste Geburtenrate Europas
  • In Monaco gibt es die meisten älteren Mütter
  • Die Impfrate der Kinder in Deutschland liegt unter dem Durchschnitt der EU
  • Der Kaiserschnitt erfreut sich besonders in der Türkei großer Beliebtheit
  • Die meisten Kinder sind in Ungarn geimpft

Das Geburtsgewicht, das Alter der Mutter oder die Impfrate - all diese Faktoren können die Gesundheit der Babys beeinflussen. Doch sehen diese Merkmale in allen Ländern gleich aus oder gibt es womöglich europaweite Unterschiede in Geburtenrate, Stilldauer und Co.? Diese Studie widmet sich den ersten Lebensmonaten der Babys und untersucht Geburts- und Fertilitätsrate sowie Daten zur Mutterschaft in Europa zwischen 1970 und 2012.

Welche Länder haben die meisten Geburten, stillen am längsten oder impfen ihre Babys am häufigsten? Anhand der Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Regionalbüro für Europa haben wir diese und noch weitere Themen untersucht.

ANZAHL DER GEBURTEN IN EUROPA

Um herauszufinden, wie viele Babys pro Land geboren werden, haben wir die durchschnittliche Anzahl der Geburten pro 1.000 Einwohner in Europa zwischen 1970 und 2012 ermittelt. Den größten Babyboom gab es in der Türkei mit durchschnittlich 26,9 Geburten pro 1.000 Einwohner. Doch obwohl die Türkei die höchste durchschnittliche Geburtenrate zwischen 1970 und 2012 aufweist, sinkt die Rate während dieser Zeit stetig: Während im Jahr 1970 noch 39,5 Geburten pro 1.000 Einwohner zu verzeichnen waren, waren es im Jahr 2012 nur noch 16,9 Geburten. Die türkische Regierung plant nun, die Einwohner durch wirtschaftliche Anreize dazu zu bewegen, mehr Kinder zu bekommen.

Albanien (23,4 Geburten), Aserbaidschan (20,8 Geburten) und Kasachstan (20,3 Geburten) haben ebenso eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Neugeborenen. Doch auch in Albanien ist ein starker Abfall der Geburtenrate über die Jahre zu verzeichnen. Deutschland hat mit 9,1 Geburten pro 1.000 Einwohner die niedrigste durchschnittliche Geburtenrate, gefolgt von Serbien (9,8 Geburten), Slowenien (10,9) und Italien (ca. 11). Diese sinkenden Geburtenraten könnten unter anderem auf die hohen Kosten der Familiengründung oder die als schwierig angesehene Vereinbarung von Kind und Karriere zurückgeführt werden.

DIE GEBURTENRATE SINKT

Die Grafik zeigt die Schwankungen in der Geburtenrate innerhalb der EU, Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien zwischen 1990 und 2012. Die Zahlen basieren auf der Anzahl der Lebendgeburten pro 1.000 Einwohner. 1990 hatte Spanien noch die niedrigste Geburtenrate (10,3), die 2008 mit 11,4 Geburten pro 1.000 Einwohner ihren Höhepunkt fand, jedoch bis zum Jahr 2012 wieder sank (9,7). Spaniens niedrige Geburtenrate kann auf die hohen Lebenshaltungskosten sowie auf die hohe Arbeitslosigkeit junger Erwachsener zurückgeführt werden, die noch bei ihren Familien wohnen.

Deutschland hatte mit 11,4 Geburten pro 1.000 Einwohner die zweitniedrigste Geburtenrate, die abgesehen von kleineren Anstiegen im Jahr 1995 und 1997 stetig sinkt. Im Jahr 2012 betrug sie 8,2 Geburten pro 1.000 Einwohner. Frankreich hatte 1990 eine Geburtenrate von 13,4 zu verzeichnen, die im Laufe der Jahre einige Schwankungen erfuhr und im Jahr 2012 12,4 Geburten pro 1.000 aufzeigte. Großbritannien startete im Jahr 2012 mit einer Geburtenrate von 14, die bis 2002 auf 11,3 Geburten sank und seitdem stetig ansteigt. Im Jahr 2012 betrug sie 13 Geburten. Die Europäische Union im Ganzen erfuhr eher eine sinkende Geburtenrate - von 12,4 im Jahr 1990 auf 10,3 in 2012.

