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Junge Frau auf einem Sofa

Das Reizdarmsyndrom wird im englischsprachigen Raum auch als irritable bowel syndrome bezeichnet. Es ist eine sogenannte funktionelle Darmerkrankung, bei der keine krankhaften Veränderungen im Darm festgestellt werden können. Die Problematik äußert sich in unterschiedlichen Formen von Verdauungsbeschwerden, die vor allem stressbedingt auftreten. Am häufigsten sind darunter Bauchschmerzen, Völlegefühl sowie Durchfall oder Verstopfung. Etwa ein Drittel der westlichen Bevölkerung leiden unter einem Reizdarmsyndrom, Frauen sind dabei etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Nach der Diagnosestellung und dem Ausschluss anderer Erkrankungen kann die Therapie mit der richtigen Ernährung und gegebenenfalls verschiedenen verdauungsfördernden Medikamenten begonnen werden. Oft ist auch eine psychotherapeutische Hilfe sinnvoll.

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Gibt es einen Unterschied zwischen den Bezeichnungen für das Reizdarmsyndrom?

Die Begriffe Reizdarmsyndrom, Reizdarm und Colon irritable oder auf Englisch irritable bowel syndrome meinen alle das gleiche. Die Bezeichnung Syndrom steht dabei für eine variable  Symptomkonstellation, von denen beim Reizdarm in aller Regel mindestens eines auftritt. Reizdarmsyndrom ist deshalb der fachlich korrekte Begriff für die Kombination mehrerer typischer Reizdarm-Symptome. Die Bezeichnung Reizdarm wird umgangssprachlich allerdings sehr häufig gebraucht und allgemein verstanden.

Wie entsteht ein Reizdarm?

Die Entstehung des Reizdarmes wird als multifaktoriell angenommen. Das bedeutet, dass wahrscheinlich verschiedene Faktoren gemeinsam die Entstehung des Reizdarmsyndroms begünstigen. Zum einen geht man von einer Herabsetzung der Schmerzgrenze im Magen-Darm-Trakt aus. Das heißt, dass schon bei geringerer Dehnung der Darmwände ein Schmerzreiz im Gehirn entsteht. Während gesunde Menschen das nicht bemerken würden, kann so bei Patienten mit Reizdarm eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit vorhanden sein.

Außerdem sind die Verdauungsfunktionen im Sinne einer übermäßigen Darmaktivität nach dem Essen gestört. Das kann zu einer schnelleren Passage des Nahrungsbreis durch den Bauch und so zu Durchfall führen. Zusätzlich kommt es unter Umständen zu einem Aufsteigen von Gasen aus dem Zwölffingerdarm zurück in den Magen, was ein Völlegefühl und einen aufgeblähten Bauch zur Folge haben kann.

Die funktionellen Faktoren können durch psychogene Einflüsse zusätzlich beeinflusst werden. Reizdarm-Patienten berichten in der Regel über eine Verschlimmerung der Symptomatik unter psychischen Stresssituationen wie Prüfungen, Arbeitsplatzwechsel oder auch Zeitumstellung und ähnlichem.

Wer leidet besonders häufig unter einem Reizdarmsyndrom?

Der Reizdarm ist mit etwa 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung eine relativ häufige Erkrankung in den westlichen Ländern. Da viele Patienten nicht zum Arzt gehen, kann die tatsächliche Zahl der Erkrankten durchaus höher sein. Hauptsächlich erkranken Menschen im jungen Erwachsenenalter.

Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen, wofür unterschiedliche Gründe angenommen werden. Einerseits suchen Frauen wegen Darmbeschwerden im Durchschnitt eher einen Arzt auf. Männern ist es häufig unangenehmer, Verdauungsprobleme anzusprechen, weshalb die Dunkelziffer hier vermutlich höher ist. Zum anderen wurden in verschiedenen Studien mittlerweile einige hormonelle Signalwege untersucht, die zwischen den Geschlechtern unterschiedlich ausgeprägt sind. Dementsprechend können auch die Symptomatik sowie die Therapie des Reizdarmsyndroms bei Frauen und Männern variieren. Genauere Mechanismen der Entstehung und möglicherweise geschlechterspezifische Therapie sind aktueller Forschungsgegenstand.

Was sind die typischen Symptome des Reizdarmsyndroms?

Patienten mit Reizdarmsyndrom leiden unter verschiedenen Verdauungsbeschwerden im weitesten Sinne. Die individuelle Symptomatik kann sich im Laufe des Lebens verändern und sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.

