Eine Verhütungspille, die ein Gelbkörperhormon enthält
Das Gelbkörperhormon wird als natürliches Progesteron in der zweiten Hälfte des weiblichen Zyklus vom Gelbkörper (Corpus Luteum) in der Gebärmutter gebildet. Es dient dazu, die Gebärmutterschleimhaut auf das befruchtete Ei so vorzubereiten, das es sich in der Gebärmutter einnisten kann. Während der Schwangerschaft wird es in der Plazenta (Mutterkuchen) produziert.

Progesteron und Östrogen bilden zusammen die weiblichen Sexualhormone. Progesteron ist ein sogenanntes Steroidhormon. Wenn es synthetisch hergestellt wird, ist es als Gestagen Bestandteil von Verhütungsmitteln wie der Pille, der Minipille, der „Pille danach“ oder Östrogen-Gestagen-Präparaten gegen Wechseljahresbeschwerden. Gestagene können zur Empfängnisverhütung sowohl alleine als auch in Kombination verschrieben werden.

Diese Seite gibt ihnen einen Überblick über die Funktionen des Hormons sowie seine Verwendung für medizinische Zwecke.

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Welche Funktionen hat das Hormon?

Das Gelbkörperhormon, auch Corpus-luteum-Hormon genannt, wird im Eierstock vom Gelbkörper, einem drüsenähnlichen Gewebe (Granulosazellen), produziert. Es wird auf Veranlassung des luteinisierenden Hormons ausgeschüttet, das in der Hirnanhangdrüse hergestellt wird.

Nach dem Eisprung beginnt die Follikelhülle, vermehrt Progesteron zu produzieren, um die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten. Die Körpertemperatur steigt leicht an, die Gebärmutterschleimhaut wird besser durchblutet und gut mit Nährstoffen versorgt. Später übernimmt die Plazenta die Aufgabe der Progesteronherstellung.

Die tägliche Produktion des Gelbkörperhormons im weiblichen Körper schwankt je nach Zyklusphase der Frau. Vor dem Eisprung beträgt sie circa 5mg bis 10mg, zur Zeit des Eisprungs circa 10mg bis 20mg, nach dem Eisprung circa 20mg bis 50mg. Während einer Schwangerschaft steigt der Wert auf bis zu 400mg. Nach den Wechseljahren wird die Progesteronproduktion fast ganz eingestellt und es werden nur noch circa 10mg bis 20mg produziert.

Wenn der Körper Progesteronmangel aufweist, kann es zu einem Mangel an denjenigen Folgehormonen kommen, die mit Hilfe von Progesteron hergestellt werden. Dies können beispielsweise Östrogene, Testosteron oder Kortikosteroide sein.

In der Schwangerschaft

Progesteron ist für die Erhaltung der Schwangerschaft zuständig. Es bewirkt auch, dass überschüssige Körperflüssigkeit ausgeschieden wird und sich keine Ödeme bilden. Es bereitet zudem die Brustdrüse auf die Milchproduktion vor. Das Steroidhormon sorgt dafür, dass sich keine weiteren Eier einnisten können und verhindert das Weiterrreifen der Eier im anderen Eierstock.

Wenn es nicht zu einer Schwangerschaft gekommen ist, wird die vermehrte Progesteronbildung wieder eingestellt und der Gelbkörper bildet sich zurück. In diesem Zusammenhang tritt einige Tage vor der Menstruation bei vielen Frauen das sogenannte Prämenstruelle Syndrom häufig auf, das mit starker Beeinträchtigung durch Bauchkrämpfe, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Wassereinlagerungen und Brustspannung verbunden ist.

Krankheiten

Die Konzentration des Gelbkörperhormons ist in der Mitte des weiblichen Zyklus, ungefähr am fünften bis achten Tanach dem Eisprung, am höchsten. Hohe Werte an Progesteron werden gemessen, wenn eine Schwangerschaft vorliegt oder auch, wenn ein Eierstocktumor entstanden ist. Auch das androgenitale Syndrom, die Vermännlichung der äußeren Geschlechtsorgane bei Frauen, ist auf einen hohen Progesteronspiegel zurückzuführen.

Bei zu niedrigem Progesteronspiegel kann eine Unterentwicklung der Eierstöcke gegeben sein oder es kann auch ein Hypogonadismus, eine mangelnde Ausbildung oder Rückbildung der Geschlechtsmerkmale, vorliegen.