ANZAHL DER KINDER PRO FRAU

Um die Unterschiede in der Anzahl der Geburten pro Frau in ganz Europa zu ermitteln, haben wir die durchschnittliche Fertilitätsrate aller Länder zwischen 1970 und 2012 bestimmt. Die meisten Kinder pro Frau werden in der Türkei geboren, wo jede Frau im Durchschnitt fast drei Kinder zur Welt bringt. An zweiter Stelle kommt Albanien mit einem Durchschnitt von 2,6 Kindern, gefolgt von Kasachstan und Irland, jeweils mit durchschnittlich 2,5 Kindern pro Frau.

Die wenigsten Kinder pro Frau werden in Bosnien und Herzegowina sowie in Deutschland (jeweils 1,3) geboren. Auch Spanien und Griechenland bleiben mit jeweils durchschnittlich 1,4 Kindern pro Frau weit unter zwei Kindern.

Historisch gesehen fallen Geburtenraten in Zeiten wirtschaftlichen Abstiegs ab. Weitere Faktoren können die Arbeitslosenquote, Bildung der Frau, kulturelle Normen und der Zugang zu Verhütungsmitteln beinhalten. Das Ersatzniveau der Fertilität, also die Anzahl an Kindern, die benötigt wird, um ihre Eltern zu ersetzen, liegt bei 2,1 Geburten pro Frau - und Länder, die darunter liegen können in der Zukunft mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben.

ALTER DER MÜTTER ZUM ZEITPUNKT DER GEBURT

Wo gibt es die meisten jungen und wo die meisten älteren Mütter Europas? Die meisten jungen Mütter gibt es in Bulgarien. Dort wurden insgesamt 17,2% der Babys von 20-jährigen oder jüngeren Müttern zur Welt gebracht. In Russland wurden 15,9% und in Georgien 15,1% der Babys von jungen Müttern geboren. Auch in Rumänien, der Ukraine und Armenien sind viele junge Mütter vertreten.

Besonders viele ältere Mütter (35 Jahre oder älter) waren in Westeuropa zu finden: So wurden in Monaco insgesamt 26,1% der Babys von älteren Müttern geboren. In San Marino wurden 21,9% und in Irland 20% der Neugeborenen von älteren Müttern auf die Welt gebracht. Aber auch in Italien, Spanien und Deutschland sind ältere Mütter häufiger vertreten. Kulturell betrachtet wird das Muttersein in Spanien eher später angetreten, um sich zuerst der beruflichen Karriere zu widmen. Aus diesem Grund warten viele Frauen mit der Familiengründung bis sie 30 Jahre oder älter sind. Auch in Deutschland ist für viele Frauen Mutterschaft und Karriere nicht ihren Vorstellungen angemessen vereinbar, weshalb auch sie sich für eine spätere Familiengründung entscheiden.

Betrachtet man das durchschnittliche Alter der Mütter bei ihrer ersten Entbindung, sind die Ergebnisse durchaus überraschend. Obwohl Bulgarien die meisten Geburten von Frauen unter 20 Jahren aufweisen kann, ist das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Erstgeburt 26,3 Jahre. Auch in Rumänien, das auf dem vierten Platz der jüngsten Mütter war, zeigt ein ähnliches Durchschnittsalter der Mütter von 26 Jahren bei der Geburt des ersten Kindes.

Ähnlich gestaltet es sich in Monaco: Während das Land der Schönen und Reichen die meisten Geburten von über 35-jährigen Müttern zu verzeichnen hat, wurde es bei der Betrachtung des höchsten Durchschnittsalters bei der Erstgeburt von Griechenland getoppt - mit 31,2 Jahren. In Italien, Spanien und Deutschland jedoch - Länder die in der Top 10 der meisten Geburten älterer Mütter vertreten waren - war das Durchschnittsalter der Mütter jeweils 30,3, 29,8 und 29,2 Jahre.

GEWICHT DER BABYS

Ein Geburtsgewicht zwischen 2.500 g und 4.000 g wird als gesund angesehen, ein darunter liegendes Geburtsgewicht für Neugeborene als zu niedrig und ein darüber liegendes als zu hoch eingestuft. Wir haben den prozentualen Anteil der Babys, die bei der Geburt mindestens 2.500 g wiegen, europaweit ermittelt. In der Türkei konnten wir die meisten normalgewichtigen Babys ermitteln: Dort wogen mehr als 97% der Neugeborenen mindestens 2.500 g. Außerdem konnten wir auch in Island (96,2%), Finnland (95,7%) und Estland (95,6%) die meisten Babys mit einem Geburtsgewicht von mindestens 2.500 g entdecken.

Weniger schwere Babys konnten wir dahingegen in Zypern ermitteln, wo nur 88,5% der Neugeborenen ein Gewicht von mindestens 2.500 g auf die Waage bringen. Auch in Ungarn (91,2%), Mazedonien (91,7%) und Rumänien (91,8%) wiegen weniger Babys das Mindestgeburtsgewicht von 2.500 g.

