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Paar hatte trockenen Orgasmus

Auch wenn der Großteil der Männer primär bei Ejakulationsstörungen an den weit verbreiteten vorzeitigen Samenerguss denkt, so ist auch der trockene Orgasmus, bei welchem es zu keiner Ejakulation kommt, ein mögliches Krankheitsbild. Dieser trockene Orgasmus kann – auch wenn allgemein eher mit der Frau assoziiert ist – genau so auch bei Männern vorkommen.

Man unterscheidet hierbei hauptsächlich zwischen retrograder Ejakulation und totaler Anejakulation, deren Ursachen vielfältig sein können.

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Wie entsteht ein trockener Orgasmus?

Eine unbeeinträchtigte Ejakulation beim Mann entsteht durch sexuelle Erregung, für gewöhnlich durch Masturbation oder Geschlechtsverkehr. Das Sexualzentrum, ein Teil des Zwischenhirns, sendet dabei Nervenimpulse an das Ejakulationszentrum, den Lendenteil des Rückenmarks. Dieses löst bei Empfangen des Signals rhythmische Kontraktion in der Muskulatur des Samenleiters, der Prostata und der beiden Bläschendrüsen aus. Dadurch vermengt sich die von ihnen gebildete Sekretflüssigkeit (Seminalplasma) mit den in den Samenzellen des Hodens gebildeten Spermien und bildet so das Sperma. Sperma ist immer ein Gemisch aus Sekret und Spermien, währenddessen "Ejakulat" je nach Literatur sowohl für Sekret mit als auch ohne Spermien verwendet wird.

Das Sperma gelangt so in den hinteren Teil der Harnröhre (Emissionsphase) und wird durch zugeschaltete Kontraktion von Teilen der Beckenmuskulatur pulsartig ausgestoßen (Ejakulationsphase). Um einen Rückfluss in die Harnblase zu verhindern schließt sich gleichzeitig der innere Harnblasenschließmuskel.

Wenn eine Störung während der Emissionsphase oder der Ejakulationsphase auftritt, kommt es zu einem sogenannten trockenen Orgasmus - also einem Orgasmus ohne Samenerguss.

Was ist, wenn ein Orgasmus komplett ohne Ejakulation erfolgt?

Bei einer totalen Anejakulation (Impotentia ejaculandi) bleibt der normalerweise durch rhythmische Muskelkontraktion ausgelöste Samenerguss trotz eines erlebten Orgasmus komplett aus. Da dies sowohl das gefühlte als auch körperlich empfundene Sexualleben einer Person erheblich einschränken kann, sprechen wir beim trockenen Orgasmus von einer sexuellen Funktionsstörung. Klar abzugrenzen sind hierbei weitere sexuelle Dysfunktionen, wie das völlige Ausbleiben eines Orgasmus mitsamt Samenerguss (Anorgasmie), die stark verzögerte Ejakulation (Ejaculatio Retarda) oder Erektionsstörungen.

Da bei einer totalen Anejakulation gar kein Ejakulat während des Orgasmus ausgestoßen wird, liegt es nahe, dass hier ein Fehler während der Emissionsphase vorliegt. Häufigste Ursache ist die Verletzung der Wirbelsäule und eine daraus folgende Schädigung des erregenden Nervensystems. Die für eine Erektion benötigten Muskel- und Nervenstrukturen werden hierbei verletzt und können nicht mehr miteinander kommunizieren. Dies kann unter anderem durch schwere Traumata wie Verkehrsunfälle, oder auch häufig als Folge eines operativen Eingriffes am zentralen Nervensystem verursacht werden. Operationen im Beckenbereich und an der Prostata können ebenfalls eine Anejakulation verursachen, da deren Muskulatur maßgeblich an der Ejakulation beteiligt ist.

Darüber hinaus werden auch psychische Erkrankungen, hoch belastender Stress und etliche Risikofaktoren, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B.: chronischer Bluthochdruck) oder hormonelle Erkrankungen (z.B.: Diabetes mellitus) mit sämtlichen sexuellen Funktionsstörungen assoziiert. Auch angeborene Störungen im Bereich der Prostata oder der Bläschendrüsen oder eine Verstopfung (Obstruktion) der Samenleiter sind möglich.

Wieso kann Urin nach einem Orgasmus eine trübe Färbung haben?

Das kann möglicherweise daran liegen, dass das Sperma bei der Ejakulation gar nicht, oder nur zu einem Teil wirklich durch den Spritzkanal hinausbefördert wurde. Man spricht hier von einer retrograden Ejakulation - einer Fehlfunktion des inneren Blasenschließmuskels wodurch die Samenflüssigkeit rückwärts (retrograd) in die Harnblase ausgestoßen wird. Der Defekt findet sich hier während dem Ejakulattransport innerhalb der Harnröhre und stellt somit eine Störung der Ejakulationsphase dar. Dies kann zu einem abgeschwächten, aber auch komplett ausbleibenden Samenerguss während des Orgasmus führen.

