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Übersicht Vorsorgeuntersuchungen für Männer

Ein Mann, der zu beschäftigt ist, sich um seine Gesundheit zu kümmern, ist wie ein Handwerker, der keine Zeit hat, seine Werkzeuge zu pflegen, lautet ein spanisches Sprichwort. Männlichkeit wird häufig durch risikoreiches Verhalten definiert: Grenzerfahrungen im Sport. Viel (rohes) Fleisch. Burnout im Beruf. Zigaretten. Trinkfestigkeit. Schnelle Autos.

Weil viele Männer noch den Ruf des starken Geschlechts verteidigen wollen, leben sie an ihrem körperlichen und psychischen Limit und betreiben Raubbau an ihrer Gesundheit -  und das alles ohne regelmäßige Checkups beim Arzt. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum Männer fünf Jahre kürzer leben als Frauen? Vielleicht weil Mädchen und Frauen regelmäßig zum Frauenarzt gehen, Früherkennungsuntersuchungen machen lassen und mehr auf ihre Gesundheit achten. DrEd verrät, was die typischen Männerkrankheiten sind und wann Jungs und Männer zur Vorsorgeuntersuchung gehen sollten.

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Warum sollten sich Männer regelmäßig auf Hodenkrebs abtasten?

Hodenkrebs ist bei jungen Männern im Alter zwischen 20 und 25 Jahren die häufigste Krebsart. Insgesamt zählten die malignen Keimzelltumoren, wie Mediziner sie nennen, zu einer eher seltenen Tumorerkrankung, da sie nur 1 Prozent aller bösartigen Krebsarten ausmachen. Wenn Hodenkrebs aber zuschlägt, dann häufig in jungen Jahren. Da man diesen Krebs mit moderner Chemotherapie und Bestrahlung sehr gut behandeln kann, ist es wichtig, ihn rechtzeitig zu entdecken. Je früher der Krebs entdeckt wird, desto besser sind die Überlebenschancen, weil sich so die Tumorzellen nicht im Körper ausbreiten können. Durch die Chemotherapie kommt es in der Regel jedoch zur Unfruchtbarkeit (Infertilität). Außerdem wird vorher meistens der betroffene Hoden chirurgisch entfernt (Orchiektomie). Da es im Gegensatz zu den Brustkrebs- und Gebärmutterhalskrebsuntersuchungen keine Vorsorgeuntersuchung für Hodenkrebs gibt, sollten auch schon junge Männer ab der Pubertät ihre Hoden einmal pro Monat auf Veränderungen abtasten. Wer seine Hoden gut kennt und weiß, wie sie sich anzufühlen, erkennt Veränderungen schnell. Ein gesunder Hoden sollte eine glatte Oberfläche haben. Hodenkrebs äußert sich meistens durch verhärtete Stellen oder die Verhärtung und schmerzlose Vergrößerung eines gesamten Hodens. Meist ist nur ein Hoden im Hodensack vom Krebs betroffen. Wer eine Verhärtung entdeckt, sollte damit zum Urologen gehen. Auch Krampfadern des Hodens (Varikozelen) können so entdeckt werden.

Was sind Risikofaktoren für Hodenkrebs?

Häufig kann man keine Ursache für die Entstehung von Krebs ausfindig machen. Wenn jedoch folgende Dinge zutreffen, ist das Risiko für die Entstehung von Hodenkrebs vergrößert:

  • Angeborene Leistenbrüche (Hernien)
  • Hodenhochstand (Kryptorchismus)
  • Familiäre Vorbelastung (naher Verwandter mit Hodenkrebs)
  • Unfruchtbarkeit (Infertilität)

Was sind Pendelhoden und die Risiken von Hodenhochstand?

Knapp jedes dritte Frühgeborene ist von Hodenhochstand (Kryptorchismus) betroffen. Hodenhochstand entsteht, wenn bei der Entwicklung des männlichen Fötus die Hoden unvollständig aus dem Bauch in den Hodensack wandern (Maldescensus testis). Ungefähr drei von 100 reifen Neugeborenen weisen einen Hodenhochstand auf.