Es gibt verschiedene Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit für ein zu geringes Geburtsgewicht bei Neugeborenen erhöhen können: So sind soziale und wirtschaftliche Faktoren als mögliche Einflussgrößen denkbar. Aber auch das Alter der Mutter, ihre gesundheitsbezogenen Gewohnheiten und gesundheitliche Belastung durch Luftverschmutzung oder verschmutztes Wasser können die Wahrscheinlichkeit auf ein geringes Geburtsgewicht des Kindes erhöhen.

So schwer sind die deutschen Babys

Obwohl Deutschland nicht in der Top Ten Liste der Babys aufgeführt ist, die am häufigsten das als gesund angesehene Geburtsgewicht (oder darüber) auf die Waage bringen, wiegt der Großteil der deutschen Babys über 2.500 g. Bloß 6,57% der Babys sind leichter als das Mindestgewicht. Die meisten deutschen Babys wiegen zwischen 3.000 und 3.499 g, die zweithäufigste Gewichtsspanne liegt zwischen 3.500 und 3.999 g Geburtsgewicht.

HEBAMMEN IN EUROPA

Slowenien hat mit 3,7 Hebammen pro 100.000 Einwohner die geringste Konzentration von Hebammen in ganz Europa. In den Niederlanden hingegen gibt es 9,6 Hebammen pro 100.000 Einwohner, in Österreich 13,7 und in Deutschland sogar 20,9.

Aserbaidschan, wo sich viele Menschen keine Gesundheitspflege leisten können, hat den größten Zugang zu Hebammen - insgesamt 145,3 Hebammen pro 100.000 Einwohner sind in dem Binnenstaat zu finden. Denn aufgrund der Krankenhauskosten werden viele Geburten in den ländlichen Regionen Aserbaidschans zu Hause durchgeführt. Weißrussland (83,7), Moldawien (80,6) und Kasachstan (78,2) haben ebenfalls eine große Anzahl an Hebammen.

ANZAHL DER GEBURTEN UNTER MEDIZINISCHER AUFSICHT

Zusätzlich zu der Anzahl an Hebammen in Europa haben wir ebenfalls einen Blick auf die Geburten geworfen, die unter medizinischer Aufsicht (Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen) stattfinden. Diese Geburten können sich beispielsweise sowohl in einem Krankenhaus, Geburtshaus oder zu Hause ereignen. Die Anzahl der Geburten, die unter medizinischer Aufsicht erfolgen sind erwartungsgemäß hoch: In nahezu jedem europäischen Land erfolgen 99% oder mehr der Geburten unter professioneller medizinischer Aufsicht.

Der auffälligste Ausreißer ist dabei die Türkei: Dort werden nur 82,7% der Geburten von medizinischen Fachkräften überwacht. Aserbaidschan zeigt eine ähnlich geringe Rate von 89,98% sowie Georgien mit 95,81%.

Da die WHO für Deutschland keine Daten für den Zeitraum zwischen 1970 und 2012 erhoben hatte, stützen wir uns auf Daten des Qualitätsberichts für außerklinische Geburtshilfe (QUAG). Demnach kamen 2011 von den 662.685 geborenen Kindern 10.829 - also 1,6% der Kinder - nicht in einem Krankenhaus zur Welt.

VAGINALE GEBURT VS. KAISERSCHNITT

Der Kaiserschnitt ist über die Jahre immer populärer geworden. Auch wenn diese Art der Entbindung bei Risikoschwangerschaften oder Komplikationen lebensrettend für Mutter und Kind sein kann, gibt es Bedenken, dass sich zu viele Frauen für einen Kaiserschnitt (als Wahlmethode zur Geburt) entscheiden.

Ärzte sehen es nun als ratsam an, die Kaiserschnittrate auf 10-15% der Geburten zu limitieren. Allerdings zeigen die Daten, dass diese Zahl von vielen europäischen Ländern erheblich überschritten wird. In der Türkei werden dabei die wenigsten Kinder per vaginaler Geburt zur Welt gebracht - nur 58,5% der Geburten sind vaginal. Laut der Deutsch Türkischen Nachrichten werden besonders in türkischen Privatkliniken fast 90% der Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Um dem entgegenzuwirken und die Anzahl der Kaiserschnittentbindungen zu reduzieren, soll ein im Jahr 2012 verabschiedetes Gesetz Kaiserschnitte nur noch bei medizinischer Notwendigkeit erlauben. Die Auswirkungen des Gesetzes müssten in einer weiteren Studie untersucht werden. Auch in Italien findet sich mit 61,7% einer der niedrigsten Anteile für vaginale Geburten.