Die Ursachen sind hier vielfältig. Oft entstehen Defekte des Blasenschließmuskels aufgrund von operativen Eingriffen in umliegendem Gewebe. Beispielsweise durch eine operative Entfernung der Prostata durch die Harnröhre (transurethrale Prostataresektion), die maßgeblich an der rhythmischen Kontraktion zur Hinausbeförderung des Spermas beteiligt ist. Auch eine Lymphknotenentfernung im Bauchfell- oder Beckenbereich (peritoneale bzw. retroperitoneale und pelvine Lymphonodenektomien) im Falle eines Hodentumors oder anderen Operationen im Beckenbereich können die Verbindung der Nerven des Schließmuskels zum zentralen Nervensystem stören.

Erkrankungen der Nerven (Neuropathien), wie Multiple Sklerose, beziehungsweise auch Nervenschädigungen durch Bandscheibenvorfälle sowie Diabetes werden ebenfalls mit retrograder Ejakulation assoziiert. In seltenen Fällen wird auch die Einnahme von Bluthochdruckmedikamenten (Alpha-Blockern) mit dem Krankheitsbild in Verbindung gebracht.

Wie wird der trockene Orgasmus diagnostiziert?

Ein trockener Orgasmus entsteht, durch eine Störung in der Emissionsphase beziehungsweise in der Ejakulationsphase.

  • Störung während der Emission – Anejakulation
  • Störung während der Ejakulation – Retrograde Ejakulation

Da klinisch jedoch beide Ejakulationsstörungen in einem völligen Ausbleiben des Samenergusses während des Orgasmus resultieren können, bedient man sich diagnostisch zweier Möglichkeiten. Die mikroskopische Untersuchung des postmastubatorischen Urins kann dem Urologen sofort den Beweis für eine retrograde Ejakulation liefern. Der Nachweis von mehr als 15 Spermien bei 400-facher Vergrößerung gilt hierbei als eindeutig. Sollte die Untersuchung des Harns negativ sein und der Verdacht auf eine Anejakulation bestehen, so kann eine transrektale Sonographie durchgeführt werden um angeborene, zystische oder sekundär entzündliche Obstruktionen im Samenleiter, fehlerhafte Vergrößerungen der Bläschendrüsen (Samenblasenaplasie) sowie Stauungen im Spritzkanal (Ductus deferens) festzustellen. Eventuell werden bei Nervenschädigungen auch weiterführende neurologische Untersuchungen benötigt.

Wie kann eine Ejakulationsstörung behandelt werden?

Therapeutisch kann zunächst ein medikamentöser Behandlungsweg erfolgen. Sowohl für Fälle der retrograden Ejakulation als auch solche der Anejakulation werden Sympathikomimetika (z.B.: Gutron) oder Antidepressiva (z.B.: Tofranil) verabreicht, um eine verbesserte Kontraktion der Samenleiter und des Blasenschließmuskels zu erreichen. Beide Medikamente haben Nebenwirkungen: Sympathikomimetika beispielsweise verstärken die Wirkung des sympathischen Nervensystems und erhöhen so Blutdruck und Herzfrequenz. In der inneren Medizin werden sie primär zur Behandlung eines niedrigen Blutdrucks (Hypotonie) in der Notfallmedizin eingesetzt.

Bei bestehendem Kinderwunsch können bei der retrograden Ejakulation auch Spermien aus dem postmastubatorischen Urin aufbereitet werden, um sie in einer assistierten Fertilisation zu verwenden. Bei komplettem Ausbleiben des Samenergusses bei der totalen Anejakulation bietet sich die Möglichkeit der transrektalen Elektrostimulation an. Durch dieses Reizen der Nerven der an der Ejakulation beteiligten Muskulatur können diese „trainiert“ werden. Zumindest kann durch die Elektrostimulation eine retrograde Ejakulation ausgelöst werden, um so Spermien für eine Fertilisation zu extrahieren.

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Quellen:

  • Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Gesundheitliche Lage der Männer in Deutschland. Robert Koch Institut, Berlin 2014, Online: www.rki.de, zugegriffen am 17.07.16
  • Briken, Peer; Berner, Michael. Praxisbuch Sexuelle Störungen: Sexuelle Gesundheit, Sexualmedizin, Psychotherapie sexueller Störungen. Georg Thieme-Verlag, Stuttgart-New York 2013, S. 108-150.
  • Eberhard Nieschlag,H. Behre: Andrologie: Grundlagen und Klinik der reproduktiven Gesundheit des Mannes. Springer Verlag, Münster 2009, S. 243-244.

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