Hodenhochstand geht in drei von vier Fällen in den ersten sechs Lebensmonaten von alleine weg. In den übrigen Fällen liegt meistens ein angeborener Leistenbruch vor (offener Processus vaginalis). Hier wird der Hodenhochstand durch einen kleinen operativen Eingriff beseitigt, da er nach den ersten sechs Lebensmonaten meist nicht von selbst besser wird. Beim Hodenhochstand können die Hoden im Bauch oder der Leiste bleiben. Beim sogenannten Gleit- und Pendelhoden lässt sich die Position der Hoden z.B. durch Kälte variieren. Bleibt der Hodenhochstand bestehen, erhöhen sich das Risiko für Hodenkrebs um ein Vielfaches sowie die Gefahr der Entstehung einer Zeugungsunfähigkeit. Darüber hinaus steigt auch die Gefahr einer Hodenverdrehung (Hodentorsion) und eines Leistenbruchs.

Wie beuge ich Prostatavergrößerung und Prostatakrebs vor?

Viele der typischen Männerkrankheiten betreffen das kastanienförmige Männerorgan, die Prostata (Vorsteherdrüse). Prostatakrebs (Prostatakarzinom), Prostatavergrößerung (benignes Prostatasyndrom) und die Prostataentzündung (Prostatitis) gehören neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen von älteren Männern. Prostatakrebs ist vor Lungen- und Darmkrebs die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Deshalb ist es für Männer äußerst wichtig, die Prostata in regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen von einem Urologen checken zu lassen. Falls es zu einer Vergrößerung oder sonstigen Veränderung der Prostata kommt, sollte vom Arzt abgeklärt werden, ob die Veränderung gutartig oder bösartig ist. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen ab 45 Jahren die Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchung beim Urologen. Bei familiärer Vorbelastung wird die Früherkennungsuntersuchung ab 40 Jahren empfohlen und übernommen. Denn falls bereits der Vater oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt ist, besteht ein höheres Risiko, ebenfalls Prostatakrebs zu entwickeln. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken jedes Jahr mehr als 50.000 Männer neu an Prostatakrebs. Erschreckend ist, dass das kostenlose Angebot der Krankenkassen nur weniger als jedem fünften Mann wahrgenommen wird. Dies ist fatal, da bei einem früh erkannten Prostatakrebs gute Heilungschancen bestehen. Wird der Krebs zu spät erkannt und befinden sich bereits Metastasen im Becken und der Wirbelsäule, so kann die Erkrankung nicht mehr geheilt werden.

Welche Männer sind besonders von sexuell übertragbaren Infektionen gefährdet?

Vor allem Männer im jüngeren und mittleren Alter sind besonders von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) wie Chlamydien, Tripper und Genitalherpes betroffen. Männer, die mehr als fünf verschiedene Sexualpartner pro Jahr oder sexuellen Kontakt zu Prostituierten haben, sollten sich auch ohne Symptome einer sexuell übertragbaren Krankheit regelmäßig testen lassen. Die Krankheiten verursachen nicht nur lästiges Jucken und Brennen, sondern können sogar bleibende Schäden wie Unfruchtbarkeit hinterlassen, Krebs (z.B. Peniskrebs) auslösen und lebensgefährdend sein.

Zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten gehören

Besonders gefährlich sind außerdem HIV/AIDSHepatitis B und C.

Mehr Informationen über sexuell übertragbare Infektionen und wie man sich davor schützen kann finden Sie hier.

Was mache ich gegen vorzeitigen Samenerguss?

Etwa jeder dritte Mann leidet unter einem vorzeitigen Samenerguss (Ejaculatiopraecox). Mediziner sprechen von einem vorzeitigen Samenerguss, wenn der Samenerguss schon nach sehr kurzer Zeit der sexuellen Aktivität nicht mehr aufgehalten werden kann und das Sexualleben dadurch beeinträchtigt wird. Die Ejakulation kommt vor oder kurz nach dem Eindringen in die Scheide. Dies kann zu einer erheblichen Einschränkung des Spaßes im Bett bei beiden Sexualpartnern führen und auch die Beziehung und sogar die Lebensqualität belasten. Jeden dritten Mann trifft es besonders hart, denn häufig wird der vorzeitige Samenerguss noch von Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) begleitet. Gegen vorzeitigen Samenerguss helfen spezielle Cremes und Medikamente sowie bestimmte Techniken, die Ejakulation hinauszuzögern.

Was hilft bei Potenzproblemen?

