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Frau nimmt Triptane gegen Migräne

In Deutschland leiden etwa acht Millionen Menschen an Migräne. Diese anfallsartig auftretenden, pochenden Kopfschmerzen schränken die Betroffenen in ihrem Tagesablauf immens ein. Ein Migräneanfall dauert zwischen 4 und 72 Stunden und neben den starken Kopfschmerzen leiden die Patienten unter Begleitsymptomen wie Übelkeit, Bewegungsempfindlichkeit, Sehstörungen sowie Lärm- und Lichtempfindlichkeit. An das Ausüben normaler Tätigkeiten ist während eines Migräneanfalls nicht zu denken.

Seit den 1990er-Jahren gibt es jedoch eine neue, besonders wirksame Behandlungsmöglichkeit gegen Migräne: die Einnahme von Triptanen. Als Triptane werden eine Gruppe von Molekülen bezeichnet, die einen bestimmten strukturellen Aufbau haben und Migräne bekämpfen. Sie werden zu Beginn eines Migräneanfalls eingenommen und können damit den schweren, mehrtägigen Verlauf verhindern.

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Was passiert bei Migräne-Kopfschmerzen?

Der genaue Ablauf einer Migräneattacke im Gehirn ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Es ist jedoch belegt, dass die Blutgefäße im Gehirn und solche, die zum Gehirn hinführen, bei einem Migräneanfall entzündet und erweitert sind. Die Folgen sind eine gestörte Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Gehirns.

Eine mögliche Ursache liegt darin, dass der Serotonin-Spiegel nicht im Gleichgewicht ist. Serotonin ist ein Botenstoff, der nur an bestimmten Bindestellen andocken kann: den Serotonin-Rezeptoren (5-HT-Rezeptoren). Darüber steuert er die Verengung und Erweiterung von Blutgefäßen. Über die Serotonin-Rezeptoren wird auch die Ausschüttung von Faktoren gesteuert, die eine Entzündung der Blutgefäße auslösen (Entzündungsfaktoren).

Bei einem gestörten Serotonin-Spiegel weiten sich die Blutgefäße und die Nervenenden an den Blutgefäßen werden aktiviert, wodurch intensive Kopfschmerzen ausgelöst werden. Diese Schmerzen werden als pulsierend wahrgenommen, da bei jeder Pulsschlagwelle Blut durch die Gefäße gedrückt wird und weiterer Druck auf die Nervenenden ausgeübt wird.

Die mit der Rezeptor-Aktivierung einhergehende Ausschüttung der Entzündungsfaktoren löst eine Entzündung der Blutgefäße aus. Das ist zusätzlich schmerzhaft, da die Nervenenden überreizt werden. Durch die Ausbreitung dieser Erregungen können auch Strukturen im zentralen Nervensystem aktiviert werden, die zu den Begleitsymptomen wie Übelkeit und Erbrechen führen.

Wie wirken Triptane bei einer Migräne?

Im Gegensatz zu herkömmlichen Schmerzmedikamenten wirken Triptane gezielt an den Stellen im Gehirn, die für die Migräne verantwortlich sind. Sie haben nur eine geringe Wirkung an anderen Stellen wie z.B. denen des Herz-Kreislauf-Systems. Nebenwirkungen kommen daher nur sehr selten vor. Die Wirkung der Triptane setzt schnell ein, und der Anfall wird erheblich verkürzt.

Triptane binden selektiv an die entsprechenden Serotonin-Rezeptoren. Durch diese spezifische Bindung werden die Blutgefäße im Gehirn verengt und die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Gehirns wieder ins Gleichgewicht gebracht. Zudem können die Entzündungsfaktoren nicht mehr ausgeschüttet werden, da der verantwortliche Rezeptor blockiert ist. Durch diese beiden Wirkungsbeiträge wird die Nervenaktivität wieder normalisiert und der Schmerz lässt nach.

Welche Vorteile haben Triptane gegenüber anderen Kopfschmerzmitteln?

Der Vorteil der Triptane liegt darin, dass sie gezielt gegen Migräne-Kopfschmerzen wirken und daher kaum Nebenwirkungen haben. Gleichzeitig lindern sie die begleitende Übelkeit. Triptane sind in ihrer Wirkungsweise sehr effektiv. Sie helfen 70 bis 80 Prozent der Patienten gegen den Migräneanfall und ihre Wirkung tritt meist innerhalb von 30 Minuten ein. Aufgrund ihrer spezifischen Wirkung können die meisten anderen Kopfschmerzen jedoch nicht mit Triptanen behandelt werden.