Jedoch gibt es auch Länder, die eine besonders hohe Rate an vaginalen Geburten aufweisen. Dazu gehören Aserbaidschan (94,6% vaginale Geburten), Moldawien (92,9%) und Kasachstan (92,8%). Obwohl die WHO keine Daten für Deutschland erhoben hat, zeigen Statistiken des Statistischen Bundesamtes, dass 31,8% der Geburten in Deutschland Kaiserschnittentbindungen sind. Nach Ansicht von Experten sind mögliche Gründe für die geringe Anzahl vaginaler Entbindungen, dass viele Ärzte den Kaiserschnitt aus Kostengründen und zur rechtlichen Absicherung empfehlen. Zudem ist eine Kaiserschnittgeburt für Kliniken besser planbar.

STILLDAUER IN EUROPA

Die WHO empfiehlt Müttern, ihre Babys die ersten sechs Monate ausschließlich mit Muttermilch zu versorgen, um das Immunsystem des Kindes zu unterstützen. Jedoch zeigen die Daten, dass Mütter in vielen europäischen Ländern das Stillen mit der Brust nach drei Monaten abbrechen.

Malta zeigt dabei die geringste Stilldauer, denn nur 13,2% aller Babys werden im Alter von drei Monaten noch gestillt1. Mütter in Frankreich (20% der Babys im dritten Monat gestillt), Griechenland (24%) und Polen (25,1%) stillen ihre Babys ebenfalls zum großen Teil nicht die von der WHO empfohlene Dauer.

Mehr Babys werden im dritten Monat noch in Norwegen gestillt. Dort werden 89,7% der Babys im dritten Monat noch ausschließlich oder zum Teil mit Muttermilch versorgt. Die Türkei stellt bei der Stilldauer mit 95% bei drei Monaten den Spitzenwert dar. Die Daten zu den Stillgewohnheiten deutscher Mütter waren von der WHO nicht verfügbar. Daher stützen wir uns bei der Ermittlung der Stilldauer in Deutschland auf die Daten des German Medical Science.


Stilldauer in Deutschland

Anhand einer Studie des German Medical Science aus dem Jahr 2005 wurde das Stillverhalten von 3.822 Müttern ermittelt: Kurz nach der Geburt stillten 90% der Mütter ihre Neugeborenen. Jedoch wurden nach zwei Monaten nur noch 60,2% der Babys ausschließlich durch die Brust gestillt. Nach vier Monaten waren es nur noch 51,6% und nach sechs Monaten lag die Stillrate sogar nur noch bei 25,5%.

 

1. Diese Daten beziehen sich auf Babys, die im Alter von drei Monaten ausschließlich oder zum Teil mit Muttermilch gestillt wurden.

IMPFRATE IN EUROPA

Zur Bestimmung der Impfrate haben wir den durchschnittlichen Anteil der geimpften Kinder zwischen 1970 und 2012 in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien ermittelt und mit dem Nummer 1 Land der Impfungen, Ungarn sowie der Europäischen Union verglichen. Dabei haben wir uns auf Impfungen gegen Masern, Mumps, Haemophilus Influenzae Typ B Infektion (Hib), Diphterie, Tetanus und Keuchhusten, Hepatitis B, und Kinderlähmung (Polio) fokussiert.

Ungarn belegt dabei den Spitzenplatz für jede Impfung, möglicherweise durch das verpflichtende Impfprogramm des ungarischen Staates. In Ungarn erhielten fast 20% mehr Kinder eine Impfung gegen Masern als im Rest der Europäischen Union: 99,5% der ungarischen Kinder wurden geimpft - im Rest der EU hingegen nur 81,3%. Die Daten für Mumps sind ähnlich: 99,8% der Kinder in Ungarn und nur 79,6% der Kinder in der EU wurden gegen diese Kinderkrankheit geimpft. Deutschland liegt hingegen bei fast allen Impfungen unter dem Durchschnitt der Europäischen Union.

Die Impfrate gegen Hepatitis B war in Ungarn (99,5%) circa 15% höher als in den anderen Ländern der Europäischen Union (85,2%). Die geringste Impfrate gegen Hepatitis B war dabei mit 66,8% in Deutschland aufzufinden. Auch bei Tetanus war die Impfrate ungarischer Kinder um 10% höher (99,5%) als in der EU (89,8%). Großbritannien hatte mit 82,8% die geringste Tetanus-Impfrate zu verzeichnen.