Die Einführung der medikamentösen Behandlung von Erektionsstörungen, z.B. mit PDE-5-Hemmern, vor einigen Jahren war ein Segen für die Männerwelt. Ab 60 Jahren ist etwa die Hälfte der Männer von erektiler Dysfunktion betroffen, aber auch junge Männer können von Erektionsstörungen betroffen sein.

Da Männer auch bis ins hohe Alter sexuell aktiv bleiben wollen, ist ihnen ihre Potenz besonders wichtig. Auch für eine Beziehung können Potenzprobleme sehr belastend sein.

Wann kommt es zum Wachstum der männlichen Brust (Gynäkomastie)?

Auch Männer haben eine kleine Brustdrüse. Wenn diese sich auf einer oder beiden Seiten tastbar vergrößert, sprechen Mediziner von einer Gynäkomastie. Je nach Grad der Vergrößerung kann die Brustentwicklung für Männer sehr belastend sein, sodass in manchen Fällen nur noch eine Operation hilft. Man unterscheidet bei der männlichen Brustvergrößerung eine echte Gynäkomastie, bei der sich die Brustdrüse vergrößert, von einer Pseudogynäkomastie.  Die Pseudogynäkomastie kann z.B. durch Einlagerung von Fett hervorgerufen werden (vor allem bei übergewichtigen Männern), dies nennt man Lipomastie. Die echte Gynäkomastie wird durch eine Stimulation von Östrogenrezeptoren verursacht. Dies ist in der Pubertät und bei Neugeborenen normal, kann jedoch auch krankhafte Ursachen haben. Mögliche Ursachen sind z.B.

  • Erkrankungen des Hormonsystems (z.B. Testosteronmangel, Hoden- und Nebennierentumore),
  • Krebs (z.B. Leber, Nieren, Lungen und Prostatakrebs),
  • Rauschmittel (z.B. Cannabis, Bier und Heroin),
  • Medikamente (z.B. Chemotherapeutika, Psychopharmaka, anabole Steroide) und
  • Östrogenartig wirkende Lebensmittel und Kosmetika (z.B. Weichmacher, Lavendel, Teebaumöl).

Vorsorgeuntersuchungen von Männerkrankheiten

(von der Krankenkasse bezahlt)

Vor 14 Jahren:

  • Kinderarzt: U- und J-Untersuchungen; Standard- und Auffrischungsimpfungen (z.B. Hepatitis B)

14-35 Jahre:

  • Urologe: Test auf sexuell übertragbare Krankheiten, bei risikoreichem Sexualverhalten (Selbstzahler)
  • Zuhause: monatlich Hoden selbst abtasten
  • Hausarzt: Impfpass mitbringen und Impfstatus überprüfen

Ab 35 Jahren:

  • Hausarzt: alle 2 Jahre Gesundheits-Check-up ab 35 (Herz-Kreislauf, Diabetes); außerdem Impfstatus überprüfen
  • Dermatologe: alle 2 Jahre Hautkrebs-Früherkennung

Ab 45 Jahren:

  • Urologe: jedes Jahr Prostatakrebs-Früherkennung, äußere Geschlechtsorgane und Lymphknoten (bei familiärer Vorbelastung ab 40 Jahren)
  • Hausarzt: Impfstatus überprüfen

Ab 50 Jahren:

  • Hausarzt: jährliche Darmkrebs-Früherkennung mit Test auf Blut im Stuhl, außerdem Impfstatus überprüfen

Ab 55 Jahren:

  • Gastroenterologe: Zwei Darmspiegelungen im Abstand von 10 Jahren oder alle zwei Jahre Test auf Blut im Stuhl
  • Hausarzt: Impfstatus überprüfen

Ab 65 Jahren:

  • Hausarzt: Influenza und Pneumokokken-Impfung

Warum sterben Männer früher als Frauen?

Laut der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes sterben Männer im Vergleich zu Frauen häufiger an

  • Infektionen,
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Erkrankungen des Atmungssystems,
  • Vergiftungen,
  • Verletzungen und
  • Selbstmord.

Hierbei ist auffällig, dass die statistische Lebenserwartung von Männern vor allem durch vorzeitigen Tod z.B. durch schlechte Ernährung, Unfälle oder Rauchen heruntergezogen wird. Die kürzere Lebenserwartung von Männern ist also kein Naturgesetz, sondern die Folge von einem risikoreichen Leben. Das Leben von Männern müsste also gar nicht kürzer sein als das von Frauen, wenn Männer besser auf sich aufpassten. 

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