Die häufigsten Symptome des Reizdarms sind Bauchschmerzen, vor allem im linken unteren Bereich, die nach dem Stuhlgang zumindest kurzzeitig besser werden. Außerdem treten Beschwerden beim Stuhlgang, zum Beispiel das Absetzen von immer wieder kleinen Mengen Kots mit dem Gefühl einer unvollständigen Entleerung und Schleimbeimengungen auf. Häufig hat der Stuhlgang eine sehr dünne, längliche Form oder ähnelt kleinen Kügelchen. Manchmal wechselt die Symptomatik von Verstopfung (Obstipation) zu Durchfall (Diarrhö), was zum Beispiel Stress-abhängig der Fall sein kann.

Weitere mögliche Symptome sind unter anderem:

In manchen Fällen kommt es auch zusätzlich krankheitsbedingt zu Kopfschmerzen, Schlafproblemen und Beschwerden beim Wasserlassen. Frauen leiden nicht selten auch unter besonders ausgeprägten Schmerzen und einer Verschlimmerung der Symptomatik während der Menstruationsblutung.

Bei vielen Patienten kommt es während eines Urlaubs oder bei harter körperlicher Arbeit zu einer deutlichen Verbesserung bis zum zeitweisen Verschwinden der Symptome. Der Grund dafür ist die oft erhebliche psychische Komponente der Entstehung. Durch die Ablenkung fokussieren sich Patienten weniger auf die Erkrankung, was eine kurzzeitige Verbesserung hervorrufen kann.

Welche anderen Erkrankungen können die Verdauungsbeschwerden verursachen?

Bei der Differentialdiagnostik des Reizdarmsyndroms gilt es, möglicherweise dringend behandlungsbedürftige Erkrankungen auszuschließen.

Zum einen zählen dazu die beiden chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die eine sehr ähnliche Symptomatik verursachen können. Sie zeigen sich jedoch im Gegensatz zum Reizdarm mit einer erheblichen entzündlichen Komponente, die im Blut und gegebenenfalls bei einer Darmspiegelung erkennbar wird.

Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie eine Laktoseintoleranz oder Zöliakie müssen ausgeschlossen werden. Einen Hinweis darauf bietet bereits die Krankengeschichte bei einem Auftreten der Symptome nach dem Essen bestimmter Nahrungsmittel.

Weiterhin sollte der Ausschluss einer Divertikulose beziehungsweise deren entzündeter, schmerzhaften Form (Divertikulitis) und eines Darmkrebs erfolgen. Diese Erkrankungen treten eher im höheren Erwachsenenalter auf, können aber auch bei jungen Erwachsenen nicht ohne weiteres ausgeschlossen werden. Bei frischen Blutbeimengungen oder sehr dunklem Stuhlgang muss eine weitere Abklärung erfolgen.

Treten die Durchfälle sehr plötzlich und erstmalig auf, handelt es sich eher selten um einen Reizdarm, sondern meist um eine Durchfallerkrankung. Besonders in Kombination mit Fieber und Erbrechen ist diese Diagnose wahrscheinlich.

Wichtig ist zusätzlich, das Reizdarmsyndrom nicht mit einer Nebenwirkung von Medikamenten zu verwechseln. Beispielsweise verursachen Antibiotika häufig Durchfall. Auch bei der Einnahme einer Pille kann es zu Durchfall oder Verstopfung kommen. Wenn Patienten einen Zusammenhang zwischen der Einnahme eines Medikaments und dem Auftreten von Verdauungsbeschwerden bemerken, sollten sie ihrem Arzt davon berichten.

Wie diagnostiziert der Arzt das Reizdarmsyndrom?

Das Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass erst nach Ausschluss der häufigsten ebenso passenden Diagnosen ein Reizdarm diagnostiziert und behandelt wird.

Am wichtigsten für die Diagnosestellung ist bereits die Anamnese. Wenn Patienten über den Schafskot-artigen Stuhlgang mit Schleimbeimengungen berichten und einen ausgeprägten Zusammenhang mit Stresssituationen herstellen können, ist die Diagnose sehr wahrscheinlich.