Weiterhin erhielten in Ungarn 7% mehr Kinder die Hib Impfung (99,6%) als Kinder in den restlichen Ländern der Europäischen Union (92,7%). Für Diphterie und Keuchhusten liegt die Differenz bei circa 10% (99,5% der Kinder in Ungarn und 89,8% der Kinder in der EU). Auch hier hatte Großbritannien mit 82,8% die geringste Impfrate der Kinder aufzuweisen. Die Impfrate gegen Kinderlähmung zeigt die geringste Differenz auf: 99,1% der Kinder in Ungarn und 93,3% der Kinder in der EU wurden gegen die Infektionskrankheit geimpft.


Impfungen gegen Masern und Mumps

In einem zweiten Schritt haben wir einen genauen Blick auf die Impfungen gegen zwei der häufigsten Kinderkrankheiten, Mumps und Masern, geworfen. Wie bereits beschrieben, liegt die Impfrate der Kinder gegen Masern in Ungarn mit 99,5% am höchsten. Aber auch in der Slowakei (98,3%), Monaco (97,6%) und Weißrussland (97,5%) war die Impfrate hoch. In Italien jedoch erhielten nur 58,3% der Kinder eine Impfung gegen Masern. Auch in Österreich (63,4%), Malta (71,3%) und Zypern (73,7%) war die Impfrate gegen Masern gering.

Im Hinblick auf Impfungen gegen die Kinderkrankheit Mumps war wiederum Ungarn ungeschlagen an der Spitze mit 99,8% geimpften Kindern. Auch Monaco (99,2%) und die Slowakei (98,6%) konnten eine hohe Impfrate vorweisen, gefolgt von Kasachstan (97,9%). In Frankreich hingegen wurden mit 42% die wenigsten Kinder geimpft. In der Ukraine hatten 56,8% der Neugeborenen die Impfung gegen Mumps, in Schweden 65,5% und in Österreich 70,8%.

ZUSAMMENFASSUNG

Die einzelnen Länder Europas zeigen die großen Unterschiede in den einzelnen Faktoren, die sowohl für die Gesundheit der Mütter als auch der Babys verantwortlich sind: Während ein Großteil der in Europa geborenen Babys das minimale Geburtsgewicht erreicht, stillen nicht alle Mütter in allen Ländern ihre Babys die von der WHO empfohlene Länge - darunter auch in Deutschland. Auffällig ist auch die europäische Teilung im Hinblick auf das Alter der Mütter: In Osteuropa findet sich der größte Anteil junger Mütter von 20 Jahren oder jünger. Dahingegen sind in Westeuropa mehr ältere Mütter im Alter von 35 Jahren oder älter anzutreffen. Zudem fällt auf, dass viele Länder Europas geringe Geburtenraten aufweisen, mit der Ausnahme einiger Länder wie der Türkei und Irland - die deutsche Geburtenrate ist die niedrigste Europas und sinkt seit 1990 stetig. Auch die Abdeckung der Hebammen in Europa ist unterschiedlich groß. Während es in Aserbaidschan 145,3 Hebammen pro 100.000 Einwohner gibt, so sind es in Slowenien nur 3,7. Ein möglicher Grund könnten die hohen Krankenhauskosten in Aserbaidschan sein. Allerdings finden in fast jedem europäischen Land 99% oder mehr der Geburten unter Aufsicht eines medizinischen Fachpersonals statt. Auch wenn in vielen europäischen Ländern die Entbindung auf vaginalem Wege stattfindet, finden sich viele Länder, in denen sich der Kaiserschnitt großer Beliebtheit erfreut, wie die Türkei oder Italien. Die meisten Kinder sind in Ungarn geimpft: Durch das staatlich verpflichtende Impfprogramm sind über 99% der ungarischen Kinder gegen die geläufigen Kinderkrankheiten geschützt. Die Impfrate der deutschen Kinder liegt meist unter dem Durchschnitt der Europäischen Union.

Methode

Diese Studie basiert hauptsächlich auf den Daten der WHO, die die aktuellen Zahlen zu Mutterschaft, Kinderfürsorge und das Gesundheitswesen in Europa erhebt. Das Land mit der jeweils höchsten Rate pro europäisches Land wurde durch die durchschnittliche Gewichtung aller verfügbaren Daten von 1970 bis 2012 ermittelt. Für die Bestimmung des Alters der Mutter bei Erstgeburt wurden die Daten des CIA World Factbook verwendet. Zur Erstellung der Karte über die natürlichen Geburten multiplizierten wir die Anzahl der Kaiserschnitte für jedes Land mit 1.000 Lebendgeburten und subtrahierten diese von 1000 um auf die Anzahl der vaginalen Geburten zu kommen.

Verwendung der Daten

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Quellen

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