Verhütung mit Progesteron

Das Sexualhormon ist in vielen Präparaten zur Verhütung enthalten. Es wird als synthetisch hergestelltes Gestagen verschiedenen Medikamenten zugesetzt oder als einziger Wirkstoff eingesetzt. Durch die Einnahme hochdosierter Gestagene kann der Eisprung in der Regel verhindert werden, weil das luteinisierende Hormon nicht aktiviert wird.

Bei der Minipille wird mit einem reinen Gestagen-Anteil gearbeitet. Hier gibt es zwei Arten, die unterschiedlich wirken. Diese Pillen bewirken einerseits eine Verdickung des Gebärmutterschleims, so dass Spermien nicht hindurch kommen können, andererseits wird der Eisprung verhindert. In verschiedenen Präparaten kommen unterschiedliche Gestagene zum Einsatz, etwa in der Pille, Mini-Pille und der 3-Monats-Spritze.

Die sogenannte „Pille danach“ hat einen hohen Progesteron-Anteil und ist in zwei Arten verfügbar. Eine Pille enthält den Wirkstoff Levonorgestrel und verhindert den Eisprung, und möglicherweise auch das Einnisten des Eis in die Gebärmutter.

Die andere „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat wirkt am Progesteron-Rezeptor. Dies heißt, dass Progesteron nicht mehr an den hierfür vorgesehenen Stellen „andocken“ kann, und folglich mehr wirkt.

Wechseljahres- und Zuklusbeschwerden

In den Wechseljahren sinkt die Herstellung des Gelbkörperhormons auf Werte unter 20mg. Dies löst bei einem großen Teil der betroffenen Frauen Beschwerden aus. Bei Hormonpräparaten zur Verhinderung von Wechseljahrbeschwerden arbeitet man heutzutage mit einem hohen Gestagenanteil. Er senkt das Risiko für Gebärmutterkrebs, die bekannten Risiken für Brustkrebs und Gefäßerkrankungen bleiben jedoch bei längerer Einnahme bestehen. Aus diesem Grund werden solche Arzneimittel nur bei sehr schweren Wechseljahrbeschwerden verschrieben.

Zur Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft nach einer künstlichen Befruchtung wird oft auch eine Progesteron-Salbe, die in der Scheide aufgetragen wird, zur Unterstützung eingesetzt.

Bei Endometriose wird Progesteron teilweise zur Therapie in Form von Salben oder Tabletten eingesetzt. Durch die tägliche Einnahme kommt es zur Veränderungen im Hormonspiegel. Hierdurch wird das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut gebremst, was sich auf die endometriosetypischen Beschwerden günstig auswirkt. Bei zyklusbedingten Beschwerden, wie z.B. ziehenden Schmerzen in der Brust, wird oft eine Progesteronsalbe zur äußeren Anwendung auf der Haut verschrieben.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Progesteron kann bei einer Hormon-Ersatztherapie zu den folgenden Nebenwirkungen führen:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Schwindelgefühl
  • Depressive Verstimmung
  • Schmierblutungen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Bauchkrämpfe
  • Spannungsgefühl in der Brust

Auch Wassereinlagerungen im Gewebe, Akne, Herzrhythmusstörungen, Fettstoffwechselstörungen und Hautreizungen können auftreten.

Wenn es zu Gelbsucht, starken Kopfschmerzen und Seh- und Hörstörungen kommt, ist die Behandlung abzubrechen. Eine Hormonersatztherapie sollte nicht über mehrere Jahre durchgeführt werden. Für einige Frauen, beispielsweise starke Raucherinnen, sollte sie gar nicht verschrieben werden.

Bei manchen Frauen ist Progesteron wegen der Nebenwirkungen kontraindiziert. Brustkrebspatientinnen sowie Frauen, die an anderen Krebsarten der Geschlechtsorgane leiden, sind nicht zur Behandlung geeignet. Auch bei der Gefahr von Blutgerinnseln oder Störungen der Blutgerinnung darf Progesteron nicht gegeben werden. Das gleiche gilt bei arteriellen Durchblutungsstörungen und für Schlaganfallpatienten. Da viele Medikamente Wechselwirkungen mit Progesteron haben, muss die Verordnung mit dem Arzt abgeklärt werden.

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