Zum Ausschluss anderer Darmerkrankungen wird zudem eine Stuhlprobe gemacht, um möglicherweise Blut oder Erreger im Stuhl zu erkennen. Weiterhin sollte eine Blutentnahme erfolgen, um die Entzündungsparameter und die Zellzusammensetzung zu beurteilen. Zudem sollte eine rektale Untersuchung zur Beurteilung des Enddarms erfolgen.

Die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen wird vom behandelnden Arzt individuell beurteilt.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es beim Reizdarm?

Die unterschiedlichen Symptome des Reizdarms können auf mehreren Wegen behandelt werden. Empfohlen wird eine ausgewogene, gesunde Ernährung mit reichlich Ballaststoffen. Dabei ist es wichtig, die Mahlzeiten möglichst regelmäßig einzuhalten und keine großen Portionen zu verspeisen. Zusätzlich sollte viel getrunken werden, vorzugsweise ungesüßte Getränke ohne Kohlensäure wie Wasser und Tee. Das kann bereits zu einer deutlichen Verbesserung führen. Dabei spielt auch die Strukturierung des Alltags eine Rolle. Die Vermeidung von extremen Stresssituationen führt oft zu einer allgemeinen Symptomlinderung.

Die Verschreibung von Medikamenten zur Behandlung des Reizdarms ist umstritten. Die Therapieoptionen reichen von pflanzlichen Mitteln bis hin zu neueren Medikamenten, deren Wirksamkeit für den Reizdarm nicht immer belegt ist.

Mögliche Ansätze für Medikamente ergeben sich je nachdem, welche Beschwerden besonders belastend erscheinen. Die Behandlung reicht von pflanzlichen Mitteln wie Iberogast zur Verbesserung der allgemeinen Beschwerden über entschäumende Medikamente zur Linderung des Völlegefühls bis hin zur gezielten Behandlung von Verstopfung beziehungsweise Durchfall.

Auch eine Psychotherapie kann bei zusätzlichen Belastungsfaktoren und einer ausgeprägten psychischen Komponente unter Umständen ratsam sein.

Ist das Reizdarmsyndrom heilbar?

Das Reizdarmsyndrom kann bei guter Behandlung und psychischer Ausgeglichenheit durchaus verbessert und sogar in einigen Fällen geheilt werden. Allerdings kann die Symptomatik auch nicht selten ein Leben lang bestehen bleiben und durch die geeignete Ernährung und Medikation nur bedingt gelindert werden.

Kann ein Reizdarm langfristig gesundheitliche Folgen haben?

Beim Reizdarm können weder eine entzündliche Komponente noch Veränderungen in der Darmschleimhaut nachgewiesen werden. Dem aktuellen Forschungsstand zufolge gibt es keine Anzeichen dafür, dass ein Reizdarmsyndrom langfristig gesundheitsgefährdende Veränderungen der Darmstruktur zur Folge haben kann. Vermutet wird derzeit ein möglicher Zusammenhang mit der Entstehung von Divertikeln aufgrund der chronischen Verstopfung. Divertikel sind kleine Ausstülpungen in der Darmschleimhaut, die zunächst einmal keine Beschwerden verursachen. Erst wenn sie sich entzünden, kann das zu Schmerzen und Blut im Stuhl führen. Die Entzündung wird als Divertikulitis bezeichnet und ist auch eine wichtige Differenzialdiagnose des Reizdarms.

Wird der Reizdarm nicht behandelt oder bessert sich trotz guter Therapie nur unzureichend, kann das unter Umständen zu erhöhten psychischen Belastungen wie verringerter Stresstoleranz und Schlaflosigkeit mit ihren Folgen führen. In solchen Fällen kann eine Verhaltenstherapie beim Umgang mit der Erkrankung helfen.

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Quellen:

  • Duale Reihe Innere Medizin, 3. Auflage 2013, Thieme Verlag, div. Autoren; (S. 289ff.)
  • Duale Reihe Pharmakologie und Toxikologie, Thieme Verlag, 1. Auflage 2011, Autoren: Karl Heinz Graefe, Werner Lutz, Heinz Böhnisch (S. 466f., 470-473)
  • Frantzen K. Reizdarmsyndrom – Darm macht Stress. Pharmazeutische Zeitung: Ausgabe 02/2016. Online: www.ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de, zuletzt aufgerufen am 19.06.2017
  • Wetzstein J. Aktuelle Studie zeigt: Darm und Psyche sind eng verbunden. Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie: Nachrichten Presse-Information. 12.09.2016. Online: www.dgpm.de, zuletzt aufgerufen am 20.06.2017

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