Wie wurde ursprünglich nach Migränemitteln geforscht?

Schon im 19. Jahrhundert wurde festgestellt, dass ein Migräneanfall mit der Erweiterung der Blutgefäße im Gehirn einhergeht. In den 1960er-Jahren wurde durch eine australische Studie belegt, dass gefäßverengende Stoffe wie Noradrenalin oder Ergotamin eine Migräneattacke stoppen können. Auf Basis dieser Erkenntnisse startete das britische Unternehmen GlaxoSmithKline (GSK) im Jahr 1972 gezielt die Suche nach einem Wirkstoff gegen Migräne. Die Forscher beobachteten, dass die aufgrund einer Migräne erweiterten Blutgefäße auch durch das Hormon Serotonin verengt werden können. Serotonin eignete sich jedoch nicht als Migränetherapeutikum, da es starke Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem und den Magen-Darm-Trakt hat. Daher fokussierten sich weitere Studien auf die Serotonin-Rezeptoren im Gehirn. Es sollte ein serotoninähnlicher Stoff gefunden werden, der gezielt an diesen Rezeptoren wirkt und nicht an anderen Rezeptoren im Herz-Kreislauf-System.

In den 1980er Jahren wurde der erste Kandidat identifiziert: Der Stoff 5-CT (5-Carboxamidotryptamin) bindet spezifisch an eine spezielle Art der Serotonin-Rezeptoren. In präklinischen Studien stellte sich jedoch heraus, dass 5-CT sehr starke Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System hat und die Studie wurde abgebrochen.

Wie wurden Triptane entdeckt?

Schließlich gelang dem Unternehmen GSK der Durchbruch: Das erste Triptan, Sumatriptan, wurde entwickelt und hatte die gewünschte Wirkung. Während es spezifisch an die Serotonin-Rezeptoren bindet, die für Migräne verantwortlich sind, bindet Sumatriptan nicht an Herz-Kreislauf-Rezeptoren und hat daher kaum unerwünschte Nebenwirkungen. Im Jahr 1992 wurde Sumatriptan erstmals in den USA als Migränearzneimittel zugelassen und wenig später auch in Deutschland.

Es wurde jedoch weiterhin an der Entwicklung neuer Triptane geforscht, da Sumatriptan in Tablettenform nur in kleineren Mengen in den Kreislauf gelangt und ein bedeutender Anteil der eingenommenen Menge nicht am Wirkort ankommt. Pharmazeuten sprechen hier von einer schlechten Bioverfügbarkeit. Im weiteren Verlauf der Forschung konnten einige neue Triptane entwickelt werden, die eine bessere Bioverfügbarkeit haben. Zu diesen sogenannten “Triptanen zweiter Generation” gehören unter anderem Rizatriptan (z.B. Maxalt) und Zolmitritpan (z.B. AscoTop), welche als Nasensprays erhältlich sind. Ihr Wirkungsprofil ist im Vergleich zu Sumatriptan in Wirkgeschwindigkeit und Wirkdauer ausgeglichener. Sumatriptan wirkt zwar sehr schnell, hat jedoch eine kürzere Wirkdauer als die Triptane der zweiten Generation.

Gibt es weitere Forschungsbemühungen gegen Migräne?

Die Forschung zur Optimierung der Triptane hat in den letzten Jahren keine merklichen Erfolge erzielt, sodass sich die Forschung aktuell auf andere migränerelevante Bindestellen fokussiert. Die Forscher erhoffen sich davon weitere Erkenntnisse über die Entstehung und Ursachen der Migräne zu gewinnen und Therapeutika mit einem anderen Wirkmechanismus gegen Migräne zu entwickeln. Ob solche eine vergleichbar hohe Wirksamkeit erreichen, muss jedoch in Langszeitstudien herausgefunden werden.

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Quellen:

  • Goadsby, Peter J., Richard B. Lipton, and Michel D. Ferrari. "Migraine—current understanding and treatment." N Engl j Med 346.4 (2002): 257-270.
  • Humphrey, Patrick. "The discovery of a new drug class for the acute treatment of migraine." Headache: The Journal of Head and Face Pain 47.s1 (2007): S10-S19.
  • Jhee, Stanford S., et al. "Pharmacokinetics and pharmacodynamics of the triptan antimigraine agents." Clinical pharmacokinetics 40.3 (2001): 189-205.
  • Loder, Elizabeth. "Triptan therapy in migraine." New England Journal of Medicine 363.1 (2010): 63-70.

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